Concours d'Elegance: Klassiker im Küstennebel - DER SPIEGEL
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Concours d'Elegance Klassiker im Küstennebel

Cineasten haben Cannes, Künstler die Biennale - und Autofans den Concours d'Elegance in Pebble Beach. Nirgends sonst kommen mehr und vor allem edlere Oldtimer zusammen, als auf diesem Golfplatz in Kalifornien. In diesem Jahr standen mehr als 200 Klassiker im Küstennebel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Man kann zwar noch nichts sehen. Doch schon lange bevor die kalifornische Sonne den Küstennebel wegbrennt, kann man sie hören - und vor allem riechen. Es ist die Zeit des Concours d'Elegance, und aus allen Ecken tuckern und schnaufen, grollen, röhren und donnern die Klassiker auf die wohl berühmteste Bühne, die es für Oldtimer in den USA und vielleicht der ganzen Welt gibt: den Golfplatz von Pebble Beach.

Minutiös geplant und choreografiert wie ein Ballett nehmen innerhalb weniger Stunden mehr als 200 PS-Pretiosen aus den vergangenen 110 Jahren Aufstellung auf dem kurz geschorenen, von der Pazifik-Brandung umtosten Grün der Millionärshalbinsel - und die allermeisten davon sind zumindest die letzten Kilometer auf eigener Achse gefahren. In den salzigen Nebel mischt sich deshalb der Duft von allerlei Brennstoffen, der aus Hunderten von Auspuffrohen wabert.

Je höher die Sonne steigt, desto mehr lichtet sich der Dunst, und die Pracht wird deutlicher: Kotflügel an Kotflügel stehen fein sortiert nach Themen, Epochen und Herkunft historische Rennwagen neben Luxuslimousinen aus der Vor- und Nachkriegszeit, Schauferln der Jahrhundertwende oder Prototypen aus den frühen fünfziger Jahren. Dazu kommen italienische Sportwagen, deutsche Roadster sowie legendäre Woodies von General Motors. Zwar liegt noch der Tau auf Motorhauben, Cabrio-Verdecken, Kühlerfiguren und Chromfelgen. Doch überall wird gewienert und poliert und mit Lappen, Druckluft und Zahnbürsten auch das letzte Staubkorn entfernt.

Der nun schon seit fast 60 Jahren veranstaltete Concours ist der schillernde Abschluss einer ganzen Woche im Zeichen edlen Altmetalls und beschließt eine Serie von Ausfahrten, Oldtimerrennen, Neuvorstellungen und Auktionen, die die Classic Week zum Brennpunkt im Kalender der PS-Branche machen.

Champagner, Burger und der Duft von Motoröl

Das Finale ist eine volkstümliche Party in Perfektion. Der Champagner wird in Pappbechern serviert, dazu gibt es Bagel und Burger, und kauend flaniert die Upper Class dann mit Kind und Kegel zwischen den teuersten und seltensten Autos des Globus umher. Hier ein Erinnerungsfoto mit einem Peugeot von 1908 - dort das Bild vom Sohn neben dem Ferrari California - dann den Mercedes 770K von 1939 und den BMW 328i ablichten und weiter zu Lamborghini Miura, Hispano Suiza und Cadillac V16.

Unter die Zuschauer mischen sich auch mehr als hundert Juroren, die als Kenner der Materie jedes einzelne Auto unter die Lupe nehmen. "Innerhalb der Klassen haben wir eine Checkliste mit mehr als 20 Punkten, die wir bei jedem Auto prüfen", sagt Peterheinz Kern, der als Field Judge über die Vorkriegs-Mercedes' urteilt. Wo der deutsche Experte mit seinen beiden Punktrichterkollegen auftaucht, werden die Fahrzeugbesitzer nervös und nehmen Haltung an.

Während die Experten jeden Schalter ausprobieren, über Lack und Leder streichen, skeptisch unter die Haube schauen und dann dem Motorengeräusch lauschen, erklären die Besitzer ihr Auto und seine Geschichte. Bewertet wird - wie sollte es bei einem Concours d'Elegance auch anders sein - vor allem die Eleganz der Fahrzeuge. Aber auch der technische und optische Zustand sind wichtig. "Wir wollen genau wissen, ob und wie die Details funktionieren", sagt Kern, während er Blinker und Rücklichter an einem 500K von 1935 kontrolliert.

