Essen Motor Show Babes, Beer, Burnouts
Katharina Kuhlmann aus Lindau am Bodensee will ihre Chance nutzen. Und die Essen Motor Show bietet der amtierenden "Miss Tuning 2004" dazu den idealen Rahmen. In Halle 4, auf einem nur wenige Quadratmeter großen Stand, signiert und verkauft die 26-Jährige großformatige Kalender, auf deren Seiten jeweils sie und ein Auto zu sehen sind. Vom Auto eher weniger, von ihr dafür umso mehr: Ihr Skorpion-Tattoo über der Brust zum Beispiel und fast jeder Zentimeter Haut an ihrem Körper. Ihr Agent Fabian Kienzle berichtet, dass Katharina Kuhlmann ganz gut im Geschäft sei - und dass sie demnächst eine Single aufnehmen werde.
Die Reaktionen der Messebesucher auf "Miss Tuning" sind höchst unterschiedlich. Von verschämten Blicken bis zu frivolen Sprüchen reicht das Repertoire der Herren, die meist mit Prospekten voll gestopfte Plastiktüten tragen, auf denen häufig auch Pin-up-Motive zu sehen sind. Autos und Frauen, Motoren und Erotik, PS und Nacktheit - auf der Essen Motor Show gibt es diese Paarungen in allen Facetten.
Essen Motor Show: Babes, Beer, Burnouts
Die DTS Tuning GmbH aus Fichtenberg zum Beispiel hat eine Bühne errichtet, auf der immer zur vollen Stunde eine "heiße Erotik-Tanz-Show" stattfindet. Stets treten Models, die sich Bianca oder Kate nennen, zunächst im schwarzen Ledermantel auf die Bühne, um sich anschließend zu Techno-Musik bis auf den Tanga zu entkleiden. A propos Tanga: Die Firma Folitech Schriftzüge und Dekore aus Löhne dekoriert unter anderem Damenslips mit Auto-Logos und manch launigem Spruch (VW-Luder). Acht Euro kostet eine Unterhose - "wenn Sie zwei nehmen, kriegen Sie die für 15 Euro", sagt der Herr hinterm Tresen. Nebenan bietet ein Stand Videos feil. Sie tragen Titel wie "Babes, Beer and Burnouts".
Die Verlockung ist allgegenwärtig. Auch die beiden koreanischen Reifenhersteller Hankook und Kumho wetteifern um die Aufmerksamkeit des Publikums unter Einsatz weiblicher Reize. Bei Hankook finden in regelmäßigen Abständen Tanzdarbietungen statt, die mit einem Preisrätsel einhergehen. Eine Halle weiter, bei Kumho, sprayt Bodypainting-Vizeweltmeister Udo Schnurr das Profil des neuen Reifenmodells KL 12 Ecsta STX auf die Brust von Annika Tobler aus Stuttgart. Die Farbe sei ein wenig kühl, sagt die junge Frau. Vielleicht fröstelt sie es aber auch deshalb, weil sie, nur mit einem Tanga bekleidet, so lange still stehen muss. Sowohl die Tänzerinnen bei Hankook als auch die Körperkunst bei Kumho zeigen die erwünschte Wirkung: Die in Deutschland noch weithin unbekannten Reifenmarken werden wenigstens wahrgenommen.
Um Aufmerksamkeit ringt auch der ganz normale Autofahrer. Deshalb gibt es ja diese Messe. Denn hier gibt es das passende Zubehör für die PS-Balz. Ob mit blinkenden LED geschmückte Schaltknäufe, Fußmatten aus Metall, transparente Außenspiegel-Gehäuse, Tattoo-Aufkleber für Motorhaube oder Heckscheibe, dicke Sportlenkräder, Rückleuchten in fast allen Farben, Handschellen aus Plüsch als Innenspiegel-Dekoration oder Musikanlagen, die den kompletten Kombi-Kofferraum ausfüllen - die Liebe zum Automobil kann sich mannigfaltig ausdrücken.
Vor allem durch Extreme aller Art. Im Untergeschoss von Halle 1 ist das gut zu studieren, denn dort sind die Ausstellungen "Dream-Bikes", "Lowrider" und "55 Jahre Ferrari in der Formel 1" aufgebaut. Zu sehen ist unter anderem das Motorrad Tinker-Toy, das deshalb mehr als eine Tonne wiegt, weil es von 16 miteinander gekoppelten Kawasaki-Motoren angetrieben wird und insgesamt 48 Zylinder mit je 87,5 Kubikzentimetern besitzt. Auch ein komplett im Wurzelholz-Look gehaltenes Motorrad mit Namen "VW Projekt Bike" der Firma Bentler aus Görwihl steht da, ebenso wie der Dragster "Bat". Unter der Karosserie eines Chevrolet aus dem Jahre 1939 steckt ein V8-Motor mit 2500 PS.
Unter den automobilen Kuriositäten und Verrücktheiten in dieser Abteilung steht auch der mattschwarz lackierte Oldsmobile aus dem Werner-Film "Gekotzt wird später". Der Comic-Zeichner und "Werner"-Erfinder Rötger Feldmann nutzte die Kulisse, um ein neues Rennen zwischen seiner viermotorigen Horex und einem Porsche anzukündigen. Im September 2004 wird auf dem Eurospeedway Lausitz das Startsignal dazu ertönen. Hört sich nach einer neuen Chance für Miss Tuning an.