Chrysler Akino: Wohnen auf Rädern - DER SPIEGEL
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Chrysler Akino Wohnen auf Rädern

Kaum ist die IAA vorüber, dämmert die nächste große Automesse herauf. Die Tokio Motor Show ist bekannt für besonders futuristische Studien. Diesmal stützt auch die US-Marke Chrysler diesen Ruf mit dem Konzeptauto Akino.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Noch sind es drei Wochen hin, bis in den Makuhari-Messehallen in Tokio die Hüllen von den Weltpremieren fallen werden. Chrysler jedoch zeigt jetzt schon vorab seinen Hingucker - wohl wissend, dass, je näher die Motor Show (22. Oktober bis 6. November) rückt, die japanischen Marken zunehmend die Berichterstattung auf sich ziehen. Dem kommen die Amerikaner nun zuvor: mit der Studie Akino. Das Konzeptauto ist speziell für den Markt in Fernost entworfen, denn normalerweise fängt Chrysler in der Größenordnung von 3,72 Meter - so lang ist der Akino - gar nicht erst an, ein Auto zu entwerfen.

Das war in diesem Fall anders, denn den Stift führte Akino Tsuchiya, eine gebürtige Japanerin, die im DaimlerChrysler Pacifica Advanced Design Center im kalifornischen Carlsbad beschäftigt ist. Die 37-Jährige entwarf das Konzeptauto, dessen Namensgeberin sie auch ist, mit Blick auf die Bedürfnisse in ihrem Heimatland. "Im Akino soll man sich auch auf der Straße wie zu Hause fühlen", sagt Frau Tsuchiya. Denn auf Grund der Verkehrslage in zahlreichen japanischen Ballungszentren verbringen viele Menschen dort erheblich mehr Stunden in ihrem Fahrzeug als irgendwo sonst auf der Welt.

Das kompakte, nahezu kastenförmige Modell Akino greift diese Situation auf und versucht, das Beste daraus zu machen. Nämlich ein Auto mit Wohnbereich. Der Dreitürer - eine Tür auf der Fahrerseite, zwei gegenläufig öffnende auf der Beifahrerseite - ist in einen blau ausgekleideten Arbeitsbereich - den Fahrerplatz - und in einen in Beige gehaltenen Wohnbereich im Fond unterteilt. Da sich der wie ein Sessel geformte Beifahrersitz drehen lässt, entsteht eine Art Wohnzimmersitzgruppe. Insgesamt fünf Insassen finden im Akino Platz: Drei auf der wie eine Couch gestalteten Rücksitzbank, zwei auf den Vordersitzen, wobei einer leider das Auto fahren muss.

Die anderen jedoch können das "Herbstfeld" genießen - so lautet die Übersetzung des Wortes Akino. "Ich wollte für den Innenraum das beruhigende, komfortable Gefühl eines Wohnzimmers schaffen", sagt Frau Tsuchiya. Die Auto-Oase ist entsprechend eingerichtet, zum Beispiel mit einem Bambusboden, dimmbarem Licht sowie Überwurfdecke und sogar Kissen auf der Couchsitzbank. Die hinteren Fenster sind darüber hinaus beschichtet, um eine heimelige Privatsphäre zu schaffen.

Während der Innenraum bis ins Detail ausgefeilt wurde, stehen an anderen Stellen des Autos noch große Fragezeichen. Wohin beispielsweise sollten die Insassen mit ihrem Gepäck? Und vor allem: Wie kommt das Auto vorwärts? Trevor Creed, Chefdesigner bei Chrysler, drückt es sehr diplomatisch aus: "Für dieses Projekt haben wir uns einen neuen, äußerst effizienten Antrieb vorgestellt, der dem Designer die Möglichkeit gibt, eine neue Lösung für den Transport der Zukunft zu entwerfen." Mit anderen Worten: Die Studie Akino hat gar keinen Motor. Ein herkömmliches Verbrennungsaggregat mitsamt Getriebe würde auch gar nicht reinpassen. Ein Elektromotor dagegen schon, doch für die nötigen Batterien wäre kein Platz mehr an Bord. Für Chrysler jedoch sind diese Fragen zweitrangig. Joe Eberhardt, der Marketingchef von Chrysler, formuliert es so: "Der Akino zeigt, wie wir die rationalen Bedürfnisse von Kunden in unseren internationalen Märkten treffen können." Alles andere wird sich finden - vermutlich.