Essen Motor Show Das Gesetz der Serie brechen
Wer in diesen Tagen über schnelle Autos, starke Maschinen oder Motorsport schwadroniert, sollte ein paar gute Argumente parat haben, falls die Rede auf Umweltschutz, Ressourcenschonung oder CO2-Ausstoß kommt. Das dürfte leichter fallen, sobald man die Essen Motor Show (1. bis 9. Dezember) besucht hat, zu der rund 400.000 Besucher erwartet werden. Denn zumindest einige der 560 Aussteller aus 26 Nationen, die auf 105.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in 18 Hallen ihre Angebot präsentieren, haben die Zeichen der Zeit kapiert und setzen auf Öko-Tuning.
So kommt es, dass ein und dasselbe Datenblatt eines getunten Fahrzeugs zwei völlig unterschiedliche Charaktere in Verzückung versetzten kann. Nämlich den Vollgas-Freund und den Umweltschützer. Das des Seat Leon iS beispielsweise, den die Kemptener Firma Abt in einer getunten Version zeigt, die einerseits 50 PS mehr leistet als das Serienmodell, andererseits aber im Durchschnitt auf 100 Kilometer etwa einen Liter weniger Sprit verbrennt. Ähnliches bietet das Aachener Unternehmen AC Schnitzer, das eine 552 PS starke Variante des BMW 3er Coupés vorstellt, die mit Flüssiggas angetrieben wird und dadurch den CO2-Ausstoß des Motors gegenüber dem Benzinbetrieb um rund 15 Prozent senkt.
Leistung bleibt nach wie vor das Maß der Dinge
Natürlich schert sich die Mehrheit der Vollgas-Fraktion kein bisschen um Verzicht oder Zurückhaltung. Es geht um Leistung, jetzt und hier. Und getunt wird alles, was vier Räder hat und ein Nummernschild braucht. Vom Brabus S V12 S Biturbo auf Basis der Luxuslimousine Maybach 57 bis hin zum 500 Cup, bei dem es sich um eine optisch aufgedonnerte Variante der österreichischen Firma MS Design des Italo-Kleinwagens Fiat 500 handelt. Der neue Kompakt-SUV VW Tiguan steht bereits geschärft auf dem Stand von Abt, und der Sportwagen-Evergreen Opel GT wird von den Tunern Steinmetz und Irmscher ebenfalls knackiger und quicker präsentiert.
Auch mancher Autohersteller nutzt die speedophile Ausstrahlung der Essen Motor Show, um rasante Versionen ansonsten braver Alltagsautos ins Rampenlicht zu rollen. Ford etwa feiert in Essen die Weltpremiere des neuen Focus ST, der im neuen Jahr mit einem 225 PS starken Fünfzylinder-Motor antreten wird. Opel wiederum zeigt das in einschlägigen Kreisen bereits etablierte Konkurrenzmodell Astra OPC auf der Motor Show in einer speziellen Nürburgring-Edition, die in limitierter Auflage auf den Markt kommen soll. Und VW präsentiert erstmals in Europa den Geländewagen Touareg R50 mit 350 PS.
Zur Showtime werden die Zündschlüssel gedreht
Das Besondere an der Veranstaltung ist jedoch, dass sie sich nicht auf Tuning beschränkt. Die vor 40 Jahren als Sport- und Rennwagen-Ausstellung gegründete Motor Show ist noch immer eine der ersten Adresse für Motorsport-Fans. Zur offiziellen Eröffnung an diesem Freitag haben sich neben der Schauspielerin Marie Bäumer die Rennfahrer Nick Heidfeld, Hans-Jochen Stuck und Giacomo Agostini angesagt. Es gibt eine Sonderschau "40 Jahre Internationaler Automobil-Rennsport" und eine Ausstellung von Formel-1-Fahrzeugen aus der abgelaufenen Saison.
Neu ist die spezielle Aktionshalle 1A, die den Namen Essen Showground trägt und Schauplatz einiger denkwürdiger Darbietungen werden wird. Die German Lowrider Challenge Association beispielsweise zeigt dreimal täglich die coolsten Karren der Lowrider Master. Sodann können Messebesucher in einer vor Ort aufgebauten Werkstatt mitverfolgen, wie ein Westfield Sportwagen während der Öffnungstage getunt oder, wie es im Szenejargon heißt, gepimpt wird. Und gleich am Eröffnungstag wird die Tuning Queen gewählt. Zehn Kandidatinnen wetteifern um den Titel, der Samstags um 17 Uhr vergeben wird. Für CO2-Werte wird sich spätestens dann auf der Messe keiner mehr interessieren.