General Motors "Generation Y" im Blick
Detroit - Die Teens und Twens wollen nach den Erkenntnissen der General-Motors-Experten nicht in erster Linie ein "billiges" Auto, sondern ein Fahrzeug, das ihren Anforderungen nach authentischem Aussehen, Funktionalität, Sicherheit und Qualität entspricht. Aber auch die richtige Größe ist wichtig: Kleinwagen werden als "unsicher" eingeschätzt, große Autos als "schwierig zu fahren und teuer im Unterhalt". Möglichkeiten zur Individualisierung und natürlich ein ausgeprägtes Preis-Leistungs-Verhältnis stehen ebenfalls hoch im Kurs.
Bei der Entwicklung der Fahrzeuge für die so genannte "Generation Y", die zwischen 1977 und 1994 geborenen 70 Millionen Nordamerikaner, hat sich der Konzern stärker als bisher die technische Kompetenz und die Design-Qualitäten seiner Allianz- Partner - von Opel und Fiat über Subaru bis Saab - zu Nutze gemacht.
Ein Blickfang der Detroit-Show ist der Buick Bengal, ein wunderschöner, perfekt proportionierter Roadster. Durch das Entfernen einer Abdeckung hinter den Vordersitzen wird der Bengal zum Viersitzer, wobei der Zugang zum Fond durch eine schmale, zusätzliche Tür hinter der Fahrertür erfolgt. Für rasante Fahrleistungen sorgt ein 3,4-Liter-V6-Motor, der dank Kompressoraufladung 184 kW/250 PS aktiviert und seine Kraft via Sechsgang-Automatik zu den Vorderrädern schickt.
Noch nicht serienreif ist das auf der Opel Astra-Plattform aufgebaute Oldsmobile O4, bei dessen Design Bertone mitgewirkt hat. Das Besondere an dem betont schlanken, futuristischen Viersitzer: Den Einstieg in den Fond erleichtern zwei schmale, vorn angeschlagene Türen. Und: Nach Entfernen der beiden Dacheinsätze und des Überrollbügels und Absenken der Heckscheibe wird der 4,12 Meter lange Wagen zum vollwertigen Cabriolet. Antriebsquelle ist jener 2-Liter-Turbomotor mit 140 kW/190 PS, der jüngst im Opel Coupé debütierte.
Aus der gemeinsamen Entwicklung mit Toyota sind der Pontiac Vibe und der Vibe GT hervorgegangen, die ab 2002 lieferbar sein werden. Der 4,37 Meter lange, viertürige Vibe verwendet die Plattform der nächsten Toyota-Corolla-Generation, tritt aber mit einem völlig eigenständigen Außen- und Innendesign an. Unter der Haube sitzt ein 97 kW/130 PS starker 1,8-Liter- Toyota-Sechzehnventiler, der mit einer Viergang-Automatik kombiniert ist.
Als Alternative zum Frontantrieb wird auch ein permanenter Allradantrieb zur Verfügung stehen. Deutlich mehr Power bietet der Vibe GT, dessen 1,8-Liter-Triebwerk - ebenfalls von Toyota - mit variabler Ventilsteuerung 134 kW/180 PS leistet. Die Kraftübertragung übernimmt hier ein handgeschaltetes Sechsgang-Getriebe.
Nicht in Detroit zu sehen ist die ebenfalls auf jüngere Käufer abzielende Chevrolet-Studie Borrego. Der Antriebsstrang des "Pick-up-Coupé", ein 2,5-Liter-Boxermotor mit Turboaufladung (184 kW/250 PS) und permanentem Allradantrieb, stammt von Subaru.
Mit diesem Fahrzeug soll eine Käuferschicht angesprochen werden, die auf ein extrem sportliches Erscheinungsbild Wert legt und zugleich rasante Fahrleistungen, überlegene Fahrtüchtigkeit auch unter schwierigen Verhältnissen sowie ein höchst variables Karosserie-Konzept verlangt. Fachleute sprechen von einem "Crossover-Vehicle": Der normalerweise zweisitzige und zweitürige Borrego lässt sich in einen Viersitzer verwandeln. Dazu wird ein Querschott hinter den Vordersitzen nach hinten verschoben und anschließend der unter der Pritsche verstaute Dachaufsatz eingeklinkt. Die Pritschenlänge reduziert sich dann von zirka 180 auf 90 Zentimeter.
Diese Konzeptautos zeigen, dass General Motors offenbar stärker als bisher bestrebt ist, sein Image als schwerfälliger Autoriese zu korrigieren. Wie sich letztlich die in Detroit gezeigten Studien sowie einige weitere Konzeptfahrzeuge, die im Laufe des Jahres auf diversen Automobilausstellungen vorgestellt werden sollen, auf die Serienprodukte auswirken werden, bleibt abzuwarten.