Modellautos: Jetzt mal halblang
Fahrbereite Spielzeugautos Klassiker im Kleinformat
Wiking-Autos, Revell-Bausätze oder die gute alte Märklin-Bahn - über solche nachgebauten Fahrzeuge lächelt Nathan Harrington, denn er denkt in größerem Maßstab. Der nach Vietnam ausgewanderte Brite baut nämlich Modellautos, die so ziemlich alles in den Schatten stellen, was sich kleine und große Jungs zu Weihnachten wünschen könnten. Harrington ist Spezialist für voll funktionsfähige Oldtimer wie Mercedes SL, Jaguar E-Type oder Porsche 356, die sich von den Originalen nur in einem Detail wesentlich unterscheiden: Sie entstehen im Maßstab 1:2, sind also nur halb so groß. Für Spielzeuge sind sie jedoch immer noch horrend teuer, mehrere tausend Euro kostet so ein Modellauto.
Derartige Kleinstfahrzeuge baut Harrington freilich nicht alleine. Vergleichbare Modelle gibt es auch - mal mehr, mal weniger detailliert - in ausgewählten Spielwarenläden und im Zubehörprogramm vieler Autohersteller. Harrington bietet gleich fünf Klassiker an, vom Bugatti Type 35 über den Jeep Willys bis zu den drei bereits erwähnten Auto-Evergreens. Und wer ein wirklich exklusives Modell wünscht, dem baut Harrington auch das persönliche Lieblingsmodell im Liliput-Format.
Auf die Idee dazu kam Harrington, als er seinem Neffen vor einigen Jahren ein Spielzeugauto zum Selbstfahren schenkte. Das Modell war sehr teuer und dazu von miserabler Qualität. Harrington war darüber derart verblüfft, dass er kurzerhand selbst ins Spielzeug-Geschäft einstieg. "Ich wollte es einfach besser machen", sagt er über seine Motivation. Ganz neu in der Welt der Chromjuwelen war er allerdings nicht. Denn das Hauptgeschäft seiner Firma mit knapp 130 Mitarbeitern sind nicht die Spielzeugautos, sondern der Nachbau von Interieurteilen für Oldtimer wie VW Käfer, BMW Isetta oder Citroën 2CV sowie mit der Restauration von echten Klassikern. Außerdem fertigt die Harrington Group Stoßfänger für 140 verschiedene Oldtimer-Typen.
Die kleinen Modellautos im alten Look werden in Europa zum Beispiel von der Firma Pocket Classics in London vertrieben. Umgerechnet 7700 Euro kostet zum Beispiel der Mini-Bugatti, etwa 11.000 Euro werden für die anderen Modelle fällig. Dass die Autos so teuer sind, liege am hohen Aufwand, mit dem sie gebaut seien, heißt es beim Hersteller. "Jedes unserer Fahrzeuge entsteht in rund 450 Stunden Handarbeit", sagt Firmensprecher Benja Hedley.
Die Modellautos sind auch für Erwachsene geeignet
Dafür jedoch habe man auch lange Freude an den Modellen, argumentiert Hedley. Erstens seien die Autos mit etwa zwei Meter Länge groß genug, dass auch Erwachse noch ihren Spaß haben, und zweitens seien sie quasi unzerstörbar. Auch die Technik kann sich sehen lassen. Die Kunden haben die Wahl zwischen einer knapp 20 km/h schnellen Elektro-Antriebsvariante, deren Akkus etwa zwei Stunden Fahrzeit ermöglichen, oder einem Einzylinder-Benzinermotor. Das Aggregat mit 110 Kubikzentimeter leistet rund sieben PS und ist mit einem halbautomatischen Dreigang-Getriebe kombiniert. Der Motor treibt die Bonsai-Klassiker auf fast 70 Sachen.
Trotz des hohen Tempos sind die kleinen Flitzer auf der Straße natürlich absolut tabu. Offiziell heißt es bei Harrington: "Das sind Spielzeuge, mit denen man das private Gelände nicht verlassen sollte." Wer sich allerdings ein Spielzeugauto für diesen Preis leistet, dem wird es wohl auch am geeigneten Auslauf auf dem eigenen Grundstück kaum mangeln.