Fiat-Neustart Rendite vor Volumen
Klaus Fricke, Vorstandschef der deutschen Fiat AG, ist Realist: "Wenn ich mir eine Pizza bestelle, muss ich mit Geld bezahlen, nicht mit Marktanteilen." Im Autogeschäft gelte das gleiche Prinzip: Wer nur auf die Stückzahl achtet, vergrößert womöglich seinen Marktanteil, aber kaufen kann er sich dafür nichts. Fiat arbeite deshalb nach der Maxime "Rendite vor Volumen" erläutert Fricke. Das war nicht immer so, und deshalb schlingerte die italienische Traditionsmarke zuletzt gefährlich nahe am Abgrund.
Nun soll alles besser werden. Pro Jahr sollen 2,6 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Automodelle fließen, mit dem Ziel, in den kommenden zwei Jahren insgesamt 20 neue Modelle der Konzernmarken Fiat, Alfa Romeo und Lancia auf die Räder zu stellen. Im Visier haben die Konzernstrategen dabei vor allem Modelle für derzeit erfolgreiche Marktsegmente und die klare Ausrichtung der einzelnen Marken auf ihre zentralen Imagewerte. Fiat etwa soll vor allem seine Rolle als Anbieter von Klein- und Kompaktautos mit italienischem Pfiff stärken, Alfa Romeo den Part der sportlichen Marke übernehmen und Lancia so etwas wie "Armani-Autos" bauen.
Was Fiat betrifft, so werden die kommenden Monate turbulent: Im September fährt der neue Gingo vor, der Seicento und Panda ersetzt, im Dezember folgen der neue Kompaktvan Idea und einige frische Varianten des Doblò. Für danach sind - stets im Abstand von wenigen Monaten - der Gingo als Dreitürer und mit Allradantrieb, ein neuer Multipla, ein neues Mittelklasse-Modell, ein neuer Punto, ein Geländewagen und ein Van mit Allradantrieb angekündigt.
Um diese Autos auch an die Kundinnen und Kunden zu bringen, will Fiat 450 Millionen Euro in die Erneuerung seines Vertriebsnetzes stecken. Die Italiener haben europaweit 50 Ballungszentren ausgemacht, in denen 40 Prozent aller Autos gekauft und zugelassen werden. Und sie haben mit Schrecken erkannt, dass sie just in diesen Zentren meist unterrepräsentiert sind. In Deutschland zum Beispiel fühlte sich Fiat in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt am Main unzureichend vertreten. "Da wurde in der Vergangenheit nicht adäquat gearbeitet", sagt Fricke. Inzwischen gründete Fiat in den vier Städten eigene Niederlassungen, um das Geschäft direkt ankurbeln zu können.
Doch noch dauert es ein wenig, bis neue Modelle die Scharen anlocken. Vorerst haben die Italiener neben ihren bekannten Modellen lediglich den rundum sanierten Punto zu bieten. Ab 14. Juni steht der Wagen bei den Händlern - in einer Motoren- und Ausstattungsvielfalt wie noch nie zuvor. Der Bestseller des Unternehmens, der seit 1993 gebaut wird und in gut zwei Jahren von einem Nachfolgemodell abgelöst wird, soll auf seine alten Tage noch einmal Umsatz bringen. Die Chancen stehen gut: Der Punto ist ein feiner Kleinwagen, die Motoren sind erstklassig, und die Preise (ab 10.690 Euro) liegen unter denen der meisten Konkurrenzprodukte. Wenn das kein Grund zur Hoffnung ist.