Fahrtechnik Digitale Assistenten zum Nachrüsten
Hannover - Wohl kaum ein Autofahrer zieht den Nutzen eines Navigationssystems in Zweifel. Es macht unterwegs das nervige Blättern im Autoatlas überflüssig, führt direkt zum Ziel und weist bei Stau die Umleitung. Jedoch sind ab Werk eingebaute Geräte meist kostspielig, weshalb manche Fahrer lieber darauf verzichten. Eine günstigere Alternative bieten Nachrüstlösungen auf PDA -Basis (Personal Digital Assistent), wie sie verschiedene Hersteller seit einiger Zeit anbieten. Bislang hatten sie den Nachteil, dass sie einen geringen Bedienkomfort sowie eingeschränkte Funktionen besaßen.
So genannte Synchronisationstechnik mit Spracherkennung soll den PDA-Navigationssystemen einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Nach Angaben des Analysten Chris Jones von der britischen Firma Canalys haben sich mobile Navigationsgeräte "zur Killer-Applikation für Handhelds entwickelt. Der Hamburger Software-Anbieter Navigon - nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich mobile Navigation - präsentiert auf der CeBIT seine jüngste Entwicklung. Der "Mobile Navigator 4" verfügt über eine verbesserte grafische Benutzeroberfläche. Größere Icons, die sich während der Fahrt problemlos auch mit dem Finger antippen lassen, sollen die Handhabung verbessern. Erstmals sind die Geräte mit einer Spracherkennung ausgestattet, mittels derer sich abgespeicherte Ziele auf Zuruf ansteuern lassen. Dies sei auch ein Sicherheitsgewinn, so Pressesprecher Torsten Singer.
Parallel laufende Datenautobahnen
Auch bei der Navigation per Handy sei das Marktpotential noch lange nicht ausgeschöpft. Bei den neuen Modellen wird das Reiseziel an einen Server gesendet und mit GPRS (General Packet Radio Service) werden die Daten für den benötigten Routenkorridor zurückschickt. Laut Navigon ist diese Lösung vor allem für Handy-Nutzer interessant, die nur hin und wieder ein Navigationssystem benötigen.
Darüber hinaus verspricht das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie in Kürze eine neue Software präsentieren zu können, die Kartendaten in Beziehung zu aktuellen Fahrdaten setzt. Über Sensoren am Fahrzeug können dann aktuelle Daten von "Fahrerassistenzsystemen" aufgenommen werden. "Dadurch weiß das Fahrzeug, was es auf den nächsten Kilometern erwartet", sagt der Navigon-Geschäftsführer Peter Scheufen. Beispielsweise könne die Software rechtzeitig vor einer scharfen Kurve warnen oder die Scheinwerferkegel automatisch regulieren. Problematisch sei nur eine Berücksichtigung neuester Daten wie Behinderungen durch gerade erst entstandene Unfälle.
Wie sich auch das in Zukunft bewerkstelligen ließe, zeigt ein auf der CeBIT präsentiertes Forschungsprojekt von BMW. Bei "Floating Car Data" sind Autos, die sich im selben Umkreis befinden, über so genannte Ad-hoc-Netze verbunden und tauschen untereinander relevante Verkehrs- und Fahrinformationen aus. Bei einem Stauende, das hinter einer nicht einsehbaren Kurve liegt, werden nachfolgende Autos rechtzeitig gewarnt. Immer wieder aktualisierte Netze seien daher nicht nur eine Verbesserung der Verkehrssicherheit, sondern auch ein Beitrag zur "dynamischen Routenführung", so ein Sprecher des Projekts. Mit Hilfe der Echtzeit-Verkehrsdaten ließe sich mancher Stau umgehen oder sogar völlig vermeiden, hoffen die Wissenschaftler.
Von Felix Rehwald