Formel-1-Übertragungen Rasende Kameras
Bernie Ecclestone ist der Boss der Formel 1. Und weil sich seine Rennen überall auf dem Globus zu Top-Fernseh-Events entwickelt haben, hat Ecclestone mittlerweile auch das Geschäft mit den bewegten Bildern in die Hand genommen. In Deutschland überträgt beispielsweise RTL die Rennen, doch das Fernsehsignal übernehmen die nationalen Sender vom Formula One Management Ltd., kurz FOM, die etwa zu 25 Prozent im Besitz von Ecclestone ist.
Interviews, Einspielungen vom Training, Rennanalysen und Beiträge aus dem Studio werden für den deutschen Markt weiter von RTL produziert, bei Rennen in Europa sind zirka 45 Leute und rund zehn Tonnen Hightech-Ausrüstung vor Ort und stellen die Berichterstattung sicher.
"Auf die Bilder vom Rennen haben wir keinen Einfluss mehr", sagt Stefan Flügge, Produktionsleiter Sport bei RTL und verantwortlich für die Formel-1-Übertragungen. Wohl aber kennt Flügge das technische Equipment, das die oft spektakulären Bilder liefert, denn bis 2006 produzierte RTL die Bilder von den Rennen selbst.
"Etwa 30 Kameras kommen dabei zum Einsatz", sagt Flügge. Es komme dabei vor allem auf das Profil der Piste an. Als Faustregel gilt: Je mehr Höhendifferenzen die Rennstrecke aufweist, desto mehr Kameras sind nötig, um alles im Auge zu behalten; Spa-Francor-Champs, der Nürburgring oder der Grand-Prix-Kurs in Fuji gehören beispielsweise dazu.
Zwar wird die Strecke noch immer von Kameraleuten im klassischen Stil abgetastet, doch gewinnen andere Arten der Bildaufzeichnung stetig an Bedeutung. Augenfällig bei Rennübertragungen sind etwa die Bilder direkt aus dem Cockpit, die von sogenannten Onboard-Kameras digital übertragen werden. Die Geräte wiegen etwa 400 Gramm, haben das Format eines kleinen Fingers und sind in der Regel unter dem Lufteinlass oberhalb des Fahrerkopfes angebracht.
Auch die Sponsoren werden ins Bild gerückt
Mitunter wird bei Fahrern, die im Klassement nicht ganz vorne mitmischen, eine solche Kamera an aerodynamisch ungünstigeren Stellen befestigt. In der vergangenen Saison beispielsweise am Spyker-Rennwagen von Adrian Sutil vorne rechts am Chassisrand. Die Kamera lieferte Bilder aus ungewohnter Perspektive - und für das Spyker-Team war der technische Nachteil durch die Kamera wohl locker zu verschmerzen, denn dafür waren die Sponsorenaufkleber prominent im Bild.
Minikameras werden auch in die Curbs, den erhöhten, rot-weiß gestreiften Rändern der Kurven implantiert, von wo sie Bilder aus der Froschperspektive liefern. Besonders interessant werden die Aufnahmen, wenn Highspeed-Kameras eingesetzt werden, die etwa tausend Bilder pro Sekunde aufnehmen können.
So entstehen spektakuläre Sequenzen von wild tanzenden Reifen und extrem beanspruchten Radaufhängungen. Ungewöhnliche Perspektiven und überraschende Einblicke gewähren auch die Bilder von ferngesteuerten Kameras, die beispielsweise an Teleskopkränen befestigt sind und etwa die Boxeneinfahrt erfassen oder von der Boxenmauer aus Tankstopps und Reifenwechsel aufzeichnen.
Kamerafahrten mit bis zu 160 km/h
Seit einigen Jahren werden auch immer wieder Schienenkamera- und Seilkamerasysteme bei Formel-1-Rennen eingesetzt. Die "Filou SpeedCam" der Mainzer Firma TV Skyline etwa beschleunigt in weniger als zwei Sekunden auf Tempo 100 und schafft Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 160 km/h. Und das rund 95 Kilo schwere Seilkamerasystem "CamCat" mit kreiselstabilisiertem, rundum schwenkbarem Kamerakopf der österreichischen Firma Brains & Pictures rast mit bis zu 130 km/h auf den beiden Kabeln dahin, die bis zu einem Kilometer weit gespannt werden können.
Je nach dem, an welchen Streckenabschnitten solche Systeme installiert werden, halten die Kameras zumindest ein kleines Stück mit den Rennwagen mit - und vermitteln dem Zuschauer zu Hause im bequemen Fernsehsessel zumindest optisch das Gefühl von Geschwindigkeit.