Corvette-Studie Z03: Der liegende Holländer - DER SPIEGEL
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Corvette-Studie Z03 Der liegende Holländer

Wenige Sportwagen inspirieren Tuner und Karosseriebauer so sehr wie die Corvette. Vergleichsweise günstig zu erstehen und leicht umzubauen, dient sie häufig als Basis für atemberaubende Eigenkreationen. Jetzt hat der Virus den in Holland lebenden Türken Ugur Sahin erwischt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Noch ist es nur eine gut gemachte Computer-Animation. Doch seit kurzem stürmt eine weinrote Corvette durchs Internet, die selbst das gerade offiziell vorgestellte Sportmodell ZR1 ungewöhnlich blass aussehen lässt. Muskulös und stark gepfeilt, ein bisschen retro und trotzdem zukunftsweisend, rückt die Vision die US-Ikone der Sportwagen noch näher an die italienischen Vollgas-Evergreens Ferrari und Lamborghini heran, als es die Amerikaner mit der 630 PS starken Version seit der Motorshow in Detroit ohnehin schon tun.

Der Entwurf stammt vom türkisch-holländischen Designer Ugur Sahin, der im letzten Jahr bereits mit den komplett durchkonstruierten Studien eines Lamborghini Spiga, einer Luxusausgabe des Audi TT mit dem eigenwilligen Namen Locus und einem Remake des Ferrari Dino von sich reden machte. "Für mich war es besonders wichtig, die richtige Balance aus der klassischen und der modernen Designsprache der Corvette zu finden", sagt der Designer. Deshalb hat er auf Basis der noch aktuellen Spitzen-Corvette Z06 ein paar Stilelemente des Ferrari Dino mit der dritten Corvette-Generation gemischt, die als Coke-Bottle auf Rädern in die Geschichte eingegangen ist.

Dazu gibt es stilistische Eigenheiten wie die großflächig verglasten Punktscheinwerfer, die beiden im Stil des Porsche Cayenne weit nach außen gerückten Lufteinlässe sowie das glatte Heck, an dem lediglich vier kreisrunde Rückleuchten und die zur Mitte gerückten Endrohre im Design der Corvette-Flagge um Aufmerksamkeit heischen. Absoluter Blickfang allerdings sind die beiden Schaufenster in der leicht genickten Motorhaube, durch die man die rot lackierten Zylinderbänke des sieben Liter großen V8-Motors sehen kann.

Leichtgewicht mit bis zu 760 PS Leistung

Während der - bei General Motors mit milder Ironie noch immer als Small-Block geführte - Achtzylinder in der Serienversion auf 512 PS kommt, plant Sahin insgesamt drei Leistungsstufen, die bis 760 PS reichen sollen. Außerdem spart er natürlich Gewicht: Weil die von ihm konstruierte Corvette Z03 mit Kunststoff beplankt wird, soll der Wagen rund 50 Kilogramm leichter sein als das Original und keine 1300 Kilo wiegen.

Dem Projekt wird in der Branche eine gewisse Ernsthaftigkeit zugesprochen. Nicht nur der Entwurf gilt als gelungen und bis zu Ende gedacht. Auch die technische Umsetzung könnte durchaus etwas werden. Schließlich hilft den Holländern kein anderer als Dave McLellan, der frühere Chefingenieur bei der Entwicklung der US-Legende. Im Gegensatz zur offiziellen ZR1 allerdings hat der liegende Holländer noch ein entscheidendes Manko. Vielleicht ist er schöner und möglicherweise auch schneller. Aber bis jetzt ist er nicht mehr als ein Datensatz auf einem leistungsstarken Computer. Doch geht es nach Ugur Sahin, könnte sich das bald ändern: Ende des Jahres will er mit dem Bau einer auf 100 Exemplare limitierten Kleinserie beginnen.