Bremsen per SMS manipuliert Hacker decken erneut Sicherheitslücke bei Autos auf
Gehackte Corvette: "Die Sicherheitslücke besteht längst nicht nur bei diesem Auto"
Foto: YouTube/ LanratPer SMS haben sich IT-Experten nach eigenen Angaben Zugriff zu einer Chevrolet Corvette verschafft. Ihnen sei es demnach gelungen, den 450-PS-Flitzer von einem Smartphone aus abzubremsen und die Scheibenwischer zu bedienen. Als Einfallstor habe dabei das Telematik-Gerät einer US-Versicherung gedient.
Die kleinen Boxen mit Funkverbindung werden eingesetzt, um die Versicherungstarife an die Fahrweise anzupassen. Die Versicherer können sämtliche Manöver des Fahrers verfolgen - beispielsweise wann und wo er wie schnell beschleunigt. Im Gegenzug bieten sie dafür einen preiswerteren Tarif an.
Den genauen Ablauf des Hacks beschreiben die Forscher von der University of California in San Diego in einer Studie , die sie am Mittwoch auf der Sicherheitskonferenz Usenix in Washington D.C. vorstellten. Demnach sei das Telematik-Gerät einer gängigen Praxis nach an das Fahrzeugdiagnosesystem On-Board-Diagnose (OBD 2) angeschlossen gewesen. Bei der Corvette hätten sich die Bremsen bei geringer Geschwindigkeit manipulieren lassen, bei höherem Tempo sei ein Eingriff auf die Funktionen allerdings nicht möglich gewesen.
"Jedes moderne Fahrzeug lässt sich manipulieren"
Die Experten haben einem Bericht des US-Magazins "Wired" zufolge die betroffene Versicherung Metromile vor der Veröffentlichung ihrer Studie informiert. Die Schwachstelle in den Geräten ist laut Angaben des Unternehmens nach dem Hack der Corvette geschlossen worden. "Die Sicherheitslücke besteht längst nicht nur bei diesem Auto", machte Karl Koscher, ein Mitglied der Forscher-Truppe, gegenüber "Wired" deutlich. Über die Telematik-Geräte ließe sich jedes moderne Fahrzeug manipulieren.
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Telematik-Tarife werden auch in Deutschland angeboten, unter anderem von sijox, einer Tochterfirma der Signal Iduna. Wie bei der gehackten Corvette werde dabei ein Gerät in das Fahrzeugdiagnosesystem gesteckt, das die Daten auslese. Ein Zugriff per SMS auf das Elektronikteil ist laut John-Sebastian Komander, Leiter Marketing und Kommunikation bei sijox, jedoch nicht möglich: "In unseren Geräten steckt - anders als bei den Geräten der US-Versicherung - keine Sim-Karte", sagte er auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Die Geräte der US-Versicherung haben eine solche Karte und eine Telefonnummer, über die sie die Daten versenden.
"Die Verbindungen sind unseres Wissens nach sicher"
Beim System von Signal Iduna, das von dem Unternehmen TomTom stammt, werden die Daten nach Angaben von Komander per Bluetooth an eine App gesendet und über diese von der Versicherung kontrolliert. "Das Gerät sendet nur Daten, empfängt jedoch keine. Die Funktionsweise ist von Datenschützern begutachtet worden und die Verbindungen sind unseres Wissens nach sicher", sagt Komander.
Wie angreifbar Autos trotz der Sicherheitsversprechen der Hersteller tatsächlich sind, ist in vielen Fällen demonstriert worden. In den vergangenen Wochen hatte es beispielsweise eine Serie aufsehenerregender Fahrzeug-Hacks gegeben. So musste FiatChrysler in den USA die Software von 1,4 Millionen Jeep-Fahrzeugen aktualisieren, weil Hacker über eine Sicherheitslücke im Unterhaltungssystem den Wagen steuern konnten. Andere Forscher zeigten, wie sie über ein OnStar-Digitalradio von GM ein Fahrzeug aufschließen oder starten konnten.
Im Januar hatte der ADAC eine Sicherheitslücke bei 2,2 Millionen BMW aufgedeckt. Der technische Aufwand für Manipulationen der Autos war dabei laut des Technikexperten des ADAC "überschaubar".