Essen Motor Show Sie können auch anders
Essen - Niedrige Verkaufszahlen und Krisenstimmung - das dürfte das Letzte sein, worüber auf der Essen Motor Show 2003 geredet wird. Denn auf der Messe (28. November bis 7. Dezember) steht das Thema Spaß am Auto im Vordergrund. So werden auch in diesem Jahr wieder die Tuner zeigen, was sich mit viel Aufwand und viel Geld aus einem "normalen" Auto machen lässt. Und dann sind da natürlich noch die spleenigen bis skurrilen Eigen- und Umbauten aus aller Welt.
Nachdem auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September in Frankfurt/Main die "normalen" Modelle der großen Hersteller ihre Premiere hatten, wird in Essen gezeigt, dass die vermeintlich braven Fahrzeuge auch anders können. So wird laut der Messe Essen in den Hallen eine ganze Reihe veredelter Ausführungen der gerade erst auf den Markt gekommenen Modelle zu sehen sein. Ganz vorne in der Beliebtheitsliste dürfte der neue VW Golf stehen.
Sieger-Ferraris aus 50 Jahren Formel-1-Geschichte
Während es bei den derart veredelten Fahrzeugen zumindest grundsätzlich die Chance gibt, sie einmal selber zu fahren, ist ein großer Teil der Exponate in Essen reines Anschauungsmaterial. So wird passend zu Michael Schumachers sechster Weltmeisterschaft eine Sonderschau zur Formel-1-Geschichte von Ferrari gezeigt. Zu sehen sind 20 Rennwagen aus der Zeit von 1948 und 2003, darunter mit dem Tipo 125 der Urahn aller Formel-1-Rennwagen von Ferrari. Rennwagen aus der Ära von Niki Lauda sind ebenso dabei wie aktuelle Boliden.
Eher in den Bereich Kurioses lässt sich dagegen einordnen, was Extrem-Bastler aus aller Welt auf die Räder stellen. Fast schon konventionell mutet da an, was mit einem Volvo-Kombi aus dem Jahr 1972 gemacht wurde. Der normalerweise eher stattlich und hochbeinig wirkende Wagen wurde derart verändert, dass seine höchste Stelle nun gerade einmal 92 Zentimeter über dem Erdboden liegen. Außerdem bekam das Rot lackierte Schaustück Flügeltüren.
Dem Rock'n'Roll wiederum hat ein Autobastler seinen Umbau eines VW Käfers gewidmet. Das gute Stück ist mit einer Vielzahl von Musikinstrumenten von der Gitarre bis zum Schlagzeug ausgestattet. Optisch wesentlich schlichter ist das Dreirad Reliant Rodent gehalten, dessen Design sich an die Form einer Computer-Maus anlehnt.
"Werner" ist dabei
Zwar stammt ein Großteil dieser automobilen Extreme aus dem Ausland - doch auch in Deutschland gibt es eifrige Bastler. Bestes Beispiel dafür ist wohl der Oldsmobil Regency aus dem Jahr 1975, den Comic-Autor Rötger Feldmann ("Werner") mit seinem Bruder Andi umbaute. Mit 6,66 Metern Länge überragt der Straßenkreuzer sogar einen Maybach 62 um 50 Zentimeter.
Dass sich selbst die schrägen Ideen von Feldmann & Co. noch veräppeln lassen, das zeigt ein Tüftler aus Sachsen-Anhalt. Der ließ sich von Feldmanns legendärem "Red Porsche Killer" inspirieren - einem Extrem-Motorrad, mit dem erst im Comic-Heft und dann auch in der Realität mit einem Porsche um die Wette gefahren wurde. Der Eigenbau von Werner Herbst heißt nun "Red Trabi Killer" und ist alles andere als ein Kraft-Rad. Angetrieben wird er von vier Zweitakt-Motoren mit jeweils gerade einmal 49 Kubikzentimetern Hubraum. Das Riesenmoped kommt auf eine Gesamtleistung von 13,6 PS.
Dass sich die Kombination von Motoren auf zwei Rädern noch wesentlich extremer betreiben lässt, zeigt in Essen ein Motorrad namens Tinker Toy. Für dessen Bau hat der Brite Simon Whitelock 16 Dreizylinder-Treibwerke aus alten Kawasakis gesammelt. Zusammen hat das Gefährt nun also 48 Zylinder mit insgesamt 4,2 Litern Hubraum.
Weniger abgehoben geht es bei der Sonderschau von Klassikern des Karosserie-Bauers Erdmann & Rossi aus Berlin zu. Das Unternehmen schuf in den zwanziger und dreißiger Jahren Karosserien für Luxusautos und gelangte so zu Weltruhm. Seinerzeit war es durchaus üblich, dass ein Käufer bei einem Autohersteller nur ein Fahrgestell orderte - den Bau der Karosserie übernahmen dann Spezialunternehmen. Was dabei herauskam, zeigen die von Erdmann & Rossi geformten Oldtimer, darunter Modelle von Bentley, Hispano Suiza oder Mercedes.
Von Heiko Haupt, gms