Essen Motor Show: Maximal auffallen - DER SPIEGEL
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Essen Motor Show Maximal auffallen

Wachstum, Dynamik, Leidenschaft - wer das in der gesellschaftlichen Realität Deutschlands vermisst, sollte sich ins Ruhrgebiet begeben. Dort findet von diesem Freitag an die Essen Motor Show statt - die weltweit größte Messe der Tuningbranche, die noch immer satte Zuwachszahlen verzeichnet. Ein Vorschau in Bildern.
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Allein in diesem Jahr werden die heimischen Autotuner rund 4,4 Milliarden Euro umsetzen - ein Plus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr und ein stattlicher Zuwachs angesichts des Umsatzvolumens von 2,95 Milliarden Euro, das 1995 erzielt wurde. Mit anderen Worten: Mögen die Konjunkturdellen noch so gravierend sein, das Geschäft mit verchromten Rädern, dicken Auspuffrohren, schwülstigen Spoilern und natürlich Extra-Motorleistung läuft wie geschmiert. Hubertus Troska, der Chef der Mercedes-Tuningabteilung AMG, formuliert ein einprägsames Motto: "Die Leute wollen pro Euro so viel PS wie möglich."

Folglich sind die Leute auf der Essen Motor Show genau am richtigen Ort. Rund 400.000 Besucher werden in den 19 Messehallen erwartet, wo 570 Aussteller ihre Produkte zeigen. Auch die meisten Automobilhersteller nutzen inzwischen das Publikumsinteresse und stellen in Essen besonders sportliche Modelle vor. In diesem Jahr zum Beispiel zeigt BMW erstmals in Deutschland die Vollgas-Limousine M5, Mercedes fährt den E 350 mit neuem, 272 PS starkem Sechszylindermotor ins Rampenlicht, und Toyota stellt einen Corolla TS Compressor mit 205 PS vor. Mazda wiederum eröffnet mit dem Modell 6 MPS, unter dessen Haube ein 2,3-Liter-Turbomotor mit 260 PS Leistung steckt, den Reigen der Hochleistungsautomobile, die die Japaner künftig als Krönung jeder Baureihe anbieten wollen.

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Essen Motor Show: Maximal auffallen

Foto: DPA

Auffällig ist in Essen auch der Trend, kleineren Autos immer dickere Muskelpakete anzutrainieren. Bei Ford etwa debütiert der Fiesta ST, ein Kleinwagen mit 150 PS, der bis zu 208 km/h schnell wird. Toyota hält mit dem Yaris Turbo mit ebenfalls 150 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h dagegen. Auch viele Tuningfirmen haben sich auf das Anspitzen von sonst eher braven Kleinwagen spezialisiert: Da stehen scharf gemachte Opel Corsa, Renault Modus oder Skoda Fabia, Mitsubishi Colt und Peugeot 206.

Tuning ist aber längst ein klassenübergreifendes Phänomen geworden. Was früher unter dem GTI-Image subsummiert wurde, ist heute ein stark differenzierter Markt. Auch ohnehin schon teure und kräftige Modelle werden noch zusätzlich aufgemotzt, "veredelt", wie es in der Branche vornehm heißt. Die Firma Carlsson zum Beispiel bläht den Motor eines Mercedes CLS 500 auf 430 PS auf, Kamei rollt den Geländewagen VW Touareg mit 330 PS an den Start, und JE Design bietet für den Audi A8 eine Leistungssteigerung auf bis zu 500 PS an. Das Problem bei Fahrzeugen dieser Art: Sie unterscheiden sich optisch nur dezent von den Normalversionen aus der Serienproduktion.

Tuning aber soll auffallen, viele Produkte sind deshalb vor allem optischer Natur. Zudem lockt die Messe mit allerlei fahrbaren Skurrilitäten und Extremen. Vehikeln wie dem Mono-Wheeler des Amerikaners Kerry McLean etwa, bei dem der Fahrer inmitten eines einzelnen "Riesenrades" sitzt, das von einem V8-Motor von Buick angetrieben wird. Gezeigt werden auch irrwitzig aufgetakelte Motorräder, ein Extremgeländewagen der Marke Hummer mit Kettenantrieb, schrille Mobile aus Filmproduktionen, 20 Rennwagen aus den Jahren von 1907 bis 1939 sowie fünf ultraexklusive Bentley-Modelle aus der Veredelungsmanufaktur Mulliner.

Wer je von Autos geträumt hat oder den Begriff Traumauto in seinem aktiven Wortschatz führt, wird bei einem Messerundgang in Essen wohl nicht enttäuscht werden. Dass die Show sich vor allem an männliche Besucher wendet, wird angesichts der zahlreichen, sehr leicht bekleideten Models an diversen Messeständen schnell deutlich. Und auch an das Kind im Manne wurde gedacht: Gezeigt wird nämlich auch einen Ferrari-Rennwagen in Originalgröße - zusammengesetzt aus Ferrari-roten Legosteinen.