Frauen-Umfrage: Demo mit der Wasserkiste - DER SPIEGEL
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Frauen-Umfrage Demo mit der Wasserkiste

Die Automobilbranche steckt in der Krise, der Markt stagniert und die Arbeiter protestieren. Dabei gibt es durchaus noch eine Zielgruppe, die auf Wachstum hoffen lässt: Frauen. Eine Studie ergab, dass vor allem schnelle Autos bei ihnen besonders begehrt sind.
Von Kati Borngräber
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frau am Steuer, das wird teuer? Ja, aber in einem ganz anderen Sinn. Denn immer mehr Frauen kaufen immer mehr Autos. Die "Frau am Steuer" wurde jetzt wissenschaftlich unter die Lupe genommen, und zwar nicht von einem Automobilhersteller, sondern vom "Kompetenzzentrum Frau und Auto" der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. In einer Untersuchung wurden 1223 Frauen in ganz Deutschland nach ihren Vorlieben rund ums Auto befragt, und dabei stellte sich heraus, dass Frau sich nicht nur aus praktischen Gründen hinters Steuer schwingt, sondern durchaus Spaß an der Sache hat.

So gaben 54 Prozent der befragten Frauen an, gern Auto zu fahren und sich über ihre Mobilität zu freuen, acht Prozent erklärten, gut informierte Autofans zu sein. Auch was die Geschwindigkeit angeht, sind Frauen scheinbar nicht zimperlich: 75 Prozent der Befragten nannten Schnelligkeit als wichtigste Eigenschaft ihres Wunschautos.

"Das ist eine ganz neue Generation von Frauen, sie lieben sportliche Autos, wollen ihr Fahrzeug beherrschen und genießen die Mobilität, Flexibilität und Unabhängigkeit, die ihnen ein eigener Pkw bietet", erklärt Doris Kortus-Schultes, Professorin für Betriebswirtschaftslehre und Leiterin des Kompetenzzentrums "Frau und Auto". Was die Fahrzeuge betrifft, sieht sie Verbesserungsbedarf vor allem bei der Innenausstattung. So würden Autofahrerinnen Gurte, Sitze und Lenkräder begrüßen, die auch für kleine Frauen ausreichend verstellbar sind, außerdem großzügigere Ablageflächen.

Bei Autohändlern würden Frauen vor allem Einfühlungsvermögen vermissen. "Eine individuelle Beratung, bei der die Lebenssituation berücksichtigt wird, wäre optimal. Dazu gehört auch ein Kinderwagen oder Wasserkasten zu Demonstrationszwecken", schlägt Doris Kortus-Schultes vor. Ein weiterer Kritikpunkt sei der Service der Werkstätten. Gefragt nach ihren Verbesserungsvorschlägen nannten die befragten Frauen an erster Stelle eine "genauere Erläuterung der Reparaturen" und an zweiter Stelle einen "Abhol- und Bringservice". Doris Kortus-Schultes sieht darin eine Marktlücke: "Frauen müssen oft Beruf und Familie unter einen Hut bekommen, da bleibt keine Zeit, das Auto in die Werkstatt zu bringen und wieder abzuholen. In der Servicewüste Deutschland wäre das eine willkommene Abwechslung, in Japan ist dieser Service schon lange gang und gäbe."

Gerade in einem schwächelnden Automarkt läge in solchen frauenfreundlichen Verbesserungen ein großes Potenzial, neue Kunden an eine Marke zu binden. Eine Studie des Mineralölkonzerns Shell liefert das statistische Fundament: Während die Motorisierung bei den Männern in Deutschland zurückgeht, legt sie bei Frauen deutlich zu - Tendenz steigend. Der Zentralverband des deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK) registrierte bereits 2003, dass knapp 490.000 Autos hier zu Lande von Frauen gekauft wurden.

Scheinbar ist einigen Autofahrerinnen die Emanzipation auf den Straßen inzwischen ein wenig zu Kopf gestiegen. So hat der Kraftfahrzeug-Dienstleister Dekra bei der Befragung von 1700 seiner Kunden folgendes herausgefunden: 76,9 Prozent der angesprochenen Frauen hielten sich für die bessere Besetzung am Steuer. So selbstbewusst waren nicht mal die Männer. Von ihnen hielten sich lediglich 69,2 Prozent für die besseren Autofahrer.