Die zehn ... besten Autosongs
Wie viele internationale Hits handeln eigentlich vom Arbeitsalltag in der Akademie des TÜV Nord in Hannover? Natürlich kein einziger. Musiker sind eher feinfühlige Menschen, in ihren Songs geht es eher um die großen Themen: Liebe, Frieden, Weltschmerz. Emotional nachrangige Angelegenheiten werden seltener besungen, eine Tatsache, unter der auch die Automobil-Branche empfindlich leidet. Einige Ausnahmen gibt es aber doch.
Zehn davon hat SPIEGEL ONLINE in einer naturgemäß subjektiven Übersicht zusammen getragen. Sie erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, hilft aber trotzdem in fast allen automobilen Lebenslagen musikalisch weiter. Ob schreiende Kinder auf der Rückbank, gähnende Langeweile auf der Landstraße oder stundenlanger Stau-Stress auf der Autobahn mit der richtigen Musik wird vieles leichter und erträglicher. Hier sind unsere Top-Ten:
Kraftwerk - Autobahn (Autobahn, 1974)
Das Lied eignet sich hervorragend für wirklich lange Autofahrten. Ein paar dünne Landschaftsbeschreibungen ("Die Fahrbahn ist ein graues Band, weiße Streifen, grüner Rand"), und alles schon gesagt.
Die Monotonie, die "Autobahn" von Kraftwerk auslöst, ist beispiellos: Bereits in der Albumversion von 1974 dauert der Song 22:42 Minuten. Kraftwerks eigentliche Leistung aber besteht darin, den Titel auf gefühlte 22:42 Stunden zu dehnen.
Die Melodieführung, der reduzierte Beat und die Synthie-Sounds machen aus dem gebetsmühlenartigen Refrain "Wir fahr'n, fahr'n, fahr'n auf der Autobahn" ein echtes Mantra für Millionen von Autofahrern und Berufspendlern. Mit Erfolg. Als eine der wenigen deutschen Bands gelang Kraftwerk mit "Autobahn" der Sprung in die US-Charts.
The Beatles – Drive My Car (Rubber Soul, 1965)
Bei "Drive My Car" von den Beatles könnte es sich bei genauerem Hinsehen nicht um einen Autosong, sondern um eine Erotik-Phantasie handeln: Der Text erzählt von einem jungen, weiblichen Filmstar, der vorgibt "Baby, You Can Drive my Car" einen Chauffeur zu suchen, in Wahrheit aber einen Mann für gewisse Stunden möchte.
Denn die Formulierung "Drive My Car" ist im Blues eine gängige Umschreibung für Sex. Mancher Kritiker glaubte zudem, in George Harrisons Gitarrensolo schlüpfriges Potenzial zu entdecken.
Janis Joplin - Mercedes Benz (Pearl, 1971)
"Oh Lord, won't you buy me a Mercedes Benz, my friends all drive Porsches, I must make amends." Die Hippie-Ikone Janis Joplin schuf mit "Mercedes Benz" eine der bekanntesten Protesthymnen gegen den Kapitalismus.
Mittlerweile wurde Joplins Flower-Power-Lyrik von den Kapitalisten selbst vereinnahmt: Mercedes Benz nutzte den Song für eine Imagekampagne, BMW verwendete das Lied in der Werbung für den Z3-Roadster; bei besagter Textstelle schmeißt der Fahrer die Kassette mit dem Joplin-Song kurzerhand aus dem Wagen.
Die Künstlerin selbst fuhr Cabrio, zwar keinen BMW oder Mercedes, aber dafür einen 1965 Porsche 356c Coupé. Ob hier die Wirklichkeit für den Song Pate stand oder umgekehrt, darüber kann nur gerätselt werden.
Erste Allgemeine Verunsicherung – 300 PS (Auto) (Nie wieder Kunst, 1994)
Ob "Märchenprinz", "Küss die Hand, schöne Frau" oder "Fata Morgana" - viele Stücke der Ersten Allgemeinen Verunsicherung sind unvergessen. An "300 PS (Auto)" von 1994 dürfte sich jedoch kaum jemand mehr erinnern. Obwohl Electrola das Lied der österreichischen Klamauk-Combo als "Gassenhauer, der jedes Schlag(er)loch überwinden dürfte" anpries, kam "300 PS" nur mühsam in Fahrt, zwölf Wochen war der Song auf Platz fünf der österreichischen Charts vertreten.
Zwei Gründe dafür dürften die Qualität des Videos und des Textes gewesen sein: "Auto! Brnn Tata Brnn... Vehikel... Geist und Esprit versprühte ich nie. Mein erstes Wort war Auto, das zweite war 'Tütü'..." Andererseits: Die Art und Weise wie Klaus Eberhartinger über Autos singt, hat viel vom Dadaismus und hat deshalb einen Platz in der Hall of Fame der besten Autosongs verdient.
