Essen Motor Show: Tuners Traum - DER SPIEGEL
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Essen Motor Show Tuners Traum

Klimawandel, Spritpreisspirale und Finanzkrise mögen draußen die Stimmung trüben, doch hier drinnen ist die Welt der Autofans noch in Ordnung: In den 17 Hallen der Messe Essen findet ab Samstag die größte Tuningshow des Kontinents statt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wuchtige Spoiler, breite Reifen und aufgebrezelte Motoren – das sind die wesentlichen Zutaten für die Essen Motor Show, zu der in diesem Jahr 400.000 Vollgas-Freunde erwartet werden. Rund 550 Aussteller aus 19 Ländern zeigen in der Ruhrmetropole ihre Tuningprodukte; die irrste Entwicklung darunter ist möglicherweise das erste Tuningkit für ein Elektroauto.

Das Unternehmen Brabus aus Bottrop hat sich des kalifornischen Strom-Sportwagens Tesla Roadster angenommen. Neben üblichen Tuning-Teilen wie einer neuen Rad-Reifen-Kombination, beleuchteten Einstiegsleisten und einer fescheren Lederausstattung haben die Brabus-Techniker einen sogenannten Space Sound Generator entwickelt, der das Innere des normalerweise fast lautlos fahrenden Roadsters mit Motorgeräuschen beschallt. Es lassen sich diverse Triebwerkstöne imitieren sowie "zwei futuristische Klangebenen namens Beam und Warp", teilt Brabus mit. Zudem sei man gerade dabei, eine Leistungssteigerung für den Elektromotor zu entwickeln.

Mehr Leistung – das ist das eigentliche Mantra der Tuning-Branche. Die Neuheiten auf der Messe sind ein deutlicher Beleg dafür. Audi etwa zeigt das neue Modell S4, dessen Sechszylindermotor mit Kompressoraufladung 333 PS freisetzt. Zudem zeigt die Marke die GT-Rennversion des Sportwagens Audi R8, mit der im kommenden Jahr solvente Kunden auf die Jagd nach Bestzeiten gehen können. Der Rennwagen leistet mehr als 500 PS. Auch aus Wolfsburg rollt ein Kracher heran, der neue VW Golf GTI nämlich, mit 210 PS natürlich der stärkste GTI bislang.

Getunt wird klassenübergreifend

Getunt wird in allen Klassen. Vom Fiat-Ableger 500 Abarth in der Version Esseesse mit für einen Kleinwagen frivolen 160 PS (und einer Höchstgeschwindigkeit von 211 km/h) über den Mitsubishi Lancer Ralliart mit 240 PS oder den VW Scirocco von der Firma MTM mit 272 PS bis hin zum Opel GT i40 vom Tuner Irmscher aus Remshalden, der mit 480 PS antritt. Noch immer ist der Reiz von schierer Motorkraft zu dröhnendem Klang scheinbar unwiderstehlich.

Immerhin: Die meisten Tuner wissen um den schmalen Grat zwischen seriösem und fragwürdigem Scharfmachen. Deshalb gibt es in Essen auch einen Messestand der Kampagne "Tune it Safe", wo anhand eines zum Polizeiauto umgerüsteten VW Golf die verkehrssichere Veredelung propagiert wird. Als Partner der Initiative fungieren das Bundesverkehrsministerium, der der Tuner-Verband VDAT, die Automobilclubs ADAC und AvD, die Polizei Nordrhein-Westfalen, der Reifenhersteller Hankook sowie der TÜV Rheinland.

Autoraritäten und eine Hallenrennbahn

Neben den schier unzähligen Möglichkeiten, das Massenprodukt Auto wenigstens ein wenig aus der Masse hervorzuheben, werden bei der Motor Show auch mehrere Ausstellungen exklusiver Fahrzeuge gezeigt. Zum Beispiel sind eine Reihe von Oldtimern mit Kompressormotoren zu sehen, sozusagen eine Frühform des Motortunings, darunter der Maserati 6C, ein Fiat Ballila Coppa d'Oro sowie ein Wanderer W25K.

Auf dem sogenannten Dream Car Boulevard wiederum sind 20 Hochleitungssportwagen zu sehen - vom britischen Ascari KZ1 bis zum früheren Le-Mans-Gewinner Bentley Blue Train. Und erstmals gibt es in einer Ausstellungshalle eine Indoor-Rennstrecke, die Besucher im Renntaxi erleben können.

Pistenatmosphäre soll nicht nur durch die ausgestellten Rennfahrzeuge entstehen, sondern auch durch die vielen Rennfahrer, die bei der Essen Motor Show zu Gast sein werden. So etwa der aktuelle DTM-Meister Timo Schneider und seine Vollgaskonkurrenten wie Martin Tomczyk, Markus Winkelhock, Oliver Jarvis und Mattias Ekström oder die Le-Mans-Haudegen Frank Biela, Rinaldo Capello, Tom Kristensen und Marco Werner. Die PS-Show, diese Fazit lässt sich schon vor der Messe in Essen ziehen, geht vorerst auf jeden Fall weiter.

jüp