Gepanzerte Mercedes S-Klasse Abrahams Schoß
Die neue S-Klasse ist kaum auf dem Markt, da schiebt Mercedes den Wagen als Sonderschutzfahrzeug namens S-Guard nach. Das gepanzerte Modell, gedacht für Staatsoberhäupter, Konzernchefs oder Prominente mit besonderem Schutzbedürfnis, wird von Spezialisten im Werk Sindelfingen von Grund auf so massiv und unbezwingbar gebaut, dass es in die höchste Widerstandsklasse B6/B7 eingestuft werden kann. Rückwand, Seitenteile, Türen, Dach oder Stirnwand sind aus extra dickem und festem Stahl gefertigt.
"Die Armierung hält sogar Gewehrprojektile aus dem militärischen Bereich auf", verspricht Mercedes. Zudem könnten weder Handgranaten noch andere Sprengsätze dem Wagen etwas anhaben. Der Tank würde sich nach einem Treffer von selbst wieder abdichten, die Reifen tragen das Fahrzeug auch bei vollständigem Druckverlust noch aus der Gefahrenzone.
Das Problem, dass sich das Modell S-Guard mit allen anderen gepanzerten Autos teilt, ist das Gewicht. Allein die speziellen Scheiben des Wagens wiegen ein Vielfaches der normalen Serienverglasung. Gepanzerte Autos brauchen daher ein auf das drastisch höhere Gewicht abgestimmtes Fahrwerk sowie größer dimensionierte Bremsen und vor allem einen stärkeren Motor als die Standardversion des Modells.
Mercedes verspricht für das neue Modell S-Guard "ein nahezu serienidentisches Fahrverhalten". Gut geschützt unter der Haube arbeitet ein Zwölfzylinder-Biturbo-Motor mit der gewaltigen Leistung von 517 PS (380 kW). Über die Fahrleistungen wird, wie über eigentlich alles Details dieser Sonderschutzfahrzeuge, strenges Stillschweigen bewahrt. "Diskretion", sagt ein Mercedes-Sprecher, "ist oberstes Gebot." Die Kundschaft schätzt diese Verschwiegenheit und genießt offenbar das Gefühl, so sicher wie in Abrahams Schoß durch die Lande chauffiert zu werden.
Dieses Gefühl hat seinen Preis. Die bisherige S-Klasse mit Komplettpanzerung verkaufte Mercedes ab 205.000 Euro. Mit dem hohen Gut Sicherheit lassen sich also auch gute Geschäfte machen. Auch das ist ein Grund für die Verschwiegenheit der Hersteller solcher Fahrzeuge. Nicht nur die Kundschaft soll inkognito bleiben, auch die Konkurrenten in dieser kleinen, aber lukrativen Marktnische sollen möglichst keine Informationen erhalten. Safety first!