Diesel-Cabrios: Riechst du es auch? - DER SPIEGEL
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Diesel-Cabrios Riechst du es auch?

Diesel und Cabriolet, das galt mal als unvereinbar. Seit aber die Selbstzünder en vogue sind, kommen sie auch bei offenen Modellen unter die Haube. Jüngstes Modell im Club der Frischluft-Ölbrenner ist ein Peugeot mit dem vertrackten Namen 206 cc HDI FAP 110.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Europa ist der Dieselkontinent. Seit einigen Monaten werden mehr Fahrzeuge mit Selbstzünder- als mit Ottomotoren neu zugelassen. In Deutschland lag die Dieselquote bei den Neuzulassungen im April 2005 nach Auskunft des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg bei 41,7 Prozent. Ebenfalls steigend, wenn auch nicht ganz so rasant, sind die Zulassungszahlen für Cabrios in Deutschland. Da liegt es nahe, beide Trends zu koppeln, und genau das tun immer mehr Hersteller: Sie bieten Cabriolets mit Dieselantrieb an. Gut ein halbes Dutzend Modelle sind bereits verfügbar, darunter Audi A4 Cabrio, BMW 3er Cabrio (bereits in zwei Versionen), VW New Beetle Cabrio oder Smart Fortwo Cabrio. Und auch Mercedes wird den Markt bedienen und ab Oktober das CLK Cabrio als 320 Cdi ausliefern.

Der aktuellste Neueinsteiger in der Gruppe der mitunter dezent rauchenden Oben-ohne-Modelle ist der Peugeot 206 cc, den die Franzosen stolz als das erste Klappdach-Cabrio mit serienmäßigem Rußpartikelfilter anpreisen. Motorisiert ist der Kleinwagen mit versenkbarem Stahldach mit einem 1,6-Liter-Vierzylinder mit 109 PS (80 kW), der ein Drehmoment von 240 Newtonmeter entwickelt, das Auto in 10,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und als Höchstgeschwindigkeit Tempo 190 ermöglicht. Peugeot verspricht einen Durchschnittsverbrauch von 4,9 Liter Diesel je 100 Kilometer und gibt einen CO2-Ausstoß von 129 g/km an. Das Auto kostet ab 18.990 Euro.

Das ist eine Menge Geld für ein kleines Auto, doch Cabriofahren ist ohnehin keine Sache für Sparfüchse. Mit den zunehmenden Dieselmodellen in der offenen Klasse scheint sich jedoch auch dies zu ändern. Zwar liegen die Anschaffungskosten für ein Cabrio deutlich über denen eines vergleichbaren Fahrzeugs mit festem Dach, doch immerhin lassen sich durch die Dieselmotorisierung die Ausgaben für Treibstoff in Grenzen halten. "Auch für Cabriofahrer treten zunehmend wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund", hat BMW-Sprecher Rudolf-Andreas Propst beobachtet.

Beim Image hat der Diesel ohnehin mit den Benzinmotoren gleichgezogen. Selbstzünder gelten als sparsam, kraftvoll, durchaus kultiviert und in einigen Fällen sogar als sportlich. Die Nachteile beim Schadstoffausstoß versucht die Industrie gerade durch den zunehmenden Einbau von Rußfiltern sowie das Erfüllen der Euro-4-Abgasnorm auszugleichen. Rußwolken wie bei Dieselautos noch vor 20 Jahren jedenfalls gibt es bei modernen Selbstzündern nicht mehr. Insofern dürfte das Frischlufterlebnis auch in einem Diesel-Cabrio ungetrübt sein. Es sei denn, der Wagen hat keinen Rußfilter, die Ampelphase dauert mal wieder besonders lang, und der Sommerwind steht ungünstig. Aber unter diesen Umständen riechen Benziner auch.