Diesel-Dominanz: Selbstzünder der Superlative - DER SPIEGEL
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Diesel-Dominanz Selbstzünder der Superlative

Die Feinstaub-Debatte hat die Sicht auf den aktuellen Dieselboom nur vorübergehend vernebelt. Jetzt, seit fast alle Hersteller den Einbau von Rußpartikelfiltern zugesagt haben, darf wieder nach Herzenlust gedieselt werden. Prompt werden neue Superlativ-Selbstzünder vorgestellt.
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Als stärkster Pkw-Diesel der Welt galt zuletzt der 5-Liter-V10-TDI-Motor, den Volkswagen in seine beiden Modelle Phaeton und Touareg einbaut. Die Maschine leistet 313 PS, schüttelt 750 Newtonmeter aus der Kurbelwelle und schluckt nach Werksangaben in der Limousine Phaeton im Durchschnitt 11,4 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern. Doch nun wackelt der Thron des Diesel-Dominators, und die Konkurrenz kommt aus dem eigenen Konzern.

Audi nämlich kündigt "den stärksten Pkw-Diesel der Welt" an. Im Juni wird das Aggregat im A8 vorgestellt, im Herbst dann erfolgen die ersten Auslieferungen. Der 4,2-Liter-V8-TDI-Motor leistet 326 PS und schiebt sich damit klar vor das hubraumstärkere Schwesterprodukt aus Wolfsburg. Beim Drehmoment jedoch hält sich der Audi-Motor mit 650 Newtonmeter vergleichsweise zurück. "Da haben wir aber noch Reserven", sagt ein Audi-Sprecher und verweist außerdem auf den "sensationell niedrigen Verbrauch" von 9,4 Litern im Schnitt.

Mercedes wiederum stellt in diesen Tagen das neue Modell E 420 CDI vor, das ebenfalls im Herbst bei den Händlern stehen wird. Die Stuttgarter haben ihren neuen Top-Selbstzünder geschickt als "weltweit drehmomentstärksten V8-Pkw-Dieselmotor" positioniert. Was die Daten anlangt, verkeilen sie die Maschine schlau zwischen dem Audi- und dem VW-Konkurrenzmodell. Denn der 4-Liter-V8 Motor leistet ein PS mehr als der V10-TDI von VW, nämlich 314 PS. Und er entwickelt deutlich mehr Drehmoment als der V8-TDI von Audi, nämlich 730 Newtonmeter. Und als Dreingabe kommt er laut Mercedes mit einem Durchschnittsverbrauch von 9,3 Litern aus.

In diesem Motor steckt so ziemlich alles, was die zeitgenössische Dieselentwicklung hergibt: Aluminium-Kurbelgehäuse, gekühlte Abgasrückführung, elektrische Ansaugluftdrosselung, Commonrail-Direkteinspritzung mit bis zu 1600 bar Einspritzdruck und sogenannte Piezo-Injektoren. Diese Feinstdüsen auf Keramikbasis ersetzen die bisherige Technik mit Magnetventilen, denn ihre Ansprechzeit beträgt lediglich 0,1 Millisekunden. Damit können die Ingenieure in jedem Verbrennungsvorgang bis zu fünfmal mehr Kraftstoff in den Zylinder einspritzen - und zwar so schnell und präzise dosiert wie noch nie zuvor. Was wiederum zur Folge hat, dass die Leistung steigt, Schadstoffe, Verbrauch und Geräusch jedoch sinken.

Serienmäßig wird dieser Motor, wie übrigens auch das Triebwerk von Audi, mit einem Rußpartikelfilter ausgestattet. Die Erfüllung der Euro-4-Abgasnorm ist also kein Problem. Mercedes hat bereits angekündigt, dass der neue CDI-Achtzylinder neben der E-Klasse auch in anderen Baureihen zum Einsatz kommen wird, und man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Maschine künftig wohl auch im Motorraum der kommenden S-Klasse stecken wird. Bislang kostet ein E 400 CDI übrigens 59.682 Euro; der neue E 420 CDI ist nicht nur wesentlich kräftiger, er diesen wohl auch im Preis überbieten.