Elektro-Tuk-Tuks: Trio mit Dreirädern
Elektro-Tuk-Tuks Der Denver-Plan
Tuk-Tuks heißen die kleinen, wendigen Autorikschas, die bislang hauptsächlich in asiatischen Ländern das Straßenbild prägen. Ihren Namen verdanken die meist von einem Zweitakter angetriebenen Gefährte dem knatternden Motorengeräusch. Die Firma E-Tuk USA möchte die Tuk-Tuks nun auch auf amerikanische Straßen bringen - allerdings als umweltfreundliche und geräuschlose Version mit Elektroantrieb.
"Die Idee kam uns vor zweieinhalb Jahren auf einer Reise durch Guatemala. Dort sahen wir die Tuk-Tuks zum ersten Mal und fuhren damit durch die Gegend", erzählt Walid Mourtada, Geschäftsführer von E-Tuk USA . Zusammen mit seinen Freunden Michael Fox und Colin Sommer will er mit dem Gefährt jetzt den Verkehr in seiner Heimatstadt Denver revolutionieren.
In amerikanischen Großstädten ist der öffentliche Nahverkehr oft nur dürftig ausgebaut und wird daher kaum genutzt. Ein Amerikaner kommt laut einer US-Verkehrsstudie durchschnittlich auf nur 30 Fahrten mit Bus und Bahn pro Jahr. In Deutschland liegt der Wert laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen bei 124 Fahrten. Verkehrsplaner sprechen in diesem Zusammenhang vom "Problem der letzten Meile", also dem Weg von einer Haltestelle zum Zielort. Denn die Attraktivität für Fußgänger ist in den meisten US-Städten relativ gering, Gehwege sind schlecht oder gar nicht vorhanden, und der Weg zur nächsten Bahn- oder Busstation ist weit. Also steigen die meisten ins Auto.
Genau hier setzt E-Tuk USA an. "Vor allem junge Leute wollen oft gar kein Auto mehr besitzen. Unsere Tuk-Tuks sind die ideale Lösung, auch ohne eigenes Fahrzeug von einem Punkt zum anderen zu gelangen", sagt Mourtada. "Wir sagen ja nicht, dass wir die Welt an einem Tag verändern. Aber wir bieten den Leuten eine bequeme und umweltfreundliche Alternative."
Erst nach zwei Jahren gab es die Zulassung
Zu Beginn mussten Mourtada und seine Freunde erst einmal einen Hersteller für die Tuk-Tuks finden. Ihre Suche führte sie in die Niederlande: Dort gibt es mit der Tuk Tuk Factory eine inzwischen etablierte Größe im Dreirad-Geschäft. Auch in viele deutsche Städte hat der Hersteller bereits geliefert. In Hamburg, Berlin oder Dresden gibt es beispielsweise Tuk-Tuk-Touren mit den Gefährten aus Holland. Als alternatives Verkehrsmittel dient die Rikscha hierzulande allerdings noch nicht.
Mit dem Hersteller aus den Niederlanden schloss Mourtadas Team einen Lizenzvertrag. Dann gab es aber noch eine weitere Hürde zu überwinden - die Tuk-Tuks mussten so modifiziert werden, dass sie die Fahrzeugvorschriften in den USA erfüllen. Keine leichte Aufgabe: Zwei Jahre Arbeit und über dreißig Änderungen an den Tuk-Tuks waren nötig, bis sie den US-Sicherheitsstandards entsprachen. Unter anderem wurden das komplette Bremssystem umgebaut und die Scheinwerfer sowie das Batteriesystem überarbeitet. "Die Zulassung haben wir erst seit März 2015", sagt Mourtada.
Produziert werden die Elektrorikschas von derzeit acht Mitarbeitern in einem Lagerhaus in Denver. Für Preise zwischen 15.400 und 22.700 Euro ist das Gefährt in vier Varianten bestellbar: Für den Personentransport gibt es das klassische Einstiegsmodell mit Fahrersitz vorne und Dreier-Sitzbank hinten, die Limousinen-Version hat zwei gegenüberliegende Sitzbänke für sechs Personen. Für den Transport von Waren eignet sich die Cargo-Version mit einem Kofferaufbau. Außerdem gibt es eine Art rollenden Verkaufsstand, bei dem sich die Seitenwände aufstellen lassen.
Mehr als ein Dutzend Elektro-Tuk-Tuks hat Mourtada nach eigenen Angaben bereits verkauft. Zur Kundschaft zählen vor allem Hotels oder Restaurants, die die Personentransporter für Chauffeurdienste bestellen.
Die Straße zum Footballstadion bleibt tabu
Um das Problem der letzten Meile in Angriff zu nehmen, bietet die Firma einen Taxi-Service unter dem Namen E-Tuk in der Innenstadt von Denver an. Das hat bereits zu Streit mit den Platzhirschen geführt: Mehrere etablierte Taxi-Unternehmen in Denver haben die Sicherheit der E-Tuk-Tuks in Frage gestellt. Sie konnten damit durchsetzen, dass den Elektrorikschas die lukrative Route zum Footballstadion verwehrt bleibt.
Bislang sind Mourtadas Tuk-Tuks nur im US-Bundesstaat Colorado zugelassen, weitere sollen bald folgen. Die autoverrückten USA davon zu überzeugen, künftig mit einem Dreirad zur Arbeit zu fahren, wird wohl kompliziert. Immerhin: Eine Lokalzeitung aus Colorado zog bereits Parallelen zur berühmtesten Autostadt Amerikas: "Wird Denver das neue Detroit?", fragt der "Durango Herald".