Falsch restaurierte Autos haben keine Chance

"Vor allem prüfen wir die Qualität der Restauration." Wer eine Chance haben will, der muss den Wagen so original wie irgend möglich belassen. "Gerade das Überrestaurieren ist hier in Kalifornien bisweilen ein Problem", klagt Kern über falsche Farben, artfremde Hölzer oder veränderte Armaturen. Wie wertvoll oder selten ein Auto ist, soll keine Rolle spielen. "Rarität und Preis sind nicht entscheidend", sagt Kern.

Obwohl er viele Autos besser kennt als die Besitzer selbst, fällt Kern die Urteile erst nach langem Abwägen. Nur sechs Fahrzeuge sind in seiner Klasse, und vier davon hätten den Sieg verdient, sagt er, bevor er sich mit seinen Kollegen zur Beratung zurückzieht und jenes Urteil fällt, das am Nachmittag auf der legendären Rampe vor dem Clubhaus verkündet wird. Wird es das feuerrot lackierte Armbruster Cabriolet von 1928, das der mexikanische Sammler Arturo Keller ins Rennen geschickt hat, das Mercedes 540K Cabriolet von 1937 oder der weinrote SSK von 1928, den Mercedes-Sprecher Josef Ernst auf mehr als sieben Millionen Euro taxiert?

Eine Ehrenjury wählt den Elegantesten der Eleganten

Außer Experten wie Kern gibt es noch gut 20 Ehrenrichter, unter ihnen die Autodesigner Chris Bangle, Peter Pfeiffer und Ian Callum oder Automanager wie Franz-Josef Paefgen und Luca de Meo sowie Rennfahrer wie Jochen Mass und Stirling Moss, die aus den zwei Dutzend Klassensiegern den Tagesgewinner wählen und die begehrte "Best of Show"-Trophäe vergeben. Wie sie sich entscheiden, das ist die 100.000-Dollar-Frage, die jedem Besucher durch den Kopf geht. Denn ein Sieg in Pebble Beach ist so etwas wie die Heiligsprechung für einen Oldtimer: Nicht nur Wert und Preis des Autos schnellen dann innerhalb weniger Minuten nach oben, sondern auch das Ansehen des Besitzers.

Zu den heißen Favoriten auf die Krone der Klassiker zählen in diesem Jahr ein 1937er Rolls-Royce Phantom im extravaganten Kupfer-Dekor, ein Talbot Lago von 1938, ein azurblaues Delahaye-Cabrio von 1948 oder ein Horch 853 Cabrio von 1936, der aussieht, als sei er erst gestern vom Band gelaufen. Nur ein paar Schritte weiter steht allerdings in der Kategorie "Prewar Prereservation" ein weiterer Horch 853, der noch interessanter ist. Zwar blättert der Rost von der Haube, die Kühlerfigur ist stumpf und das Leder runzlig, doch hat der deutsche Luxusliner aus dem Fuhrpark der US-Besatzungsmacht eine spannende Geschichte - so wurde beim Versuch der Aufarbeitung vor wenigen Monaten eine Dienstwaffe mit Nazi-Insignien in einem Geheimversteck hinter den Sitzen gefunden.

Am Ende gewinnt mal wieder ein Alfa

Solche Anekdoten schüren zwar die Faszination für ein Auto, doch zum Gewinnen in Pebble Beach ist Perfektion nötig. Deshalb sind es meist drei Marken, die das Rennen unter sich ausmachen: Mercedes, Alfa und Bugatti. Das gilt auch in diesem Jahr. Am Ende des Prämierungsmarathons ist es ein Alfa 8C 2900 B mit Berlinetta-Karosserie von Touring, der im Konfettiregen von der Rampe rollt. Das Auto wurde 1938 gebaut, es ist eines von insgesamt nur 33 Exemplaren.

So bedeutend der Concours für die Fahrzeugbesitzer ist, so nebensächlich ist er dann doch für Pebble Beach. Noch in der Nacht verlassen alle Autos wieder die Greens, Hunderte Hilfskräfte päppeln die Grashalme wieder auf. Und schon am Tag danach gehört der Rasen wieder den Golfern - zumindest bis zum nächsten Concours im August 2009.

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