Bruce Springsteen – Wreck On The Highway (River, 1980)
Häufig sind Autos in seinen Songs ein Symbol für Freiheit, in "Wreck On The Highway" stehen sie jedoch für Schmerz und Verlust: Das Lied von Bruce Springsteen handelt von einem Autounfall. Der Protagonist des Songs ist nachts mit seinem Wagen unterwegs, als er Zeuge eines Unfalls wird.
Auf der Straße liegt ein junger Mann und fleht um Hilfe. "There was blood and glass all over and there was nobody there but me." Ein traumatisches Erlebnis, das den Erzähler nicht loslässt; dunkle Gedanken bemächtigen sich seiner.
"I just lay there awake in the middle of the night, thinking 'bout the wreck on the highway." Der Song belegt einmal mehr: Bruce Springsteen ist nicht nur ein Mann der lauten und großen Töne ("Born in the U.S.A."), der "Boss" kann auch leise und nachdenklich.
Kiss - Detroit Rock City (Destroyer, 1976)
Don't drink and drive: Der Song "Detroit Rock City" kann als Warnhinweis für Nachtschwärmer gelten. In dem Song geht es um eine Person, die sich auf ein Konzert vorbereitet. Der Erzähler raucht eine Zigarette, genehmigt sich einen Drink und setzt sich schließlich ins Auto, um nach Detroit zu fahren.
Dort jedoch kommt er nie an, der Protagonist stirbt bei einer Frontalkollision mit einem Truck ein pathetisches Stück, das perfekt zur bombastischen Bühnen-Performance der Band passt.
1999 kam die Komödie "Detroit Rock City" in die Kinos. Die Handlung: Vier Jugendliche möchten ein Kiss-Konzert in Detroit besuchen, aber ihre Mütter haben es verboten. Am cineastischen Wert des Films Produzent war Gene Simmons höchstselbst - mag man zweifeln, wer aber während der Autofahrt auf ehrlichen Hardrock steht, macht mit "Detroit Rock City" alles richtig.
Bob Seger - Turn The Page (Back in '72, 1973)
Wenn man einsam mit Tempo 130 auf der Autobahn nach Hause fährt, entfaltet "Turn The Page" seine größte Wirkung. Bob Seger beschreibt in dem Lied die Höhen und Tiefen eines Rockstars, der von einem Ort zum anderen reist, um Konzerte zu spielen.
"Here I am, on the road again, there I am, up on the stage. Here I go, playing star again, here I go, turn the page", heißt es im Refrain. Das Leben eines Rockstars, bei Bob Seger klingt es nach Vagabundentum und Einsamkeit.
Zu den wahrscheinlich bekanntesten Cover-Versionen des Titels zählt eine etwas rockigere Interpretation von Metallica, das Original bleibt jedoch unerreicht.
Metallica - Fuel (ReLoad, 1997)
Mit "Fuel" widmet sich Metallica dem Rausch der Geschwindigkeit. Harte Beats, aggressive Gitarren und ein progressiver Gesang sorgen für wuchtigen Groove. Im Bandvideo zu "Fuel" sind Hot Rods, Unfälle und jede Menge Rauch und Qualm zu sehen.
Sänger James Hetfield lebt hier offensichtlich seine Leidenschaft für Classic Cars aus. Privat, heißt es, werkelt der Sohn eines Truckers gern am eigenen Oldtimer-Fuhrpark. Zu seinen persönlichen Lieblingsautos zählen ein 55 Chevy Bel Air Hot Rod und ein Chevy Blazer mit Allrad-Antrieb, "The Beast" genannt. "Gimme fuel, gimme fire, gimme that which I desire" bringt es auf den Punkt am meisten Spaß macht "Fuel" auf einer Strecke ohne Tempolimit.
Deep Purple - Highway Star (Machine Head, 1972)
Ist es Einbildung oder erinnert das Schlagzeugintro von Ian Paice an Zylinderkolben, die sich in Bewegung setzen? Egal. "Highway Star" von Deep Purple ist ein Muss für alle Hardrock-Fans.
"Highway Star" macht seinem Namen alle Ehre, schon der Text startet mit Tempo. "Nobody gonna take my car, I'm gonna race it to the ground, nobody gonna beat my car, it's gonna break the speed of sound." Der Song zählt zu den erfolgreichsten Deep-Purple-Titeln überhaupt.
Queen - I'm In Love With My Car (A Night at the Opera, 1975)
Mann liebt Frau, Mann gesteht Frau seine Liebe, Mann will alte Freundin für neue Frau verlassen. Obwohl der Queen-Titel den Straftatbestand der Schnulze erfüllt, ist ihm ein Freispruch sicher: Die die Dame hat vier Reifen.
"I'm In Love With My Car" aus der Feder von Drummer Roger Taylor ist ein absoluter Klassiker, pathetisch, laut und verspielt. Die Ironie ist nicht zu überhören, wenn es heißt: "Told my girl I'll have to forget her, rather buy me a new carburetor" (Der Carburetor ist der Vergaser).
Das Stück ist Jonathan Harris gewidmet, einem Queen-Roadie, der eine besonders innige Beziehung zu seinem Triumph TR4, einem Sportcabrio, pflegte.