CO2-Debatte Köhler fordert Umdenken der Autohersteller
Hamburg Mit deutlichen Worten hat Bundespräsident Horst Köhler die Automobilbranche kritisiert. Die deutschen Unternehmen in der Branche hätten "mit Blick auf die ökologische Entwicklung dieser Erde kein Ruhmesblatt geschrieben", sagte Köhler der Wochenzeitung "Die Zeit". So habe die Branche bei der Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes lediglich eine Selbstverpflichtung abgegeben, diese aber nicht eingehalten. Deshalb müssten sich die deutschen Autobauer wie schon bei Einführung des Katalysators die Frage gefallen lassen: "Was kann man denn davon halten, dass sie Selbstverpflichtungen eingeht und dann wiederholt nicht liefert?"
Köhler forderte ein Umdenken der Konzerne. "In jedem Fall werden die Manager klug genug sein, jetzt die Entwicklung voranzutreiben und die erforderlichen Investitionen zu tätigen, um deutsche Autos und Motoren umweltfreundlich zu machen", sagte Köhler. Der Bundespräsident griff auch die Politik an. Der Staat habe bisher "keinen Mumm gehabt, etwas deutlichere Vorgaben zu machen", sagte Köhler. "Ich finde, Unternehmen und Staat müssen sich Gedanken machen, wie man Kundenwünsche so weckt und handhabt, dass sie mit Umweltzielen vereinbar sind."
Der Staat dürfe sich nicht scheuen, vorausschauend Ziele zu setzen, und die Industrie müsse darauf antworten. "Der Markt allein wird es nicht richten", sagte Köhler.
Die Grünen begrüßten die Kritik des Bundespräsidenten. "Der Präsident hat Recht", erklärte Parteichef Reinhard Bütikofer in Berlin und sprach von einem "Weckruf" Köhlers. "Sinneswandel tut Not", betonte er mit Blick auf die Autoindustrie. Diese verschlafe wichtige Trends der Branche. Damit schade sie "der Klimapolitik, der notwendigen ökologischen Innovation und ganz sicher sich selbst."
Existenzielle Bedrohung für Porsche?
Bei Audi und Porsche dagegen führten die Worte des Bundespräsidenten zu gereizten Reaktionen. Audi-Chef Rupert Stadler betonte, man habe durch technische Fortschritte bei der Verringerung des Schadstoffausstoßes in der Vergangenheit seine umweltpolitische Verantwortung wahrgenommen. "Den Vorwurf, da schläft jemand auf dem Baum, lasse ich absolut nicht gelten", sagte Stadler der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Politik müsse sich bei Regulierungsforderungen ihrer industriepolitischen Verantwortung bewusst sein. Stadler warnte vor einem Abbau von Arbeitsplätzen, wenn allzu strenge Grenzwerte eingeführt würden. Die diskutierten Grenzwerte pro Kilometer seien für die Flotte der Volkswagen-Tochter unrealistisch. "Einen durchschnittlichen Flottenausstoß von 120 Gramm wird es bei Audi nicht geben. Sie können die Physik nicht betrügen", sagte Stadler.
Auch Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Dürheimer forderte ähnlich wie Audi eine Segmentbetrachtung. "Die Kommission soll für jede Klasse Zielwerte vorgeben, die bis 2012 erreicht werden müssen", sagte Dürheimer. "Ein Cayenne ist nun einmal nicht mit einem Smart vergleichbar. Auch wir können die Gesetze der Physik nicht aushebeln", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". Mit solchen Regeln sei die Existenz des schwäbischen Luxus-Autobauers bedroht: "Ein Hersteller wie Porsche, der das Ziel aufgibt, sportliche und sichere Fahrzeuge zu entwickeln, die besser sind als jene der Wettbewerber, wird schnell vom Markt verschwinden."
Die EU-Kommission fordert von den Autokonzernen die Absenkung des Ausstoßes von CO2 auf 130 Gramm pro Kilometer. Gegen eine weitere Absenkung nur durch modernere Motoren hatte sich die Bundesregierung gesperrt.
sto/AFP/dpa/Reuters/ddp