Ford Mondeo Der Prinz kütt
Ford gibt Gas. Nachdem den Kölnern mit dem Großraum-Doppelpack aus Galaxy und S-Max im letzten Jahr ein großer Wurf gelungen ist, wollen sie diesen Rückenwind nun auch für das neue Mittelklasse-Modell Mondeo nutzen. Die dritte Auflage steht auf der gleichen Plattform wie die beiden erwähnten Vans und ist nach den Worten von Europachef John Fleming "technologisch das aufwendigste Auto, das wir je vorgestellt haben".
Diesen Anspruch rechtfertigt er vor allem mit elektronischem Ford-Schritt, der neue Fahrerassistenzsysteme ermöglicht und zudem die Bedienung vieler Funktionen leichter machen soll. Außerdem seien Materialauswahl und Verarbeitungsqualität um Klassen besser, der Lärmpegel im Innenraum niedriger als bei den Konkurrenzmodellen und das Platzangebot großzügiger denn je. Und schön aussehen tut der Mondeo obendrein. Schon das bisherige Modell hatte wegen seiner Fahreigenschaften und seinem Sicherheitsniveau einen guten Ruf, sagt Entwicklungsdirektor Steve Adams: "Und mit dem neuen Modell ist uns nochmals ein deutlicher Entwicklungssprung gelungen." Bislang allerdings ist das lediglich in der Papierform überprüfbar. Denn sehen wird man den Mondeo erst auf dem Genfer Autosalon (8. bis 18. März), und beim Händler steht das Auto frühestens im Mai. Dann allerdings startet Ford gleich mit allen drei Karosserievarianten und stellt Limousine, Schrägheck und Kombi gemeinsam ins Rampenlicht.
Ford hat wieder eine eigene Formensprache gefunden
Dass sie dort glänzen werden, ist ein Verdienst des bei Opel abgeworbenen Design-Direktors Martin Smith, der die Kunden schon bei deren ersten Blick für das neue Auto gewinnen wollte und Kühlergrill, Scheinwerfern und die Fenster üppig mit Chrom geschmückt hat. Dazu gibt es in der vollen Blüte des neuen "kinetic design", das Ford mit "Energie in Bewegung" übersetzt, ein imposantes Spiel der Muskulatur: Die Motorhaube wölbt sich auf zu einem Powerdome, der gleichzeitig dem Fußgängerschutz dient, die Radläufe sind modelliert wie die Hüften einer Hollywood-Diva und die durch eine kräftige Sicke auf den Türen betonte Schulter ist stark wie bei einem Bodybuilder.
Auch innen macht der neue Mondeo nach den ersten Fotos zu urteilen eine gute Figur. Zwar wird sich erst bei einer Sitzprobe zeigen, wie viel zwei Zentimeter mehr Beinfreiheit und gut fünf Zentimeter mehr Innenraumbreite tatsächlich bringen. Und mit einem Kofferraumvolumen von 535 Litern beim Stufenheck und maximal 1745 Litern beim Kombi alleine kann man noch keinen Konkurrenzkampf entscheiden. Doch soviel sieht man schon jetzt: Die ehedem triste Kunststofflandschaft ist bei den gehobenen Ausstattungsvarianten einer vornehmen Welt gewichen, die von poliertem Metall, dunklen Stoffen oder Ledern und schwarzem Pianolack bestimmt wird.
Neue Knöpfe auf dem Lenkrad, ein Display im Cockpit
Dazu gibt es nicht nur ein rundes Dutzend Ablagen und einen serienmäßigen Anschluss für den MP3-Spieler, sondern auch ein weiterentwickeltes Bedienkonzept. Statt einer Kommandozentrale auf dem Mitteltunnel befinden sich auf dem Multifunktionslenkrad einige Zusatzknöpfe und in Verbindung mit dem DVD-gestützten Navigationssystem ein Touchscreen in der Mittelkonsole. Allen Modellen gemein ist das große Farbdisplay, das Ford zwischen Tacho und Drehzahlmesser platziert hat und als zentrales Datenkino nutzt.
Zu den technischen Errungenschaften zählen insbesondere neue Assistenzsysteme: So kennt man die Chipkarte als Tür- und Zündschlüssel zwar schon von anderen Herstellern, und auch die elektrischen Helfer beim Anfahren am Berg oder das Kurvenlicht selbst ohne teure Xenonstrahler sind keine Überraschung. Aber dass ausgerechnet die Kölner in dieser Klasse die erste Abstandsregelung anbieten, die vor Auffahrunfällen warnt und zur Not sogar automatisch bremst, ist bemerkenswert.
Schlaues Detail: Am Heck gibt's ein "Opferblech"
Auch wer dieses Extra nicht mitbestellt, kann sich im Mondeo sicherer fühlen als früher, verspricht Ford. Denn die sieben Airbags polstern nun zum Beispiel auch die Knie des Fahrers, und ESP ist ebenso Standard wie die aktiven Kopfstützen oder die Klimaanlage. Außerdem schützt der neue Mondeo den Besitzer auch vor sich selbst: Für Schussel an der Tankstelle gibt es serienmäßig ein System, das teure Verwechslungen der Zapfpistolen vermeidet, und für schlechte Einparker bekommt der Mondeo am Heck ein "Opferblech" aus lackiertem Kunststoff, das schnell und preiswert ausgetauscht werden kann.
Nur die Motorenpalette passt (noch) nicht so ganz zum gehobenen Anspruch. Zwar gibt es zum Start gleich drei Dieselaggregate und vier Benziner, doch fehlen prestigeträchtige Sechszylinder ebenso wie potente Selbstzünder. Denn die haben allesamt nur vier Zylinder und reichen lediglich von 100 bis 140 PS. Und bei den Benzinern ist es bislang nur der 2,5 Liter große Fünfzylinder aus dem Focus ST, der mit 220 PS lockt. Der 1,6-Liter-Vierzylinder mit 110 oder 125 PS und der Zweiliter mit 145 PS dagegen bedienen eher die Vernunft. Ein neuer 2,3-Liter mit 160 PS soll ab Herbst auch sportlichere Fahrer befriedigen.