Golf Variant Bi Fuel: Jetzt auch VW - DER SPIEGEL
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Golf Variant Bi Fuel Jetzt auch VW

Mit den Luxusautos Phaeton und Touareg wurde geprotzt, nun gibt Volkswagen ganz unspektakulär eine weitere Premiere bekannt. Die Wolfsburger bauen erstmals ein Auto mit serienmäßigem Erdgasantrieb. Endlich mal eine wirkliche Innovation.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Um die Fraktion der Besserwisser gleich zu beruhigen: Ja, bereits seit 1993 sind Erdgas-Autos von VW im Handel. Allerdings handelt es sich dabei ausschließlich um umgerüstete Fahrzeuge. Mit dem jetzt vorgestellten Golf Variant Bi Fuel jedoch wird erstmals ab Werk der komplette, für den Erdgasbetrieb notwendige Ausstattungsumfang geliefert. Erkennbar ist der Golf-Kombi von außen nur durch den gelb-silbernen Schriftzug "Bi Fuel" am Heck und an den beiden Tankstutzen am rechten hinteren Kotflügel.

Angetrieben wird das Auto von einem Zwei-Liter-Vierzylinder-Motor aus dem VW-Regal. Im Benzinbetrieb leistet die Maschine 115 PS (85 kW), während der Ergasverbrennung liegt die Leistung bei 102 PS (75 kW). Das Volumen des Benzintanks blieb mit 55 Litern gegenüber den monovalenten Versionen gleich. Der Treibstoff reicht für rund 680 Kilometer. Dazu kommen noch einmal 210 Kilometer Reichweite, die der Gasbetrieb möglich macht. Das Erdgas wird in zwei Tanks aus kohlefaserverstärktem Kunstharz (CFK) gelagert, die in der Reserveradmulde unter dem Kofferraumboden untergebracht sind. Das Fassungsvermögen beider Tanks beträgt 73 Liter. Trotz der Extratanks, die übrigens durch einen speziellen Rohrrahmen vor den Folgen eines Auffahrunfalls geschützt sind, bleibt ein maximales Kofferraumvolumen von bis zu 1285 Liter erhalten.

Das Auto läuft beim Starten im Benzinbetrieb und schaltet sich nach dem Erreichen der Betriebstemperatur automatisch und für die Insassen unmerklich auf Gasversorgung um. Sobald der Gasvorrat erschöpft ist, schaltet der Motor wieder auf Benzin um. Die jeweilige Betriebsart sowie den Inhalt des Benzin- und der Gastanks erfährt der Fahrer durch Anzeigen im Cockpit. Die Werte in beiden Fahrmodi unterscheiden sich kaum. Im Benzinbetrieb dauert die Standardbeschleunigung von 0 auf Tempo 100 nach VW-Angaben 11,7 Sekunden und der Durchschnittsverbrauch liegt bei 8,1 Liter je 100 Kilometer. Im Gasbetrieb dauert der Spurt 12,7 Sekunden und der Verbrauch liegt im Schnitt bei 6,0 Kilogramm je 100 Kilometer. Um für größtmögliche Sicherheit zu sorgen, hat VW sämtliche Hochdruckleitungen aus Edelstahl gefertigt; zudem schließt ein elektromagnetisches Ventil nach dem Abstellen des Motors die Ergasbehälter automatisch.

Was die Wirtschaftlichkeit betrifft, sind Bi-Fuel-Autos derzeit nahezu konkurrenzlos. Der Ergaspreis liegt im Schnitt bei etwa 0,62 Cent je Kilogramm - und ein Kilo Ergas der Gruppe H entspricht in etwa 1,5 Liter Benzin. Bezogen auf einen Liter Benzin kostet Erdgas somit zurzeit weniger als 50 Cent. VW nutzt dies für ein Verkaufsargument. Der Mehrpreis des Autos von 3925 Euro gegenüber einem herkömmlichen Golf Variant rechne sich "schon alleine über die Kraftstoffkosten nach relativ kurzer Zeit". Dazu kommen, je nach regionalem Erdgasversorger, Zuschüsse zum Auto-Kaufpreis oder Tankgutscheine für Erdgas. Ökologisch im Vorteil gegenüber normalen Benzinern ist der Wagen außerdem. Der Ausstoß von Kohlendioxid und Kohlenmonoxid wird im Erdgasbetrieb deutlich verringert, der Golf Variant Bi Fuel erfüllt damit die Grenzwerte der EU-4-Norm.

VW bietet das Auto in fünf Ausstattungsversionen an; der Preis für das günstigste Bi-Fuel-Modell liegt bei 23.125 Euro.