Dodge Demon Pakt mit dem Teufel
Bis zur offiziellen Eröffnung des Autosalons in Genf ist es zwar noch drei Wochen hin, doch für die Pressearbeiter der Autohersteller hat die Veranstaltung längst begonnen. Denn kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein neues Informations-Scheibchen von der PR-Salami geschnibbelt wird. Auch die Chrysler Group hat das Messer gewetzt. Nachdem die Amerikaner im vergangenen Jahr mit dem Mikrovan Dodge Hornett in Genf reüssierten, soll diesmal buchstäblich der Teufel los sein. Um das Potenzial der Marke Dodge auszuloten, rückt die Mercedes-Schwester den Roadster "Demon" ins Rampenlicht. Falls sich aus den züngelnden Flammen auf der verschlüsselten Website auf den Messeauftritt schließen lässt, wird der wohl ziemlich infernalisch.
Dabei braucht es bei diesem Auto gar kein Flammenmeer, um die Temperatur zu heben: der Demon dürfte bei vielen Menschen das Blut in Wallung bringen. Das zumindest hoffen die Designer des nur 3,97 Meter langen Zweisitzers, die auf die stilistische Nähe zum Brachialsportwagen Dodge Viper schwören. "Der ist eine Ikone und für viele ein Traumwagen", sagt Jae Chung, der das Exterieur-Design der Studie Demon verantwortet. Die will ein Traumwagen sein: "Allerdings einer, den man sich leisten kann."
Damit möglichst viele diesen Traum träumen, setzen die Amerikaner auf die klassischen Proportionen und auf einen Stil, der ein wenig an das Destillat von Honda S 2000, Audi TT und Nissan 350Z erinnert: Die Haube lang, die Überhänge kurz und das Heck knackig. Dazu gibt es als Insignien von Macht und Kraft auffällig hervorgehobene Lüftungsschlitze auf der Haube, hinter den 19 Zoll großen Vorder- und vor den Hinterrädern, den bösen Blick aus scharf geschnittenen Scheinwerfern sowie den markentypischen "Fadenkreuz"-Kühlergrill, der hier aber so tief auf dem Boden schnüffelt wie die Nase eines Ameisenbärs. Dabei ist das Heck hinter den beiden Überrollbügeln im Alu-Look so schlank und kompakt geraten, dass sich die Frage nach der Verdeckart kaum stellt. Auch wenn Dodge darüber bislang noch kein Wort verloren hat, dürfte unter die Klappe allenfalls eine dünne Stoffhaube passen.
Klassischer, eng geschnittener Innenraum
Auch innen gibt sich der Demon sportlich: Eine niedrige Gürtellinie, die sich nach hinten verjüngt, soll die Passagiere auf ihren zwei Schalensitzen einschließen, ohne dass sie sich beengt fühlen müssten. Der Fahrer blickt auf klassische Rundinstrumente, die in einem breiten Aluminium-Rahmen stecken. Die rechte Hand fällt beinahe automatisch auf den Schaltstummel, der aus der Mittelkonsole mit beleuchteten Cup-Holdern ragt. Und die Linke greift ganz lässig in ein Lenkrad, das mit drei Doppelspeichen und einem kleinen Topf dem Ideal des britischen Sportwagens nachempfunden ist.
Unter der Haube der Studie steckt der 2,4 Liter große "Weltmotor" aus der Kooperation mit Hyundai und Mitsubishi. Er hat zwar für einen sportlichen Roadster eher bescheidene 174 PS und kommt auch nur auf 224 Nm. Doch weil der Demon nicht einmal 1200 Kilo wiegt und mit einem Sechsganggetriebe ganz traditionell über die Hinterachse angetrieben wird, sollte durchaus eine frische Brise aus dem Schlund der Hölle wehen. Außerdem hat der Antriebsstrang einen weiteren Vorzug: Er wäre sofort verfügbar und damit kein Hindernis auf dem Weg zur Serienfertigung.
Gute Chancen auf eine Serienfertigung
Ob und wann der Demon tatsächlich aus der Hölle fährt, wird noch nicht verraten. Doch seine Chancen stehen gar nicht so schlecht. Denn erstens hat kaum eine Marke so viele Showcars tatsächlich auch in Serie gebracht wie Dodge. Zweitens hat der für den Verkauf außerhalb Nordamerikas verantwortliche Vertriebschef Thomas Hausch schon wiederholt eine Ausweitung des Dodge-Portfolios angekündigt. Bislang gibt es von der Marke mit dem Widderkopf-Logo in Europa neben der exklusiven Viper nur den Kompaktwagen Caliber. Demnächst folgt der Geländewagen Nitro, und in der zweiten Jahreshälfte will Dodge mit dem Avenger all jene Mittelklasse-Kunden erreichen, denen ein VW Passat zu teuer und ein Mazda 6 oder Renault Laguna zu brav ist. "Damit jedoch werden wir uns auf Dauer nicht begnügen", sagte Hausch bei der Premiere des Avenger und ließ damit Raum für Spekulationen.
Gerechnet und gerätselt wird dabei sicher nicht nur in Detroit und in Stuttgart, sondern besonders auch in Osnabrück. Dort hat der Zulieferer Karmann arg zu kämpfen, weil der vom alten Mercedes SLK abgeleitete Chrysler Crossfire alles andere als ein Erfolgsmodell ist und die Produktion weit unter der Kapazitätsgrenze läuft. Weil der Demon in Maß und Mission nah am Crossfire gebaut ist, könnte der neue Roadster die Lücken füllen und der Teufel auf diese Weise sogar zum Engel werden.