Ferrari GG 50 Ein Prototyp zum Fünfzigsten
"Dass ich seit 50 Jahren in der Welt des Automobildesigns zu Hause bin, wollte ich mit einem ganz besonderen Ferrari würdigen. Das Auto werde ich ganz allein mit meiner Familie genießen", sagt Giorgetto Giugiaro, dessen Initialen GG, versehen mit dem Zusatz 50, das Sportwagen-Unikat zum Jubiläum bezeichnen. Als Basis für den GG 50 diente ein Ferrari 612 Scaglietti, technisch sind beide Autos identisch. Auch der GG 50 wird also von einem 5,7 Liter großen V12-Motor mit einer Leistung von 540 PS angetrieben. Aber wer interessiert sich bei solch einem Auto schon für PS oder Newtonmeter - es geht alleine um die Form.
Das ist die Welt von Signore Giugiaro, der im Februar damit begann, die ersten Bleistiftzeichnungen des Autos anzufertigen. Der Altmeister skribbelt Karosserien noch immer so, wie vor 50 Jahren. Erst viel später, wenn die Details längst festgelegt sind, übertragen die Mitarbeiter von Italdesign die Pläne des Chefs in den Computer. Im Juni stand der erste Prototyp des GG 50 auf den Rädern. Giugiaro hatte die Karosserie im Vergleich zum Scaglietti um neun Zentimeter auf 4,81 Meter gekürzt - und zwar am Heck um sieben, an der Front um zwei Zentimeter. Zugleich bat er die Techniker in Maranello, statt des senkrecht hinter den Sitzen angeordneten Tanks im Scaglietti einen horizontal einzubauenden Benzinbehälter zu entwickeln. Der Wunsch wurde ihm gewährt, mit dem Resultat, dass der GG 50 bei umgeklappten Rücksitzlehnen ein Gepäckvolumen von stolzen 500 Litern aufweist - gegenüber eher mickrigen 240 Litern beim Scaglietti.
Neben der für Giugiaro typischen Eleganz der Linienführung, die den Wagen weich und zugleich kraftvoll, lässig und zugleich schneidig aussehen lässt, bekam der GG 50 einige neue Details: zum Beispiel neue Lufteinlässe an der Front, die den vorderen Bremsen eine kühlende Brise zuführen, am Heck insgesamt vier LED-Rücklichter sowie einen kleinen, nur dezent angedeuteten Spoiler auf der Heckklappe.
Im Innenraum verlegte Giugiaro den Schalter für die Scheinwerfer und die Taste für die elektrische Handbremse von der linken Seite des Lenkrads nach rechts. "Heute braucht der Fahrer seine rechte Hand nicht mehr zum Schalten, denn die Gänge werden direkt am Lenkrad gewechselt. Also haben wir einige wichtige Funktionen rechts positioniert, damit die rechte Hand wieder etwas zu tun bekommt", erklärt Giugiaro. Ansonsten folgt die Instrumentierung jener des Serienmodells - abgesehen allerdings vom großen Navigationsbildschirm in zentraler Position der Mittelkonsole.
Ferrari-Enthusiasten, die den GG 50 gerne in ihren Carport aufnehmen würden, müssen in diesem Fall verzichten. Das Auto wird derzeit auf der Tokio Motor Show gezeigt, wandert danach aber zurück zu Giugiaro in Moncalieri. Denn wie sagte der Berufsjubilar? Er wolle das Auto ausschließlich mit seiner Familie genießen. Buon viaggio!