Computertechnik im Auto Mehr Sicherheit durch rollende Rechner
Mobiles Internet, Musik von der Festplatte und zahlreiche Assistenzsysteme. Anwendungsmöglichkeiten für Computer im Auto gibt es viele. Im neue Opel Insignia zum Beispiel sind alleine 50 Steuergeräte eingebaut. Das sogenannte Opel Eye etwa erkennt Verkehrszeichen und kann müde Fahrer warnen. Und es geht noch viel mehr, denn die Computerisierung des Autos hat erst begonnen. Die Cebit hat eine ganze Halle für das Thema Automotive IT reserviert.
Hier bietet etwa die Reutlinger Firma Krämer Automotive einen Blick in die Zukunft des Rechners im Auto: "Ab 1000 Euro bieten wir voll funktionsfähige Computer zum Nachrüsten für Autos", sagt Krämer-Experte Bernd Fastenrath. Über einen 10-Zoll-Bildschirm kann man mit diesem Car-PC arbeiten wie Zuhause: E-Mails schreiben, im Internet surfen, Fotos und Filme laden und Office-Funktionen nutzen. Die Tastatur wird über eine USB-Schnittstelle angeschlossen, der PC selbst ist unsichtbar im Wagen verbaut. "Natürlich kann man sich auch einen Laptop auf den Beifahrersitz legen. Aber wenn der während der Fahrt läuft, ist die Festplatte durch die Erschütterungen schnell hinüber", sagte Fastenrath.
Und wer braucht einen PC im Auto? Wohnmobilisten zum Beispiel, die online über UMTS oder WLAN Bilder in die Heimat schicken, Handwerker, die Auftragsformulare ausfüllen oder Polizisten, die Steckbriefe empfangen müssen. Mit einem Bord-Rechner werden außerdem ein zusätzliches Navigationsgerät und eine getrennte Freisprecheinrichtung überflüssig.
Die meiste Computertechnik im Auto ist weniger offensichtlich: die sogenannten Fahrer-Assistenz-Systeme. Am Anfang stand das Bremsen-Antiblockiersystem ABS, es folgte der Schleuderschutz ESP, ein Anti-Wank-Mechanismus und Systeme, die dem Fahrer helfen auf der Spur zu bleiben.
Vorausschauende Systeme geplant
ESP zum Beispiel funktionieren prinzipiell so: Über zahlreiche Sensoren im Auto werden Daten zusammengetragen: Drehzahl der Räder und des Motors, Einschlag des Lenkrades, Pedalstellung, Kraft auf dem Bremspedal und so weiter. Diese Informationen werden vom einem Prozessor ständig ausgewertet. Wenn etwas nicht stimmt, etwa die Räder auf einer Seite schneller drehen als auf der anderen und Schleudergefahr besteht, greift die Steuerelektronik ein und stabilisiert das Auto.
Doch die herkömmliche Technik kann nicht vorausschauen. Eine Weiterentwicklung erobert zurzeit gerade immer mehr Neuwagen: Kameras und Radarsensoren im Kühlergrill sichten ständig die Strecke, bei vielen Autos auch nach hinten - auch für die Fahrzeugflanken sind Sensoren geplant. Diese Kameras und Scanner können Gefahren erkennen, etwa Fußgänger auf der Straße. In einer Gefahrensituation wird der Fahrer durch ein mehrstufiges System gewarnt. In der neuen E-Klasse von Mercedes erkennt die Kamera sogar Verkehrszeichen am Straßenrand. In einem Display wird dann die gültige Geschwindigkeitsbegrenzung angezeigt.
Der Computer könnte das Steuer übernehmen
Vor dem logischen nächsten Schritt zucken die meisten Hersteller jedoch noch zurück: Die Elektronik übernimmt das Steuer, wenn der Fahrer versagt hat und ein Crash nicht mehr zu stoppen ist. Bosch etwa entwickelt ein Bremssystem, das eine Vollbremsung einleitet, wenn der Rechner die Unfallwahrscheinlichkeit mit 100 Prozent annimmt.
In Zukunft sollen die verschiedenen Computersysteme im Auto noch enger zusammenarbeiten, um Unfälle schon lange vorher zu vermeiden: Blaupunkt arbeitet an einem System, das zu schnelle Kurvenfahrten von Anfang an verhindern soll. Das System koppelt die Straßenkarte des Navigationsgeräts mit Sensoren am Auto. Es ermittelt den Kurvenradius und erkennt bei zu hoher Geschwindigkeit die Gefahr.
Der italienische Hersteller Fiat nutzt die Möglichkeiten der Computertechnik nicht nur um die Sicherheit zu erhöhen, sondern hilft auch beim ökonomischen Fahren. Zusammen mit Microsoft entwickelten sie ein System, das dem Fahrer den CO2-Ausstoß während der Fahrt anzeigt.