Ferrari-Magazin: Rasende Reporter - DER SPIEGEL
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Ferrari-Magazin Rasende Reporter

Schluss mit der Pressevielfalt bei Ferrari, der Sportwagenhersteller aus Maranello gibt jetzt nur noch ein für alle Märkte gültiges Ferrari-Magazin heraus. Investigativer Höhepunkt in Ausgabe 1: Michael Schumacher interviewt Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo.
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Bislang herrschte bei Ferrari verlegerischer Föderalismus. Jede Vertriebsgesellschaft – zumindest solche mit größerem Ferrari-Kundenkreis gab eine eigene Werbezeitschrift heraus. Hierzulande etwa erschien zweimal im Jahr das "Ferrari Deutschland Magazin". Das ändert sich nun, denn soeben erschien die erste Ausgabe des offiziellen Ferrari-Magazins, das fortan weltweit vertrieben wird, viermal pro Jahr in englischer Sprache erscheinen soll und alle bisherigen Regionalpublikationen ablöst.

Die Redaktion sitzt nicht in Maranello, sondern in London, und zwar beim dortigen Ableger des US-Großverlages Condé Nast, gedruckt wird das Heft ebenfalls in London. Ein Höhepunkt in der ersten Ausgabe ist zum Beispiel ein Interview des Ferrari-Beraters und Ex-Formel-1-Champions Michael Schumacher mit Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, zugleich auch Vorstandschef des Fiat-Konzerns. Weil bekannt ist, dass der Graf auf Pannen bei Formel-1-Rennen durchaus cholerisch reagiert, fragt Schumacher Folgendes: "Wie viele Fernsehgeräte hast du denn beim Verfolgen der Grand-Prix-Rennen wegen mir demoliert?" Antwort Montezemolo: "Ich würde sagen vier." Schumacher erwidert: "Nur vier? Aber du hast mir nie die Rechnung geschickt."

Das ist sie also, die Sicht der Dinge aus Ferrari-Perspektive oder aus der Perspektive derjenigen, "die aus Leidenschaft eines dieser großartigen Fahrzeuge aus Maranello kaufen", teilt die Firma im Begleitschreiben zum neuen Heft mit. Auf 180 Seiten wird eine Welt entfaltet, die offenbar nur aus schnellen Autos, Mode, Design und lauter anderen ganz tollen Sachen besteht. Vom ersten Heft wird Ferrari 30.000 Exemplare drucken lassen und ausschließlich an Ferrari-Eigner verteilen.

Leser auf besonderem "sozioökonomischen Niveau"

Die Anzeigenkundschaft dürfte Schlange stehen, denn die Leserschaft zeichne sich nicht nur durch ihr "sozioökonomisches Niveau" aus, wie Ferrari beteuert. Es handle sich auch um eine Gruppe mit "Interesse für die Firmen, die sich entscheiden, in dieser exklusiven Welt, die das Magazin ihnen bietet, präsent zu sein". Vertrackt formuliert, doch was gemeint ist, wird sofort klar: Die Leute haben reichlich Geld, um immer neue Luxusgüter zu kaufen.

So ganz abschotten von den Menschen, die noch keinen Ferrari vor der Tür stehen haben, will sich das Unternehmen aber doch nicht. Deshalb gibt es die Möglichkeit, das Ferrari-Magazin zu abonnieren. Die vier Ausgaben kosten in diesem Fall 250 Euro. Ein Call-Center sei schon eingerichtet, teilt Ferrari mit, dort könnten sich Interessierte "in jeder Sprache" melden, um das Heft zu bestellen. Ein bisschen Englisch aber sollten sie schon beherrschen – denn in einer so teuren Zeitschrift möchte man doch wenigstens die Überschriften lesen können.

jüp