Europaweite Razzia Polizei gelingt Schlag gegen Tachofälscher
Tacho: Beim Verkauf eines Gebrauchtwagens wird häufig der Kilometerstand manipuliert
Foto: MICHAEL SOHN/ APMünchen - Die Polizeiaktion dürfte so manchen Autofahrer nervös machen. Plötzlich können selbst diejenigen, die ihr Auto bei einem Händler gekauft haben, nicht mehr sicher sein, ob ihr Vertrauen gerechtfertigt war. Denn mit einer europaweiten Razzia hat die Polizei einer ganzen Bande von Tachofälschern das Handwerk gelegt. Mehr als 500 Beamte durchsuchten unter Führung von Münchner Ermittlern über 150 Objekte in Deutschland, Österreich, Bulgarien und der Schweiz und nahmen 26 Personen fest, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Dabei ging es um professionelle Tachomanipulationen, bei denen der Kilometerstand von Gebrauchtwagen nach unten verfälscht wurde, um hohe Verkaufspreise zu erzielen.
Die Durchsuchungen am Dienstag waren nach Angaben der Polizei die größten, die es im Zusammenhang mit Tachomanipulationen bisher in Deutschland gegeben hat. Schwerpunkt waren München und das Umland. Die Beamten trafen 185 Beschuldigte an, darunter 70 Autohändler, die zu einem großen Bandennetzwerk gehören sollen. Gegen die 26 Festgenommenen wird wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs ermittelt.
Von 700.000 auf 150.000 Kilometer
Mehr als 300 Autos, bei denen ein Verdacht der Manipulation bestand, wurden sichergestellt, dazu mehr als 800.000 Euro Bargeld und Sachwerte von über 250.000 Euro. Alleine in München wurden Fälle mit einem Schaden von mindestens drei Millionen Euro aufgeklärt, wie die Polizei mitteilte. Beim wohl drastischsten Fall wurde bei einem Auto der oberen Mittelklasse der Tachostand von 700.000 Kilometer auf 150.000 manipuliert. Danach wurde der Wagen für 15.999 Euro verkauft.
Die Polizei geht davon aus, dass bei rund 30 Prozent der in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen manipulierte Tachostände vorliegen. Dabei werden entweder hohe Kilometerstände - beispielsweise bei Leasingautos - nach unten verfälscht oder beispielsweise in Taxis und Mietwagen sogenannte Kilometerfilter eingebaut, die nur jeden zweiten gefahrenen Kilometer aufzeichnen. In beiden Fällen geht der Käufer von einem niedrigeren Kilometerstand und damit einem höheren Wert des Fahrzeugs aus. Die Polizei schätzt den Schaden auf rund 3000 Euro pro Auto. Damit würde sich der Schaden deutschlandweit auf 5,4 Milliarden Euro pro Jahr summieren.
Um sich gegen entsprechenden Betrug zu schützen, empfiehlt die Polizei, sich beim Autokauf Zeit zu lassen. Zudem könne man die Kilometerstände manchmal mit den Eintragungen zu Ölwechseln abgleichen. Auch wenn Lenkrad oder Pedale stärker abgenutzt seien, als das bei der angezeigten Fahrleistung zu erwarten sei, sollte man misstrauisch werden, sagte eine Polizeisprecherin.
Kunden, die einen Gebrauchten aus privater Hand kaufen wollen, fahren am besten, "wenn es zum Auto ein lückenloses Service-Heft, Reparaturrechnungen und Unterlagen der Hauptuntersuchungen gibt", sagte Köster. Dann sei das Risiko gering, bei der Laufleistung eines Wagens übers Ohr gehauen zu werden. Denn in diesen Dokumenten sind in der Regel die Kilometerstände aufgeführt.