Fahranfänger Null-Promille-Regel stößt auf Kritik
Hamburg - In einem Interview mit dem RBB-Inforadio sagte Sabine Bätzing (SPD), Drogenbeauftragte der Bundesregierung, dass voraussichtlich ab Sommer 2007 für Fahranfänger in den ersten zwei Jahren ein vollständiges Alkoholverbot gelten soll. Laut Statistik sind mehr als die Hälfte der Beteiligten bei Alkohol-Unfällen jünger als 35 Jahre.
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßt die Maßnahme, hält es aber für zu wenig, die Regelung nur auf Verkehrsanfänger zu beschränken. "Auch bei älteren, erfahrenen Fahrern sind es vier bis fünf Prozent der schweren Unfälle, bei denen der Verursacher Alkohol getrunken hat", sagte VCD-Sprecher Daniel Kluge zu SPIEGEL ONLINE. "Außerdem gibt es beispielsweise bei jemandem, der mit 18 den Führerschein macht und mit 20 trinken darf, einen Risikosprung - die Lust an Geschwindigkeit, die Lust, Neues auszuprobieren, könnte dazu führen, dass er sich auch nach zwei Jahren genauso unvernünftig wie ein Fahranfänger verhält."
Nach Einschätzung von Horst Friedrich, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, erreicht eine Null-Promille-Grenze nicht die Verkehrsteilnehmer, die tatsächlich gefährlich für die Sicherheit auf den Strassen sind. "Das Problem liegt nicht zwischen 0,3 und 0,5 oder 0,8 Promille, sondern bei Fahrern, die mit 1,6 oder bis zu drei Promille unterwegs sind", sagte Friedrich zu SPIEGEL ONLINE. "Diese Klientel kriegen wir nicht in den Griff mit der Regelung."
Über die Zahl der Fahrer, die unter starkem Alkoholeinfluss unterwegs sind, aber nicht erwischt werden, gibt es nur Vermutungen. Deshalb seien vielmehr verstärkte Kontrollen und mehr Polizeiprävention auf den Strassen notwendig. "Es stellt sich die Frage, ob die Null-Promille-Grenze ein so großes Maß an mehr Sicherheit erreicht, dass der Aufwand der Maßnahme gerechtfertigt ist", sagte Friedrich.
Auch VCD-Sprecher Kluge befürwortet eine stärkere Rolle der Polizei. "Andere Länder sind bei der Verkehrssicherheitspolitik viel weiter als Deutschland", sagte er. In Frankreich sei durch eine Doppelstrategie mit positiver Kommunikation und gleichzeitig härterem Durchgreifen ein deutlicher Rückgang der alkoholbedingten Verkehrsunfälle erreicht worden.
Im Jahr 2005 gab es laut VCD 13.000 Unfälle mit Personenschaden, bei denen Alkohol im Spiel war.
Sto