Corvette-Umbauten Heckflosse auf Speed
Wer im Mutterland des Tempolimits einen Sportwagen fährt, der tut das nicht allein wegen der Rasanz. Warum auch sollte man sich für einen Wagen entscheiden, der bereits nach wenigen Sekunden die kontinentale Höchstgeschwindigkeit überschreitet und schon bei Halbgas schneller ist, als es die Polizei erlaubt? Weil es das Selbstwertgefühl hebt, den Neid der Nachbarn schürt und man beim Schwiegervater besser ankommt.
Deshalb schielen Bill, Bob und Barny vor allem nach der Corvette, die als Mutter aller amerikanischen Sportwagen verehrt wird. Genau darin liegt das Problem: Ein Auto, das pro Jahr rund 35.000 Mal gebaut wird, ist weder besonders exklusiv noch imageträchtig. Deshalb schaffen Tuner, Designer und Karosseriebauer Abhilfe und verwandeln die Massenware in seltene Einzelstücke.
Dass dabei - anders als bei den meisten europäischen Veredlern - Leistung nicht immer oberste Priorität hat, zeigt N2A-Motors. Die Firma rührt den 400 PS starken V8-Motor des Autos nicht an, sondern konzentriert sich auf ein neues Design. Das aber mit Verve. So wird aus dem glatten Roadster der Neuzeit unter dem Typenkürzel "789" ein Retro-Renner, mit der die Heckflosse auf Tempo kommt. Inspiriert von legendären Modellen trägt das Cabrio die Frontpartie des Chevrolet Bel Air von 1957, das farbenfrohe Interieur lehnt sich an den 58er Impala an und die riesigen Flossen am Heck kennt man von 59er Chevys.
Die optische Totalverwandlung hat ihren Preis: Während es die Original-Corvette beim Händler ab 45.000 Dollar gibt, muss man bei N2A mindestens 109.000 Dollar für die Kunststoff- und 135.000 Dollar für die Karbon-Version anlegen und zudem zwölf Wochen Geduld mitbringen. Den echten Fans auf der Suche nach der ganz besonderen Corvette macht das wenig aus: Immerhin sechs Autos wurden in den vergangenen Monaten bereits verkauft.
Irre Preise für irre Autos
Ebenfalls mit einem verschmitzen Blick in die Vergangenheit wirbt Karosseriebauer Anteros. Für Preise zwischen 125.000 und 135.000 Dollar gibt es das Cabrio der aktuellen Corvette bei dieser Firma als Modell XTM mit dem bekannten Motorenprogramm von 400 bis 655 PS als klassischen Roadster im Stil der 60 Jahre, der die Nähe zum Jaguar E-Type und anderen britischen Legenden sucht.
"Unsere Designer haben ein ausgesprochen elegantes Auto entworfen, in dem nahtlos das Erbe aktueller und klassischer Sportwagen zusammenfließt eine rollende Skulptur aus Glasfaser und luxuriösem Leder", schwärmen die Amerikaner. Dabei beschränkt sich ihre Arbeit nicht nur auf das Exterieur. Wo im Serienmodell langweiliger Kunststoff und glänzendes Glattleder den Glanz trüben, gibt es hier dunkles Holz und helle, extra weiche Tierhäute.
Es geht aber auch bei den Amerikanern nicht ausschließlich um die Optik. Der Familienbetrieb Callaway, der auch als Golf-Ausrüster einen exzellenten Ruf hat, betreibt die Corvette-Veredelung schon viele Jahre und stellte jetzt sein aktuellstes Cabrio vor: Für Preise ab 130.000 Dollar wird der optisch eher dezent modifizierte Zweisitzer C16 unter kundiger Hand zu einem echten Ferrari-Killer.
Denn dank selbstentwickelter Kompressoren steigt die Leistung des sechs Liter großen V8-Motors in der Basisversion auf 570 und in der "Performance Edition" auf 625 PS. Mit einem maximalen Drehmoment von fast 800 Nm schafft das Auto dann den Spurt auf Tempo 100 in deutlich weniger als vier Sekunden und schützt die Corvette-Fans gleich noch vor einer weiteren Schmach: Auch wenn Dodge in wenigen Wochen den neuen Jahrgang des Extremsportwagens Viper enthüllt - die Callaway-Corvette bleibt Trumpf.
Auch aus Italien kommt eine Extrem-Corvette
Nicht nur in den USA haben die Designer ein Herz für die Corvette. Selbst im Heimatland von Ferrari und Lamborghini dient der US-Sportler als Grundlage kühner Studien. Der jüngste Entwurf kommt von Designer Ercole Spada, der seit einem halben Jahr in Turin das Prototypen-Studio "Spadaconcept" betreibt und jetzt mit dem Modell Codatronca für seine Dienstleistung wirbt. Anders als die amerikanischen Entwürfe hat die schwarze Flunder, die ebenso gut als Batmans Dienstwagen durchgehen würde, mit dem Original fast nichts mehr gemein.
Die kantige Karosserie mit den ungewöhnlichen Lufteinlässen unter dem spitzen Bug und der zerklüftete Heckstummel leugnen jede Verwandtschaft zur Corvette. Auch an der Technik haben die Italiener gefeilt und neben einem strafferen Fahrwerk auch gleich einen stärkeren Motor eingebaut: Nun stehen 700 PS und 950 Nm im Datenblatt. Eines allerdings hat Spada mit den US-Kollegen dann doch gemein. Auch dieser kühne Entwurf soll kein Einzelstück bleiben an der Serienproduktion werde bereits gearbeitet, heißt es.