Ein-Liter-Auto Das Schweigen der Kritiker
Als Erster und Einziger gratulierte der Verkehrsclub Deutschland (VCD). "Das Ein-Liter-Auto weist den richtigen Weg in die Zukunft", sagte Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, nach der spektakulären VW-Demonstration. Mit der Vorstellung des Sparmobils zeige Volkswagen, dass enorme technische Innovationen möglich seien und nach wie vor ein riesiges Einsparpotential beim Spritverbrauch ungenutzt schlummere.
Kaum mehr als eine Signalwirkung sieht der Bund Umwelt- und Naturschutz (BUND) in der Vorstellung des Ein-Liter-Autos. "Es ist zwar richtig, dass man so etwas mal zu Ende denkt und auf die Räder stellt", sagt Gerrit Schrammen vom Verkehrsreferat des BUND, "schöner wäre es aber, wenn alle irgendwann mit einem solchen Auto fahren könnten". Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg.
Das Ein-Liter-Auto: vierrädrig, flach, mit zwei hintereinander angeordneten Sitzen
Der Innenraum ist aus Gründen der Gewichtseinsparung "knapp gestaltet"
Ansicht von hinten: stammt der Prototyp nun aus dem Windkanal oder aus dem Eiskanal?
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Wenn überhaupt, wäre eine Serienproduktion des L1 nach Ansicht des neuen VW-Chefs Bernd Pischetsrieder "vielleicht in sieben Jahren" denkbar. Doch immerhin könnten die Erfahrungen beim Bau des Zweisitzers wie Leichtmetallfahrwerk, Kohlefaser-Karosserieteile oder Magnesium-Spaceframe in künftige Modelle einfließen. Das Ziel müsse sein, die Technologie zu nutzen, den Flottenverbrauch insgesamt weiter runterzufahren.
Diese Ansicht teilt auch Greenpeace-Verkehrsexperte Günther Hubmann: "Das Ein-Liter-Auto zeigt die Richtung an, in die es in Zukunft gehen muss: Gewichtsreduzierung und Halbierung der Spritverbräuche". Dass so etwas allerdings auch ohne teure Technik und exotische Materialien möglich ist, hatten die "Regenbogen-Krieger" schon 1997 auf der IAA mit ihrem Modellprojekt "SmILE" gezeigt. Der umgebaute Serien-Twingo verbrauchte bei verschiedenen Vergleichs-Testfahrten nicht mehr als drei Liter Kraftstoff.
Neben aerodynamischen Design, geringerem Gewicht und Rollwiderstand wie beim VW L1 gelang das vor allem durch eine unkonventionelle Motorentechnik. Nach dem Prinzip von Renn-Motorrädern hatten Schweizer Ingenieure im Auftrag von Greenpeace einen kleinvolumigen Zweizylinder-Viertakt-Ottomotor entwickelt, der seine Kraft aus der hohen Aufladung der Verbrennungsluft zieht. Die Aufladung bewirkt, dass der Motor seinen günstigsten und sparsamsten Betriebszustand nicht nur hin und wieder bei Höchstgeschwindigkeit, sondern schon bei niedriger Belastung, also dort, wo ein Auto meistens eingesetzt wird, erreicht.
"Mit dem SmILE haben wir gezeigt, dass Verbrauchsreduzierung auch beim aktuellem Stand der Technik kurzfristig machbar ist", sagt Günther Hubmann. "Und nach dem gleichen Prinzip ließe sich heute bei fast allen Benzinmotoren der Verbrauch um 15 Prozent reduzieren.".
Allerdings würden die Verbrauchsvorteile, die die Autohersteller heute aus den Motoren rausholen, durch zusätzliche Komfort- und Sicherheitsausstattungen wie Klimaanlagen, Multimedia und elektronische Assistenzsysteme wieder zunichte gemacht. "Autohersteller wollen eben nicht nur Gewicht und Verbrauch optimieren, sondern auch ihre Gewinne", sagt Hubmann.
Das sieht man bei VW ähnlich. "Der L1 ist nicht nur ein Rahmen mit Plastikhülle, sondern ein vollwertiges Auto mit Platz, Komfort und Sicherheitsfeatures, die allen Crash-Simulationen standhielten", sagt VW-Sprecher Hans-Gerd Bode.
Ob dem tatsächlich so ist, werden wir allerdings nicht so schnell erfahren. Denn das Ein-Liter-Auto ist schon wieder eingemottet und soll nicht für weitere Fahrtests zur Verfügung stehen. "Der nächste Prototyp kommt erst, wenn wir auf die nun gestellten Fragen Antworten haben", sagt Bode.