Coda Automotive: Elektroauto ohne Allüren
Coda Automotive Der elektrische Biedermann
Normalerweise kauft man hier Designermode, teuren Schmuck oder edles Schuhwerk. Doch seit ein paar Wochen gibt es in der schillernden Westflield Century Mall zwischen Beverly Hills und Santa Barbara einen ungewöhnlichen Neuzugang: Coda steht an der Holzfassade der kleinen Boutique, die aussieht wie eine coole Kaffeebar. Drinnen jedoch steht das Schnittmodell eines Autos, und davor parkt ein Kleinwagen, der nicht zum noblen Ambiente passen will. Die ausgesprochen schlichte Stufenhecklimousine versprüht noch weniger Charme als ein Chevrolet Cruze. Dennoch bleiben ständig Passanten vor dem Viertürer stehen, viele betreten danach das Geschäft. Sie werden angelockt von bunten Aufklebern: "All-Electric, No Tailpipe - No Emissions" steht auf denen. "Voll elektrisch, kein Auspuff - keine Abgase."
Entwickelt hat das Auto das in Santa Monica beheimatete Startup-Unternehmen Coda, in das fünf internationale Fondsgesellschaften bereits 300 Millionen Dollar investiert haben. Genau wie Tesla Motors, dem Elektroauto-Pionier der ein paar hundert Meilen weiter im Norden beheimatet ist, elektrifizierten die inzwischen 200 Coda-Mitarbeiter ein bestehendes Fahrzeug. Während Tesla auf einen exotischen Sportwagen auf Basis des Lotus Elise setzt und das Auto für mehr als 100.000 Dollar anbietet, setzt Coda auf Elektromobilität für Jedermann.
"Wir denken an den ganz normalen Durchschnittsamerikaner, an Pendler wie dich und mich", sagt Coda-Marketing-Chef Thomas Hausch. Und so entstand eine biedere Stufenheck-Limousine, wie sie der Großstädter als Auto für Kind und Kegel kauft. Der Preis liegt bei 44.900 Dollar, wobei Käufer mit einer Elektro-Auto-Förderung von 7500 Dollar von der US-Regierung und weiteren 2500 Dollar von der kalifornischen Exekutive rechnen dürfen.
Ein "Guru" erklärt, wie das Auto funktioniert
Wie die kleine Limousine namens Coda funktioniert, lassen sich täglich bis zu 300 Interessenten von Männern wie Jason Wigard erklären. Die heißen bei Coda nicht "Berater", sondern "Guru" und können stundenlang über die Technik referieren. Von ihnen lernt man, dass der Wagen eigentlich als Lizenzbau eines ausrangierten Mitsubishi von Hafei im chinesischen Harbin gebaut und ohne Antrieb als so genannter Glider nach San Francisco geliefert wird. In Kalifornien dann baut Coda den 136 PS starken E-Motor sowie die 728 Lithium-Eisen-Phospat-Akkus ein, die ebenfalls aus China stammen und eine Kapazität von 36 kWh haben. "Das reicht selbst bei voll aufgedrehter Klimaanlage für 150 Kilometer Fahrstrecke", sagt Hausch.
Guru Wigard kann auch erklären, wieso der Coda trotz der preisdrückenden China-Connection gut 5000 Dollar mehr kostet als der Elektro-Kompaktwagen Nissan Leaf, der in Japan und in den USA gebaut wird. "Wir haben die besseren Akkus", sagt er voller Überzeugung. Nicht nur die Kapazität und damit die Reichweite sei um 50 Prozent größer. Die Akkus des Coda ließen sich auch schneller laden. "Eine Stunde Ladezeit für 50, zwei Stunden für 100 Meilen und sechs Stunden, bis der Akku voll ist. Das ist doppelt so schnell wie bei Nissan." Außerdem seien die Akkus im Coda klimatisiert und machten daher alle Witterungsbedingungen mit. "Mit unserem Auto kann man von Florida bis Alaska fahren", sagt Marketing-Mann Hausch.
Auch wie der Coda fährt, können Interessenten gleich in der Westfield Mall ausprobieren. Denn in der Tiefgarage stehen immer einige Autos zur Testfahrt bereit: Die beginnt durchaus spritzig, weil der Wagen in weniger als neun Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 140 km/h, was in einem Land mit 75-Meilen-Limit niemanden stören dürfte. Ärgerlich ist dagegen das lustlose Design, der lieblos gestaltete Innenraum und die faden Instrumente. Hausch reagiert auf derartige Kritik lässig. Mann wolle mit dem Coda keine Autonarren, sondern Durchschnittsbürger erreichen.
Anfang 2012 soll der Verkauf der Coda-Limousinen beginnen
Kaufen jedoch kann man das Auto noch nicht. Mehr als eine Reservierung sowie eine 99 Dollar Anzahlung ist derzeit nicht drin. "Die eigentliche Bestellung und Auslieferung erfolgt über ein klassisches Händlernetz, das wir gerade aufbauen", sagt Hausch. Die ersten Betriebe sollen zum Jahreswechsel öffnen. "Starten wollen wir in fünf Regionen", sagt Hausch, geplant sind die Großräume San Francisco, Los Angeles, San Diego, New York und Chicago. Weitere US-Gebiete sollen folgen, später soll der Wagen auch exportiert werden. "Ab 2014 werden wir mit neuen Modellen auch neue Märkte erschließen", sagt Hausch mit Blick auf Europa. Doch zunächst soll das Geschäft in den USA florieren. Der US-Markt für reine Elektrofahrzeuge wird von Experten für 2012 auf 40.000 Fahrzeuge taxiert. "Gut ein Drittel davon könnte auf unser Auto entfallen", sagt Coda-Sprecherin Larkin Hill.
Zwar gibt es die Marke erst seit drei Jahren, und das erste Experience Center in der Westfield Mall eröffnete vor wenigen Wochen. Ganz neu ist die Idee von Coda trotzdem nicht. Denn hinter der Marke steht der Elektro-Visonär Miles Rubin, der 2005 als erster begann, Elektroautos aus China im Sinne der US-Crasherfordernisse umzurüsten und in den USA zu verkaufen.