Führerschein mit 17 Früh übt sich
Hamburg - Schon früher als mit 18 Jahren ans Steuer zu dürfen motiviert: Teilnehmer des Projekts "Begleitetes Fahren" fallen seltener durch Prüfungen und bauen später weniger Unfälle. Mit 16 Jahren und sechs Monaten können sich Jugendliche bereits zur Führerschein . Bei erfolgreich abgelegter Prüfung erhalten sie ihre Fahrerlaubnis mit 17 Jahren. Alleine Auto fahren dürfen sie aber noch nicht. Bis zu ihrem 18. Geburtstag muss stets eine über 30 Jahre alte Begleitperson mit im Fahrzeug sein, die seit mindestens fünf Jahren einen Führerschein besitzt. Mit der Volljährigkeit gibt es dann den regulären EU-Führerschein.
Das Programm erfreut sich großer Beliebtheit. Elf Bundesländer haben die frühe Fahrerlaubnis bereits eingeführt, weitere wollen folgen, Hessen sogar schon am 1. Oktober dieses Jahres.
30.000 Jugendliche unter 18 haben allein in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Bremen seit Jahresbeginn ihre Fahrerlaubnis erworben. In den Prüfungen schnitten sie deutlich besser ab als ältere Fahrschüler. 80 Prozent der Prüflinge bestanden laut Angaben des TÜV-Nord die praktische und 82 Prozent die theoretische Prüfung. Ältere Fahrschüler hatten rund 10 Prozentpunkte höhere Durchfallquoten.
"Zur vorgezogenen Prüfung melden sich eher die etwas ehrgeizigeren jungen Leute", erklärt der Mobilitätsexperte Jörg Biedinger vom TÜV Nord. Die Führerscheinanwärter seien eher bereit, die Prüfung zügig und gut durchzuziehen. Biedinger vermutet darin auch elterlichen Druck. Anders als beim normalen Führerschein müssen die Erziehungsberechtigten dem Begleiteten Fahren zustimmen. Meist seien die Eltern auch die Begleitpersonen, ganz selten helfe auch mal der Opa oder andere Angehörige aus.
Sanfter ans Fahren gewöhnen
Die Resonanz auf das Projekt ist durchaus positiv. "17 Prozent aller Führerscheinanwärter der Klasse B in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Bremen sind unter 18, in Niedersachsen sind es allein sogar 20 Prozent", sagt Biedinger. Und die Tendenz steige. "Das begleitete Fahren ist ein Erfolg."
Die Projektteilnehmer melden sich meist schneller zur Prüfung. "Den Führerschein schon vor dem 18. Geburtstag in den Händen zu haben, reicht als Motivation", sagt Fahrlehrer Rüdiger Wölk aus Hannover. Mit dem elterlichen Druck habe das nichts zu tun.
Niedersachsen war das erste Bundesland, das das "Begleitete Fahren" (bF 17) im April 2004 gegen den Widerstand der Bundesregierung eingeführt hat. Bis August 2005 hatte das Bundesverkehrsministerium wegen rechtpolitischen Bedenken mit einer deutschlandweiten Regelung gezögert. Nach und nach setzt sich das Projekt nun flächendeckend durch.
Das Begleitete Fahren soll Fahranfänger nämlich sanfter an den Straßenverkehr gewöhnen. Junge Menschen sind häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt als andere. 20 Prozent aller bei Unfällen getöteten Personen sind zwischen 18 und 25 Jahre. Mit dem Projekt kann bis zu ein Jahr Fahrpraxis unter Aufsicht gesammelt werden. Die Begleitperson hat genug Zeit, ihre Erfahrungen weitergeben.
Einer Untersuchung der Universität Gießen vom November 2005 im Pilotland Niedersachsen zufolge, bringt das Begleitete Fahren mehr als das Durchstarten auf eigene Faust. In den ersten drei Monaten selbständigen Fahrens verursachten bF 17-Programmteilnehmer 40 Prozent weniger Unfälle als normale Fahranfänger. Außerdem mussten sie in dieser Zeit 60 Prozent weniger Bußgelder zahlen.