Fahren mit Erdgas: Wir wären dann soweit - DER SPIEGEL
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Fahren mit Erdgas Wir wären dann soweit

Was die Technik betrifft, kann Opel Gas geben. Sämtliche Modelle der Marke sind bereit für den Erdgasantrieb. Tatsächlich profitieren bislang allerdings nur Zafira und Combo davon. Der Grund laut Opel: Es fehle die politische Weichenstellung in Europa.
Von Sabine Neumann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Mit der stetigen Weiterentwicklung der Erdgastechnologie kommen wir dem Auftrag der EU nach, bis zum Jahr 2020 zehn Prozent des Mineralölbedarfs durch den fossilen Brennstoff CNG ersetzen zu können." Rita Forst, Direktorin bei GM Powertrain (zuständig für die Motorenentwicklung des Unternehmens), sagt das ganz zufrieden. Denn falls die Nachfrage nach Erdgas-Fahrzeugen zunähme, könnte Opel rasch reagieren. Was sie jedoch kritisiert, ist das Fehlen eines Maßnahmenkatalogs der europäischen Regierungen und der Energiekonzerne, der die Schritte festlegt, mit denen in der vorgegebenen Zeit den alternativen Antrieben zum Durchbruch verholfen werden soll.

Die Zeit drängt. Experten prognostizieren, dass die Weltbevölkerung von derzeit 6,4 Milliarden Menschen bis 2020 um mehr als eine Milliarde anwachsen wird. Zudem wird erwartet, dass der Motorisierungsgrad von heute weltweit 12 auf 15 Prozent ansteigen wird. Das bedeutet, dass in knapp 15 Jahren nicht mehr 775 Millionen Fahrzeuge auf den Straßen dieses Planeten rollen werden, sondern 1,1 Milliarden. Das Problem der damit einhergehenden Kohlendioxid-Belastung sowie der Luftverschmutzung mit anderen Schadstoffen stellt sich also ebenso dringlich wie die Abhängigkeit von Kraftstoff, der diese Blechlawine in Bewegung hält.

Drei-Stufen-Plan für eine sauberere Mobilität

Um der Vision von einer emissionsfreien Mobilität näher zu kommen, verfolgt General Motors (GM) einen Drei-Stufen-Plan. In einem ersten Schritt geht es darum, die derzeit gängigen Benzin- und Dieselaggregate "sauberer und sparsamer" zu machen. Über eine weitere Verbreitung von Autos mit alternativen Treibstoffen - das Angebot umfasst heute zum Beispiel Bio-Ethanlo-Modelle (Saab), Erdgas-Fahrzeuge (Opel) oder Flüssiggas-Autos (Chevrolet) - sollen schließlich Hybridfahrzeuge den Weg zur mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzelle ebnen, dem dritten Schritt in diesem Szenario.

Laut Antriebs-Fachfrau Rita Forst wurde bislang schon einiges erreicht. So seien inzwischen etwa 90 Prozent der Smog auslösenden Emissionen aus Auspuffrohren eliminiert worden. Trotz stetig steigender Ansprüche an die Auto-Ausstattung sei der durchschnittliche Benzinverbrauch deutlich gesunken. "Doch es muss noch wesentlich mehr getan werden", fordert die GM-Direktorin. Die Hersteller seien in der Pflicht, sparsamere Technologien weiterzuentwickeln, die Energielieferanten müssten für möglichst saubere Kraftstoffe sorgen, und schließlich sollen sich auch die Autofahrer einen umweltbewussten Fahrstil angewöhnen.

Die Erdgas-Infrastruktur ist noch lückenhaft

Zudem fordert Forst die Politik auf, vor allem für die derzeit schon verfügbaren Alternativen zu Benzin und Diesel Anreize zu schaffen, damit deren Verbreitung zunimmt. "Es geht beispielsweise darum, die flächendeckende Versorgung mit Erdgas sicherzustellen sowie durch eine günstige steuerliche Einstufung des Treibstoffs und der Erdgas-Fahrzeuge die Verbraucher zu motivieren, diese Modelle in ihre Kaufüberlegungen einzubeziehen."

Solange Autofahrer nur nach sorgfältiger Planung und aufwendiger Vorbereitung mit einem Erdgas-Auto zum Beispiel in den Urlaub fahren könnten, bleibe es wohl trotz der immens gestiegenen Spritpreise bei der vergleichsweise dürren Zahl von 500.000 zugelassenen Erdgas-Fahrzeugen in Europa. In Deutschland sind es gerade einmal 35.000 Erdgas-Autos - etwa ein Drittel davon sind Modelle von Opel, weitere Anbieter der CNG-Technik hierzulande sind Citroen, Ford, Mercedes, Peugeot, Renault, Volvo und VW.

Sparen mit Erdgas ist möglich - doch alle warten ab

"Obwohl kein Zweifel an der Wirtschaftlichkeit und der Umweltverträglichkeit besteht und alle Entscheidungsträger davon überzeugt sind, dass es sich bei Erd- und Biogas um wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Alternativen handelt, mangelt es immer noch an Allianzen, dem Treibstoff zu mehr Popularität zu verhelfen", bedauert Forst.

Auch Opel verharrt derzeit in dieser Abwarteposition. Es sei ja alles bereit, argumentieren die Rüsselsheimer, sogar ein Erdgas-Turbomotor mit 144 PS liege fertig entwickelt im Regal. Doch Gas gegeben wird bei dieser Maschine vorerst nicht. Die Industrie lauert, die Politik zögert - und so sind es wohl wieder einmal die Kunden, die den Anstoß zu einer umweltfreundlicheren Technik geben müssen. Es kann also noch dauern.