Genfer Salon: Kulleraugen und Comic-Gesichter - DER SPIEGEL
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Genfer Salon Kulleraugen und Comic-Gesichter

Protz, Power und PS stehen auf dem Genfer Autosalon im Scheinwerferlicht. Doch auch die Kleinen spielen am Lac Leman wieder eine große Rolle.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Weil sie gleich zu dritt in den Hallen der Palexpo vertreten sind, springen sie sofort ins Auge: die Modelle Toyota Aygo, Peugeot 107 und Citroen C1. Entwickelt wurden die japanisch-französischen Drillinge von Toyota und dem PSA-Konzern Peugeot Citroen gemeinsam. Sie teilen sich technische Plattform, Motoren, die Frontscheibe und die vorderen Türen. Produziert werden sie im tschechischen Werk in Kolin, in dem zeitgleich mit der Premiere in Genf die ersten Exemplare vom Band laufen. 300.000 sollen es bei voller Auslastung pro Jahr sein, jeweils 100.000 für jeden Entwicklungspartner.

Auch wenn die rund 3,43 Meter langen, 1,63 Meter breiten und 1,47 Meter hohen Drei- oder Fünftürer in ihren Abmessungen jeweils nur um wenige Zentimeter variieren, optisch unterscheiden sie sich deutlich. Der Aygo trägt das bekannte Toyota-Gesicht mit großem Logo, dessen Wölbung sich über die gesamte Motorhaube zieht. In der Heckansicht mit betont modellierten Stoßfängern und Rücklichtern erinnert er dagegen schon fast an die Smart-Optik.

Die beiden Franzosen geben sich da etwas moderater: Der Peugeot trägt die mandelförmigen Scheinwerfer auf der gewölbten Nase und das große Kühlermaul, aus dem ein dicker schwarze Stoßfänger ragt. Auch der Citroen riskiert diese dicke Lippe und grinst dazu mit hoch in den Kotflügeln platzierten Kuller-Augen in die Autowelt.

"Bis zur Präsentation hier in Genf wurden die Aktivitäten gemeinsam abgestimmt", sagt ein Peugeot-Sprecher, "ab jetzt geht jeder in punkto Positionierung, Marketing und Vertrieb eigene Wege." Deutlich zu sehen ist das auf dem Toyota-Stand, wo die Japaner der Serienversion zugleich eine Aygo-Studie mit ausziehbarer Heck-Disco sammt zwei Plattenspielern und mehreren Lautsprechern zur Seite gestellt haben.

Beim Antrieb herrscht Arbeitsteilung

In den Serienversionen wird für diese DJ-Austattung kaum Platz sein. Denn der nur über eine hohe Ladekante zugängliche Kofferraum misst sowohl in der japanischen wie französischen Variante gerade mal 139 Liter. Bei umgeklappten Rücksitzen wächst er beim Dreitürer auf 712, beim Fünftürer auf bis zu 751 Liter. Der Innenraum bietet dank der extrem kurzen Überhänge und einem Radstand von 2,34 Meter gerade mal Platz für vier Personen. Cockpit und Interieur unterscheiden sich bis auf das entsprechende Markenlogo nicht voneinander. Das gilt auch für die aufpreispflichtigen aufgesteckten Drehzahlmesser oder die orange beleuchteten Bedienelemente.

Beim Antrieb herrscht Arbeitsteilung: Toyota liefert einen 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 68 PS, der wahlweise mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe oder dem automatisierten Schaltgetriebe gekoppelt werden kann. Er soll die Abgasnorm Euro 4 erfüllen und sich im Durchschnitt mit 4,6 Liter pro 100 Kilometer begnügen. PSA hingegen stiftet seinen 1,4-Liter-Commonrail-Diesel, der 54 PS und ein maximales Drehmoment von 130 Nm entwickelt. Er soll mit 4,0 Litern auf 100 Kilometer auskommen. Zur Serienausstattung aller drei Modelle gehören ABS mit Bremskraftassistent, Kurvenbremskontrolle CSC, Frontairbags und eine Servolenkung. Je nach Ausstattungsversionen soll es weitere Sicherheits- und Technikfeatures geben.

Zu welchen Preisen? Das verraten alle drei Hersteller noch nicht. Die sollen erst bekannt gegeben werden, wenn die drei unterschiedlichen Brüder auf den Markt kommen. Den Anfang macht, wie in Genf zu hören war, Citroen "im Juni", gefolgt von Toyota "Anfang Juli" und Peugeot "noch vor den Sommerferien".

Auf den Renault Zoé wird man sicher noch etwas länger warten müssen. Das Concept-Car wurde "eigens für die Anforderungen im Stadtverkehr entwickelt", sagt Chef-Designer Patrick le Quément. Weil hier seiner Meinung nach ein Pkw "durchschnittlich 1,4 Passagiere befördert", reine Zweisitzer von den meisten Kunden aber "als unpraktisch empfunden werden", hat Renaults kreativer Kopf den 3,45 Meter kurzen Kleinwagen als Dreisitzer gestaltet. Wobei neben dem nierenartig geformten dritten Platz hinter dem Beifahrersitz noch einmal ein 297 Liter großer Kofferraum entstanden ist.

Doch in dem niedlich gestylten Asphalt-Ei, das mit seinen Scheinwerfer-Augen, dem Renault-Rhombus auf der Nase und dem schmalen Kühler-Mund direkt einem Comic entsprungen scheint, stecken noch weitere Show-Gimmicks. So etwa eine elektrisch nach hinten schwenkende Beifahrertür, nach oben schwingende Seitenpartien des Daches oder eine Heckscheibe, die beim Öffnen über das Türelement geschoben wird.

Gehen wahrscheinlich nicht in Serie

Futuristisch erscheinen auch die frei schwebenden Vordersitze und der Armaturenträger sowie eine herausnehmbare Memory-Bedieneinheit, mit der der Fahrer Sitz- und Lenkradposition, Bedienelemente, Spiegeleinstellungen oder Musik individuell einrichten und speichern kann. Dass diese Innovationen oder gar das ganze Modell in Serie gehen, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Es wäre nicht das erste pfiffige Konzept, das bei Renault wieder im Keller verschwindet.

"Auf dem nüchternen Boden der Realität bewegt man sich da wieder mit der Neuauflage des Chevrolet Matiz. Das Auffälligste an dem ehemaligen Daewoo-Winzling ist noch sein neues Markenlogo. Die zweite Generation fährt mit den beiden bekannten Motoren, die allerdings überarbeitet wurden und jetzt die Abgasnorm Euro 4 erfüllen. Das Dreizylinder-Motörchen mit 796 Kubikzentimeter Hubraum leistet 52 PS, das 1,0-Liter-Vierzylinder-Aggregat 66 PS. Beide Modelle sollen durch weniger Gewicht und geringeren Luftwiderstand jeweils rund einen Liter Normalsprit einsparen. Ende April soll der 3,50 Meter kurze Matiz beim Händler stehen.

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