Genfer Auto-Salon Schau ohne Show
Bereits am Vorabend war spürbar, dass die ganz große Show diesmal ausbleiben würde. Ford zum Beispiel feiert zwar in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag, als Geschenk bescherten sie bei einer Vorpremiere im Hotel President Wilson den Focus C-Max. Ein Kompaktvan auf Basis des Focus, ähnlich dem ebenfalls in Genf debütierenden VW Touran, und der ebenso wie dieser eigentlich viel zu spät auf den Markt kommt. Immerhin: Der C-Max ist deutlich moderner und dynamischer designt als das Konkurrenzmodell aus Wolfsburg.
VW scheint dem Touran als Messe-Highlight auch nicht allzu viel zuzutrauen, weshalb außerdem noch die Weltpremiere des Multivan in Genf stattfindet. Der Evergreen der Nutzfahrzeug-Sparte löst nach 13 Jahren die bisherige Modellreihe T4 ab. Auch das fällt nicht sonderlich auf, weil die Optik nur dezent verändert wurde, doch der Multivan genießt im Segment der Maxi-Pkw ohnehin eine Ausnahmestellung.
Die Überraschung des ersten Messevormittags lieferte Audi. Die Ingolstädter enthüllten bereits um 8.15 Uhr die Coupéstudie Nuvolari quattro, die laut Vorstandschef Martin Winterkorn "die Tür zur Zukunft der Marke öffnet". Falls das zutrifft, wird es arg eng auf der linken Spur. Das hellgrau lackierte Auto ist mit einem V10-Zylinder-Doppelturbo-Motor bestückt, der 600 PS leistet. "Unsere Vision eines Grand Tourismo von morgen", sagte Winterkorn, während der Trockeneisnebel sich langsam verzog.
Andere Neuheiten, die in den ersten Stunden der Messe enthüllt wurden, waren der Lamborghini Gallardo. Der "kleine" Bruder des Brachial-Boliden Murcielago verfügt als erster Lamborghini über Aluminium-Spaceframe und Allradantrieb. Die Optik des flunderflachen Sportwagens ist gewohnt aggressiv.
Es gab dann doch noch einen Knüller. Renault präsentierte ein Mégane Coupé-Cabrio mit elektrischem Stahl-Klappdach nach Art des französischen Konkurrenten Peugeot 307cc, der nur ein paar Schritte weiter im üppig begrünten Stand der Löwen-Marke ebenfalls seine Weltpremiere erlebte.
Für Aufsehen sorgen traditionsgemäß in Genf die Designstudios mit ihren teilweise höchst ausgefallenen Fahrzeug-Entwürfen. Den Preis des bizzarsten Modells dürfte in diesem Jahr der italienisch-schweizerische Designer Franco Sbarro einheimsen. Er kreierte - in Anlehnung an den Rumpf eines Segelflugzeugs - ein Zwei- und ein Dreirad, die jeweils von einem in einer 23-Zoll-Felge versteckten Fünfzylinder-Motor mit 300 PS angetrieben werden.
Zu einem Showdown der besonderen Art kommt es in der neu erbauten Halle 6, die die Ausstellungsfläche der Messe von 90.000 auf 100.000 Quadratmeter erweitert. Am Ende des riesigen Kubus begegnen sich Maybach und Rolls-Royce, die beiden Luxusmarken logieren einander direkt gegenüber. Während der massige Maybach 62 unbeweglich in die Halle starrt, dreht sich der noch wuchtigere Rolls-Royce Phantom in gemessenem Tempo auf einer Scheibe. Das dürfte unentschlossenen Multimillionären sehr entgegen kommen. Und der Messe-Normalbesucher bekommt auf einen Blick zwei Autos im Paket zum Preis von 800.000 Euro - ohne Extras.