Fuel Vapor Alé: Sparen mit Dampf - DER SPIEGEL
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Fuel Vapor Alé Sparen mit Dampf

Gebraucht werden dringend sparsame Autos, doch niemand möchte deshalb auf Komfort und Leistung verzichten. Dass auch ein sehr sportliches Auto sparsam sein kann, zeigt die kanadische Firma Fuel Vapor mit dem pfeilschnellen, dreirädrigen Alé.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Vorurteil ist zäh und klebt noch immer in vielen Köpfen: Sparsame Autos sind klein, unkomfortabel und vor allem unsportlich. Sie erhalten, wie der erste Fiat Panda - Spottnamen wie "Elefantenrollschuh". Und auch mit dem Hightech-Knirps 3-Liter-Lupo von Volkswagen ließ sich keine Wurst vom Teller ziehen; und der Smart spielt sein Vorteile vor allem in der Stadt aus. Sobald man jedoch mit dem Zweisitzer-Zwerg auf der Autobahn unterwegs ist, hat man ein Abo auf die rechte Spur. Außer langsamen Lastwagen kann man kaum ein anderes Fahrzeug überholen. Soll es flotter vorangehen, braucht man ein anderes Auto, und damit steigt auch der Durst des Motors.

Die Ursache für den hohen Spritverbrauch bei herkömmlichen Autos liegt hauptsächlich in den schlechten aerodynamischen Eigenschaften, dem hohen Gewicht und im ungünstigen Wirkungsgrad der Verbrennungsmotoren. Denn nur rund ein Drittel der eingesetzten Energie wird bei einem Benzinmotor in nutzbare Antriebsenergie umgewandelt. Der Rest geht für den Vortrieb ungenutzt verloren, zum Beispiel durch Hitze. Die kanadische Firma Fuel Vapor Technologies will diese Nachteile nun ein wenig korrigieren. Sie hat den Prototypen des "Alé" entwickelt. Und dieses Vehikel ist sportlich und sparsam zugleich.

Der Zweisitzer ist ein ziemlich flach geratenes Dreirad: zwei Räder vorne und eins hinten. Dadurch ist das Fahrzeug am Heck wesentlich schlanker als am Bug, und das verbessert die aerodynamischen Eigenschaften, hilft also beim Spritsparen. Die zweite Innovation ist das sogenannten Fuel Vapor System. Dabei wird der Kraftstoff erst verdampft, und dann erst verbrannt. Durch dieses Verfahren wird das Mischungsverhältnis von Kraftstoff zu Luft im Sinne der Sparsamkeit verbessert: Auf ein Teil Kraftstoff kommen 20 Teile Luft. Bei herkömmlichen Benzinmotoren wird das Benzin in flüssiger Form in die Zylinder geleitet und das Mischverhältnis beträgt im Schnitt 14,7 zu eins. Zum neuen Motorkonzept kommt eine handgearbeitete Fiberglas-Karosserie, so dass der Alé nur 635 Kilogramm wiegt. Auch das senkt den Verbrauch. Der Hersteller spricht von durchschnittlich 2,6 Liter auf 100 Kilometer. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von ungefähr 60 Gramm pro Kilometer.

Schmaler Verbrauch, aber breite Leistung

Wer nun denkt, dass der Alé auch in Sachen Performance sparsam ist, liegt falsch. Der von einem Turbo aufgeladene Honda-Motor mit 1,5 Liter Hubraum jagt bis zu 180 PS an die Vorderräder des Trikes. Bei Bedarf sprintet der Alé in fünf Sekunden von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (96,6 km/h). Die Höchstgeschwindigkeit gibt der kanadische Hersteller mit 225 km/h an. Theoretisch sind wohl noch mehr möglich, doch bei diesem Tempo wird der Vortrieb elektronisch abgeregelt. Die Entwicklung des Alé nahm 15 Jahre in Anspruch. Das Prinzip, nach dem George Parker, der Chef von Fuel Vapor Technologies, seinen Öko-Renner entwickelt hat, beschreibt er so: "Es ist wie ein Auto für jeden Tag. Ich habe einfach alles weggenommen, was man nicht braucht, und das blieb übrig."

Nun suchen die Kanadier nach Investoren, um das Auto in Serie zu produzieren. Offenbar haben sich bereits einige Interessenten und potentielle Geldgeber bei Fuel Vapor gemeldet. Noch aber gibt es keinen Vertragsabschluss zu melden. Und ob auch dereinst die Europäer im Alé schnell und sparsam dahinbrausen können, ist noch völlig offen.