Erdgas-Autos "Voll ausgelastet"
SPIEGEL ONLINE:
Herr Bohn, wie läuft derzeit das Geschäft mit den Erdgasautos?
Klaus Bohn: Wir sind voll ausgelastet. In diesem Jahr wurden schon gut 300 Ford-Modelle, vor allem der Focus CNG, bei uns auf bivalenten Antrieb - also Erdgas und Benzin - umgerüstet.
SPIEGEL ONLINE: Woran liegt es Ihrer Einschätzung nach, dass Erdgasfahrzeuge allmählich populärer werden?
Bohn: Es gibt vor allem zwei Gründe. Zum einen steigt die Zahl der Erdgastankstellen. Inzwischen gibt es knapp 500 öffentlich zugängliche Stationen, und davon befinden sich kaum noch welche auf den Betriebshöfen der Energieversorger, sondern die allermeisten Erdgas-Zapfstellen sind in ganz normale Tankstellen integriert. Und zweitens fährt man mit Erdgas deutlich billiger als mit Benzin oder Diesel.
SPIEGEL ONLINE: Warum sollte ein Autofahrer einen Pkw kaufen, der auch mit Erdgas fährt?
Bohn: Weil in Deutschland im Erdgasbetrieb nur rund die Hälfte der Treibstoffkosten im Vergleich zu Benzin anfallen. Das liegt an der steuerlichen Begünstigung von Erdgas gegenüber Benzin, die bis Ende 2020 gesetzlich garantiert ist. Hinzu kommt, dass bei der Erdgasverbrennung weniger CO2 freigesetzt wird, keine Rußpartikel entstehen und der Ausstoß von Kohlenmonoxid und Schwefeloxid fast komplett vermieden wird. Erdgasfahrzeuge haben also eine sehr positive Umweltbilanz. Außerdem fährt ein Erdgasauto auch leiser als ein Wagen mit Benzin- oder Dieselantrieb, weil Erdgas weicher verbrennt.
SPIEGEL ONLINE: Wie teuer ist die Umrüstung auf den bivalenten Betrieb?
Bohn: Beim Ford Focus etwa koste die Umrüstung 2.600 Euro. Zahlreiche Energieversorger bezuschussen zudem den Kauf von Erdgasfahrzeugen.
SPIEGEL ONLINE: Verändern sich durch die Umrüstung die Fahrleistungen?
Bohn: Nicht durch die Umrüstung, sondern durch physikalische Gesetzmäßigkeiten. Erdgas ist weniger zündwillig als Benzin, weshalb man zu seiner Verbrennung einen höheren Luftanteil in den Zylindern benötigt. Das beeinflusst wiederum die Leistung. Der Focus CNG mit 1,8-Liter-Motor zum Beispiel hat im Benzinbetrieb 115, im Erdgasbetrieb 102 PS. In der Fahrpraxis wirkt sich dieser Leistungsverlust aber nicht aus. Was der Kunde merkt ist, dass die Reichweite dank der zusätzlichen Erdgastanks auf rund 1000 Kilometer steigt.
SPIEGEL ONLINE: Angenommen, ein Ford-Besitzer kommt zu Ihnen und möchte sein Auto nachträglich auf Erdgasbetrieb umrüsten lassen. Womit muss er kalkulieren?
Bohn: Die CNG-Technik bietet die nachträgliche Umrüstung nicht an. Das wäre zu aufwändig und zu teuer, da erdgasspezifische Zylinderköpfe und Katalysatoren zum Einsatz kommen müssen.
SPIEGEL ONLINE: Welches Erdgasauto von Ford bieten Sie als nächstes an?
Bohn: Den fünfsitzigen Kompaktvan Focus C-Max. Als Ergasfahrzeug wird der Wagen voraussichtlich im Frühjahr 2005 verfügbar sein.
SPIEGEL ONLINE: Wird es auch vom neuen Ford Focus, der im November mit Ottomotoren und Dieselantrieb auf den Markt kommt, eine Erdgasvariante geben?
Bohn: Das ist gegenwärtig noch nicht spruchreif, aber durchaus vorstellbar.
SPIEGEL ONLINE: Es heißt, dass Ford mittelfristig Erdgas-Autos direkt ab Werk produzieren möchte. Ihre auf Umrüstung spezialisierte CNG-Technik GmbH würde in diesem Fall überflüssig...
Bohn: ...das ist prinzipiell richtig, war aber von Anfang an so gedacht. Denn aus unternehmerischer Sicht macht es wenig Sinn, ein Fahrzeug erst komplett mit Benzinantrieb zu produzieren und es dann in einem zweiten, räumlich getrennten Arbeitsschritt auf Erdgas umzurüsten. Man kann also tatsächlich behaupten: Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen. Und zwar umso schneller, je erfolgreicher wir sind. Andererseits lohnt sich die Produktion eines Erdgasfahrzeugs direkt in der Fabrik wohl erst ab einer Stückzahl von 3000 Autos pro Jahr. Und bis dahin liegt noch ein Stück Arbeit vor uns.
Das Interview führte Jürgen Pander.