Genfer Autosalon Die Anheizer
Der Genfer Feierabendverkehr ist unmittelbar vor Beginn des alljährlich stattfindenden Autosalons noch dichter als sonst. Dicke Karossen mit Stuttgarter, Ingolstädter oder Münchner Kennzeichen mischen sich in den zähen Verkehrsfluss auf den Boulevards und Avenues. Ein Mammutprogramm ist zu bewältigen.
VW feiert im Crowne Plaza Hotel den neuen Passat, Mazda in der Passage de la Radio den neuen MX-5, BMW lädt ins Batiment des Forces Motrices und Daimler-Chrysler ins Le Musée am Flughafen. Ford stößt mit seinen Gästen im Hotel President Wilson an, Jaguar diniert im Hotel La Barcarolle ein paar Kilometer außerhalb und General Motors bittet ins Chateau du Parc des Eaux-Vives.
Corvette und Geländewagen im Schlossgarten
Der größte Autokonzern der Welt hat hinter dem eleganten Schloss ein gewaltiges Zelt aufgebaut, in dem gleich sieben Autos präsentiert werden: fünf davon zeigt der Konzern als Weltpremieren in Genf zum ersten Mal, zwei davon erleben ihr Messedebüt in Europa. Es handelt sich um die US-Sportwagenikone Corvette und den Monstergeländewagen Hummer H3. Beides sind uramerikanische Autos und insofern eher Fußnoten auf einer Messe, die als Trendbarometer für die PS-Branche in Europa gilt.
Aber es stehen ja auch zwei nagelneue Opel-Modelle im GM-Zelt, nämlich der Zafira OPC und der Astra OPC. Beide tragen einen 240 PS starken 2-Liter-Turbomotor unter der Haube. Während das Astra-Coupé als rundum gelungener Kompaktsportwagen erscheint, punktet der Zafira OPC trotz der für einen Kompaktvan überbordenden Motorleistung mit einer ziemlich unscheinbaren Neuheit: Der Wagen ist der erste Opel, der die ab 1. Oktober dieses Jahres geltenden Bestimmungen für den Fußgängerschutz erfüllt.
Das Lieblingsauto der Fußgänger
Dazu gehört in erster Linie eine Knautschzone auf der Motorhaube und eine Art Puffer an der Frontpartie. Dinge, die vor allem Designern die Arbeit erschweren. Doch die Kreativen um Chefdesigner Brian Nesbitt haben ihre Aufgabe sauber gelöst: Der Zafira Vorderwagen ist für Fußgänger im Falle einer Kollision viel sicherer geworden, und dennoch sieht er nicht aufgebläht oder übermäßig gerundet aus. Stattdessen zeigt der Wagen ein frisches, gefälliges und eigenständiges Gesicht.
Von den anderen drei Weltpremieren, die GM-Marken in Genf präsentieren - dem ultrakompakten Fünftürer Chevrolet Matiz, dem tapfer die schwedischen Farben vertretenden Saab 9-3 Sportkombi und dem kantigen Cadillac BLS - fällt vor allem letzterer ins Auge. "Dieses Auto ist der Beweis, dass wir es ernst meinen mit unserem Engagement in Europa", sagt Gerard Jansen, Europa-Chef von Cadillac. Eine sehr selbstbewusste Einschätzung.
Ein Cadillac für Europäer
Der Wagen steht auf der Epsilon-Plattform des Konzerns, die auch unterm Opel Vectra steckt. Doch wirkt der BLS mindestens doppelt so wuchtig wie sein deutscher Technikzwilling. Mit seinen amerikanischen Markenbrüdern hat er nur den Namen gemein. Maße, Motoren, (kein V8, dafür Diesel) und Fahrwerkauslegung des 3er-Konkurrenten sind ganz auf europäische Verhältnisse zugeschnitten.
"Mit diesem Auto wollen wir unser Verkaufsvolumen in Europa verdoppeln", sagt Jansen. Im vergangenen Jahr setzte Cadillac europaweit 1303 Autos ab, wenn der BLS ab Anfang 2006 verfügbar ist, hoffen die Amerikaner auf rund 2600 Neuzulassungen. Jansen plant schon weiter: "Im Jahr 2010 wollen wir 20.000 Autos pro Jahr in Europa verkaufen." Allein mit dem BLS wird das sicher nicht gelingen. Aber bis dahin ist ja noch Zeit - für weitere Premieren, Previews und Partys.