Gastkommentar Ein Automuseum fast ohne Autos
Der wunderbare alte Museumsbau, die Schüssel, an deren Außenwand die historischen Fahrzeuge der Bayern wie in einer Steilkurve entlang zu rasen schienen, wurde von den Machern des neuen Komplexes zum Treppenhaus degradiert. Endlos lang dauert der Weg durch den Altbau in den Keller des benachbarten Neubaus, vorbei an beleuchteten Informationstafeln, die niemand liest.
Das Auto, so scheint es dem Betrachter, spielt auch im Neubau nur eine Nebenrolle. Wie man ein so emotionales Produkt wie einen BMW so emotionslos präsentieren kann, das bleibt ein Rätsel. In einer Ecke steht ein BMW 328, jener schnittige Vorkriegs-Roadster, der den Mythos der bayerischen Automarke begründete, und schaut einen traurig an so als wolle er sagen: Habe ich nicht Besseres verdient, als hier an den Rand geschoben zu werden.
High-Tech-Wahn
In sieben "Themenhäusern" werden dem Besucher Einzelthemen wie Motorsport, Design, Technik oder Unternehmensgeschichte nahe gebracht. Doch diese Ausstellung hätte genauso gut in die benachbarte BMW-Welt gepasst. High-Tech, wohin das Auge blickt. Sogar die Wände des Neubaus sind Projektionsflächen für Lichtspiele und kleine Filme.
Als Besucher eines Automuseums erwarte ich jedoch "Low Tech", jene einfachen, leichten Fahrzeuge wie den BMW Dixi, die jeder Dorfschmied reparieren konnte, und die uns mit ihrer Simplizität eine der großen Fehlentwicklung im modernen Automobilbau aufzeigen: Heutige Autos sind für neue Märkte wie Indien und China zu kompliziert, für die höheren Anforderungen an Effizienz und Umweltschutz zu groß und zu schwer. Aber vielleicht wollten die Museums-Macher den Besuchern gerade diese Erkenntnis vorenthalten.