Fiat 500 Ciao, bello!
Rom - Selbst Formel-1-Pilot Michael Schumacher soll sich unsterblich in den "Kleinen" verliebt haben. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo ist auf einem Foto als stolzer Besitzer eines knallroten Prachtexemplars zu sehen. "Für mich ist der Kleine der Größte", so oder ähnlich äußern sich Fans bei Oldtimer-Treffen.
Längst ist der "Cinquecento" ein Sammlerobjekt, ein Kultgefährt, ein Mythos. Doch als City-Car droht dem Winzling das Aus, meint die Zeitschrift "Il Venerdi" - eine Beilage der italienischen Zeitung "La Repubblica". Als Grund werden Sicherheits- und Umweltschutzprobleme genannt.
Noch immer kurvten täglich etwa 500.000 Italiener mit Modellen Baujahr anno dazumal durch die Gassen. Dabei könnte schon ein Zusammenstoß mit 20 Kilometern in der Stunde für einen Fahrer tödlich enden, warnt das Blatt. Mit einem Liter Benzin komme der Kleinwagen in der Stadt ganze zehn Kilometer weit. Auch habe er eine miserable Straßenlage, von Sicherheitsgurten ganz zu schweigen.
Mehr noch: Ein alter Fiat 500 verschmutze die Luft so stark wie 300 moderne Kleinwagen zusammen. Um von Null auf 80 Stundenkilometer zu kommen, brauchten die Fahrer 25 Sekunden. "Das Aussterben scheint unvermeidlich zu sein", resümiert "Il Venerdi" nicht ohne Wehmut - und ruft die Leser zur Stellungnahme auf. Prominente wollten bereits Unterschriften zur Rettung des Kultwagens sammeln.
"Natürlich, die Schönheit und der historische Wert dieses kleinen Meisterwerks der Mechanik und des Designs bleiben unberührt, aber die Sicherheit und der Umweltschutz erlauben keine Sentimentalitäten." Insgesamt sind laut "Il Venerdi" fast 3,7 Millionen Modelle gebaut worden.
Am 15. Juni 1936 rollte der erste Fiat 500 vom Band. "Ich wollte ein kleines Auto für eine große Anzahl von Menschen entwerfen", beschrieb der Vater des legendären Gefährts, Dante Giacosa, seine Pläne. Erklärtes Ziel des gebürtigen Römers war es, dass sich jeder Angestellte ein Auto leisten kann.
Doch für viele Käufer war das Auto viel mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Auf dem "Sitz mit Motor", wie der Fiat auch genannt wird, lernte eine Generation das Küssen. Frauen lieben den Fiat 500, weil er klein und wendig ist. Trotzdem haben alle Einkaufstaschen darin Platz. Der "Cinquecento", so meinen Kenner, ist eine Herzensangelegenheit.
Jutta Lauterbach