Chrysler: Nächste Ausfahrt Auburn Hills - DER SPIEGEL
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Chrysler Nächste Ausfahrt Auburn Hills

Wohin steuert die US-Abteilung des Weltkonzerns DaimlerChrysler? Bislang ist nur bekannt, dass Chrysler in der Klemme steckt. Um aus der Krise wieder herauszukommen, helfen im Grunde nur neue Produkte. Eine Bestandsaufnahme.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn es um die Zukunft von Chrysler geht, stehen immer wieder fünf Studien im Vordergrund, die den Weg skizzieren, den die US-Autobauer in den nächsten Jahren einschlagen wollen. Das Quintett der Neuheiten zerfällt in zwei Teile: Einen eher amerikanisch-konservativen und einen anderen, den man als europäisch-progressiv bezeichnen könnte.

Amerikanisch und durch und durch "Old School" sind zweifellos die beiden Studien der Chrysler-Marke Dodge, der Charger R/T und der Power Wagon. Ersterer, ein "Muscle Car" in Brachial-Optik, wird von einem 4,7-Liter-V8-Motor angetrieben, der Erdgas verbrennt. Bekannte Technik also gepaart mit einem Treibstoff, der zumindest den Abgasausstoß auf erträgliche Werte reduziert. Ansonsten jedoch kein Konzept, das Chrysler aus dem Keller ziehen könnte.

Und der Power Wagon? Der könnte es schaffen - rein technisch betrachtet. Denn die bullige Pick-up-Studie wird von einem Common-Rail-Reihensechszylinder-Dieselmotor mit Turbolader, 7,2 Liter Hubraum und einem exorbitanten Drehmoment von 1058 Nm bewegt. Den Verbrauch dieser Kraftmaschine mag man sich gar nicht vorstellen, immerhin werden die Abgaswerte durch schwefelfreien "Designer-Diesel" reduziert; neue Systeme zur Senkung der Stickoxid- und Partikelemission sind in der Entwicklung. Der Power Wagon ist auf jeden Fall ein Hingucker - ein Hoffnungsträger ist er jedoch nicht.

Bleiben die drei Fahrzeugprojekte aus der zweiten Kategorie. Zum Beispiel die vor gut einem Jahr vorgestellte Studie Java, ein Kompaktwagen der Golf-Klasse im vom Chrysler so genannten "Passenger Priority Design". Optisch kein schlechter Wurf, technisch dagegen eher enttäuschend: Ein 1,4-Liter-Vierzylindermotor mit 80 PS (60 kW), gekoppelt mit einem Fünfganggetriebe, soll den Wagen bewegungsfähig machen. Innovationen Fehlanzeige? Potenzial für einen Verkaufsrenner damit wohl auch.

Nächstes Modell: Das Konzeptauto Jeep Commander. Eine Art Cherokee-Mutation für die Oberklasse in eigenständig geformtem, seriös-kraftvollem Karosseriedesign. Im Innenraum herrscht der bei vielen Studien inzwischen übliche Hightech-Overkill. Laptop, Kamera im Armaturenbrett, Internetzugang und - logisch - Navigationssystem.

Bei seiner Präsentation wurde der Jeep Commander mit zwei Elektromotoren für Vorder- und Hinterachse vorgestellt. Die Energie für die Motoren liefert eine methanolbetriebene Brennstoffzelle - eine Technik, die vom Konzernpartner Daimler in der "Necar-Serie" forciert wird.

Mag sein, dass in dieser Technik die Zukunft steckt - kurz- und mittelfristig jedoch werden solche Systeme an der mangelhaften Infrastruktur im Alltagsbetrieb scheitern. Fazit: Auch der Commander wird nicht so schnell den Ton angeben im Chrysler-Programm.

Bleibt die Studie Chrysler Citadel. Der Wagen greift den derzeit in Entwicklungsabteilungen beliebten Mix aus Kombi, Coupé und Luxuslimousine auf. Optisch ist der Citadel das interessanteste Fahrzeug der Chrylser-Conzept-Car-Garde. Und auch technisch hat der Allradler einiges zu bieten; der Wagen ist als Hybridfahrzeug konzipiert:

Die Hinterachse wird von einem 3,5-Liter-V6-Benziner angetrieben, an der Vorderachse sind zwei Siemens-Elektromotoren mit zusammen 70 PS (52 kW) aktiv. Wenn gebremst wird, lässt der Allradler die entstehende Energie den Elektromotoren zugute kommen. In solchen Details steckt zweifellos zukunftsweisende Technik.

Doch der Citadel war bereits die vierte Hybridstudie von Chrysler, während andere Hersteller wie Toyota oder Honda bereits die ersten Hybridfahrzeuge verkaufen. Daher dürfte auch der Citadel nicht die geeignete Medizin sein, um den Patienten Chrysler wieder auf die Beine zu bringen.

Im neuen Jahr konzentriert sich die Hoffnung bei Chrysler auf zwei alte Bekannte. Es gibt die Neuauflage des Edel-Offroader Jeep Cherokee und eine überarbeitete Version des Großraumveteranen Voyager. Dazu noch die neue Limousine Sebring. Die Lage im Angebot von Chrysler wird sich nicht so schnell ändern: Der Voyager und die Jeep-Modelle werden auf absehbare Zeit die Hauptlast der Marke tragen müssen.