Ford Focus RS: Der Schrecken des GTI - DER SPIEGEL
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Ford Focus RS Der Schrecken des GTI

Kann man den steigenden Benzinpreisen davonfahren, wenn das Auto nur schnell genug ist? Auf diese Idee könnte kommen, wer die jüngste Eskalation des Wettrüstens in der Kompaktwagenklasse verfolgt: Ford wird demnächst einen Focus RS mit 300 PS von der Leine lassen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als Volkswagen 1976 mit dem ersten Golf GTI den Typus des aufgedrehten Kompaktwagens erfand, ließen 110 PS die Fans erschauern. Das Auto galt als Granate für Durchschnittsverdiener, ein Sportwagen im Biederkostüm. Zahlreiche Nachahmer folgten, und heute sind die muskulösen Schrägheckmodelle eine Klasse für sich. Der VW Golf GTI tritt mittlerweile mit 200 PS an, der Opel Astra OPC mit 240 PS, der Mazda 3 MPS mit 260 PS und der Audi S3 legt noch weitere fünf Pferdestärken drauf. Das ist längst mehr als genug Leistung, doch Vernunft und Zurückhaltung sind in diesen Sphären schon weit abgehängt.

Also wird munter weitergerüstet und jetzt dreht Ford an der PS-Spirale. Das bisherige Karacho-Modell der Kompaktbaureihe, der Focus ST mit 225 PS, hatte nämlich keinen Superlativ zu bieten. Das wird nun anders, denn die Abteilung "Ford Performance Vehicles" hat unter der Leitung von Jost Capito einen neuen Focus RS auf die Räder gestellt, der mit 300 PS auf die Straßen losgelassen werden soll.

Am 22. Juli wird das Auto erstmals auf der British Motorshow in London enthüllt, Anfang des kommenden Jahres dann soll die Auslieferung der Brachial-Modelle beginnen. Wer in der Motorsporthistorie bewandert ist oder ein starkes Ego hat, kann das Auto in einem giftig schillernden Hellgrün-Metallic-Lack bestellen. Den Farbton rührt Ford in Erinnerung an das "Le-Mans-Grün" des Ford Escort RS 1600 an, der in den siebziger Jahren auf Rennstrecken ein höchst erfolgreicher Farbtupfer war.

"Der neue Focus RS ist ein ernsthaftes Hochleistungsfahrzeug", sagt Entwicklungsdirektor Jost Capito. Und die Schlitze auf der Motorhaube sind nicht nur für die Show. Denn unter anderem durch diese Öffnungen wird der getunte 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbomotor, der auch im Focus ST installiert ist, mit Luft versorgt. Im Focus RS leistet die Maschine aufgrund eines neuen Zylinderkopfs, einer neuen Motorsteuerung und eines höheren Ladedrucks 300 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 410 Nm. Von 0 auf 100 rennt der Wagen in weniger als sechs Sekunden, andere Fahrdaten und Verbrauchsangaben gibt es noch nicht. Nur so viel teilt Capito mit: "Dies ist der stärkste Focus aller Zeiten."

Über Allradantrieb wurde kurz nachgedacht

Vielleicht wäre noch mehr Leistung auch wirklich zuviel für einen Fronttriebler. "Wir haben auch über Vierradantrieb nachgedacht", sagt Capito, "aber durch die Revo-Achse konnten wir das Mehrgewicht des Allradantriebs sparen und trotzdem eine optimale Traktion und optimale Fahreigenschaften erreichen." Revo-Achse, so nennt Ford die spezielle Radaufhängung, die zusammen mit einem Sperrdifferenzial die Antriebseinflüsse auf die Lenkung reduzieren soll. Angeblich, verbreitete Ford vor kurzem nach ausgiebigen Tests auf dem Nürburgring, fahre sich der Wagen präzise und problemlos wie kaum ein anderes Auto dieser Klasse.

Die Spur wurde im Vergleich zum normalen Focus um vier Zentimeter verbreitert. Dazu steht der Renner auf 19-Zoll-Leichtmetallfelgen und 235er-Niederquerschnittreifen. Die Radhäuser mussten wegen der neuen Bewohner etwas verbreitert werden, die Seitenschweller des RS hängen dichter über der Straße und damit die Fuhre auch wieder eingefangen werden kann, erhielt das Auto eine verstärkte Bremsanlage.

Recaro-Sportsitze und drei Extra-Instrumente

Optisch also dürfte der Focus RS den nötigen Abstand zum normalen Serienmodell wahren – auch wenn sämtliche Typen im Ford-Werk in Saarlouis gebaut werden. Damit ganz klar wird, dass der RS in der Focus-Familie die Hosen anhat, erhält er außerdem zwei verchromte Auspuffendrohre, einen zweiteiligen Heckspoiler an der Dachkante, Recaro-Sportsitze für Fahrer und Beifahrer, Alu-Pedale, einen schwarzen Dachhimmel und – wie früher die Autos der Vollgas-Bastler auf dem Discoparkplatz – drei Zusatzinstrumente auf der Armaturentafel.

Vor sechs Jahren gab es schon einmal einen Focus RS, der von der ersten Generation des Kompaktwagens abgeleitet war. Das 215 PS starke Auto wurde insgesamt 4500-mal gebaut, zirka tausend Exemplare davon fanden Käufer in Deutschland. 30.665 Euro kostete der Vierzylinder-Turbo-Kracher. Diese Summe wird für den neuen RS nicht ganz ausreichen. Womit genau die Interessenten kalkulieren müssen, mag Ford noch nicht sagen. Doch zum Sparen ist der Wagen sowieso in jeder Hinsicht ungeeignet. Es sei denn, man könnte tatsächlich den steigenden Spritpreisen mit Vollgas entkommen.