Forschungsauto Courrèges Designermode für die Straße
Forschungsfahrzeuge und rollende Experimentalmobile mit zukunftsweisenden Technologien müssen nicht zwangsweise nüchtern und sachlich sein. Das beweist nun schon zum dritten Mal die französische Modemarke "Courrèges", die den Laufsteg vorübergehend verlassen hat, um sich dem Fahrzeugbau zu widmen. Es ist das mittlerweile dritte Elektroauto des Modehauses, das zumindest optisch ein Ausrufezeichen in der Flotte der futuristischen Prototypen setzt, bei denen die Form zumeist der Funktion untergeordnet ist.
Mit Mobilität von morgen beschäftigt sich das Designer-Label bereits seit 1969, als bei den Parisern zum ersten Mal eine Art elektrisches Ufo durch eine Modenschau rollte. Weil sie dabei offenbar auf den Geschmack kam und ihr "saubere Energien" am Herzen liegen, beteiligte sich Designerin Coquelin Courrèges vor vier Jahren zum ersten Mal an der vom Reifenhersteller Michelin ins Leben gerufenen "Challenge Bibendum" für alternative Fahrzeugkonzepte und schickt das Elektroauto "La Bulle" ins Rennen.
Zwar ist der Wagen für die Zukunft gemacht, sieht aber streng genommen so aus, als wäre er schon in der Vergangenheit nicht modern gewesen. Denn aus jeder Perspektive erinnert die witzige Kunststoff-Kugel mit den großen Scheiben und den ungewöhnlichen Ausstellfenstern eher an den Entwurf eines Raumgleiters von Daniel Düsentrieb als an eine Antwort auf die drängenden Fragen nach nachhaltiger Mobilität. Und dennoch kann Courrèges mit dem weißen Ei durchaus in die Zukunft rollen. Denn unter der eigenwilligen Karosserie des wahlweise als Zwei- oder Viersitzer nutzbaren Wagens steckt ein Elektromotor, der von Nickel-Cadmium-Batterien gespeist wird. Er schafft immerhin 110 km/h und hat eine Reichweite von 170 Kilometern, auf denen er keinen Brennstoff verbraucht, keinen Lärm macht und keine Abgase ausstößt.
Ebenfalls um einen Elektromotor herum gebaut ist der "Exe", mit dem Courrèges vor zwei Jahren bei der Challenge Bibendum in Shanghai startete. Ihn gibt es mit zwei oder fünf Sitzen unter einer fragilen Plexiglaskuppel, die wirkt wie der Versuch, mit einem Modellbaukasten die Form eines Edelstein nachzuahmen. Im offenen Gitterrahmen steckt eine Lithium-Ionen-Batterie, die genügend Saft für 450 Kilometer liefert. Sie speist einen Elektromotor, der die roten Reifen des vier Meter langen Schaustücks auf immerhin 160 Sachen beschleunigt und manch anderen Prototypen mit ernsthafteren Absichten abhängt.
Gelbe Reifen, gelbe Kuppel und drei weiße Ledersitze
Jüngstes Elektromobil der Courrèges-Designer ist das Modell "Zooop". Er folgt der aerodynamisch optimalen Tropfenform und bringt drei nebeneinander auf einer mit weißem Leder bezogenen Sitzbank platzierte Passagiere unter eine große Plexiglashaube, die auf Knopfdruck zum Ein- und Aussteigen nach oben schwingt. Sie ist ebenso wie die Reifen in einem warmen Sonnengelb gefärbt und kontrastiert effektvoll mit dem kühlen Weiß des restlichen Wagens nur Spötter fühlen sich dabei an ein Spiegelei auf Rädern erinnert.
Auch dieses Fahrzeug ist nicht nur ein Blickfang, sondern zeigt sehr wohl auch technischen Fortschritt. Denn diesmal steckt im Boden eine Lithium-Polymer-Batterie. Sie ist leichter, kann nicht mehr überhitzen, speichert mehr Energie und lässt sich schneller laden. Und weil der Wagen nur noch 690 Kilogramm wiegt, steigt die Höchstgeschwindigkeit auf 180 km/h. Aber das ist den Modedesignern viel zu schnell: Schließlich soll man den Wagen ja möglichst lange anschauen und genießen können.