Diesel so günstig wie lange nicht mehr - die wichtigsten Antworten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kraftstoffe Dieselpreis fällt unter einen Euro

Der Preis für Diesel ist so günstig wie lange nicht mehr. Was sind die Gründe? Wird der Kraftstoff bald wieder teurer? Wer sind die Profiteure? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Schlussverkaufsstimmung an der Zapfsäule
Schlussverkaufsstimmung an der Zapfsäule

Schlussverkaufsstimmung an der Zapfsäule

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für Fahrer eines Autos mit Dieselmotor brachte das Nikolaus-Wochenende eine schöne Bescherung: An vielen Tankstellen im Bundesgebiet kostete der Liter Dieselkraftstoff weniger als einen Euro - unter anderem in Hamburg. Das geht aus Erhebungen der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe hervor.  Der Durchschnittspreis in den 100 größten Städten Deutschlands betrug am Sonntag 1,083 Euro je Liter Diesel. Bereits am vergangenen Mittwoch lag der Dieselpreis in bestimmten Regionen Deutschlands zeitweise bei 99,9 Cent.

  • Warum ist Diesel jetzt so günstig?

Grund für den günstigen Kraftstoff sind anhaltend niedrige Rohöl-Preise aufgrund eines Überangebots. Die Preise fallen normalerweise immer dann, wenn die Weltwirtschaft lahmt. Doch das ist diesmal nur bedingt der Fall. Zwar sei die Nachfrage nach Diesel vor allem in Schwellenländern wie China oder Brasilien niedrig, sagt Commerzbank-Rohstoffanalyst Eugen Weinberg SPIEGEL ONLINE. Doch ein weiterer Grund sei ein Machtkampf bei der Opec (Organisation Erdöl exportierender Länder). Aus Sicht von Analyst Weinberg ist die Opec intern gespalten und damit nach außen handlungsunfähig.

  • Welche Rolle spielt die Opec?

Die Opec liefert rund ein Drittel des weltweiten Rohöls, sie besitzt sogar drei Viertel der bekannten Reserven. Das Ölkartell hatte zuletzt zwölf Mitgliedsländer, Indonesien wurde nun als 13. Mitglied aufgenommen.

Die Organisation hatte sich bei vergangenen Treffen auf 30 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag als Förderziel geeinigt. Zuletzt hatte das Ölkartell jedoch um die 32 Millionen Fass pro Tag gefördert und damit maßgeblich zu einem erheblichen Überangebot beigetragen.

In den kommenden Monaten dürfte sich daran wenig ändern. "Wir können derzeit keine Zahlen festlegen und haben beschlossen, die Entscheidung auf kommendes Jahr zu verschieben", sagte Opec-Generalsekretär Abdalla Salem El-Badri am Freitag in Wien.

  • Werden die Preise weiter fallen?

Zumindest werden sie so bald wohl nicht wieder steigen. Wegen der Uneinigkeit der Opec dürften die Preise für Rohöl und in der Folge für Benzin, Diesel und Heizöl absehbar niedrig bleiben.

Das Kartell hatte vor etwa einem Jahr seine grundlegende Strategie geändert: Anstatt wie in vorangegangenen Jahren mit Förderkürzungen niedrige Preise wieder nach oben zu treiben, hatte es verhältnismäßig viel Öl in den Markt gepumpt. Die Opec will damit Marktanteile vor allem gegen Schieferöl-Produzenten in den USA verteidigen. Mit der ökologisch umstrittenen Fracking-Methode hatten US-Produzenten zuletzt neue Förderquellen erschlossen.

Länder wie Saudi-Arabien, die über erhebliche Reserven verfügen, können unprofitable Preise deutlich länger verkraften. Anderen Staaten, wie etwa Venezuela, dessen Haushalt extrem von Ölprofiten abhängig ist, bereiten die fehlenden Einnahmen jedoch große Probleme.

  • Wer profitiert vom günstigen Diesel?

Profiteur des niedrigen Dieselpreises sind alle Autofahrer und Industriestaaten, die den Kraftstoff importieren müssen. Zwar nimmt der Staat durch den niedrigen Dieselpreis weniger Mehrwertsteuer ein. Doch dieser Verlust werde durch "eine höhere Industrieaktivität ausgeglichen", sagt Experte Weinberg.

  • Was heißt das für die Mineralölsteuer-Einnahmen?

Diesel ist in Deutschland gegenüber Benzin steuerlich begünstigt. Die Energiesteuer liegt mit 47 Cent um 18 Cent unterhalb der von Benzin, auch die sogenannte Erdölbevorratungsabgabe, die sicherstellen soll, dass zu jedem Zeitpunkt Mineralölprodukte für mindestens 90 Tage vorgehalten werden, beträgt mit 0,39 Cent 0,7 Cent weniger als für Ottokraftstoffe.

Im Zuge des Abgasskandals bei VW war das Steuerprivileg für Diesel erneut in die Kritik geraten. Während Frankreich die finanziellen Vorteile für Diesel in den kommenden fünf Jahren abschaffen will, sieht die Bundesregierung keinen Grund, am Privileg zu rütteln.

Bereits 2011 hatte die EU-Kommission versucht, die steuerlichen Vorteile für den Diesel abzuschaffen und stattdessen alle Kraftstoffe künftig auf gleicher Grundlage zu besteuern - nämlich nach der Energie und den CO2-Emissionen. Benzin wird zurzeit deutlich höher besteuert, obwohl Diesel eine höhere Energiedichte hat. Doch der Vorstoß der EU-Kommission fand im Parlament keine Mehrheit. In Deutschland war im vergangenen Jahr etwa jeder zweite neu zugelassene Pkw ein Diesel.

mhu/dpa