GTI-Treffen: Der Wörthersee glüht - DER SPIEGEL
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GTI-Treffen Der Wörthersee glüht

VW-Fans, stellt die Spoiler auf: Das GTI-Treffen am Wörthersee naht, ab kommendem Donnerstag toben in Reifnitz wieder die Tuner. Zwischen all den aberwitzigen Eigenbauten wollen Audi und VW mit zwei Design-Studien ihre Anhänger grüßen. Das Modell von Audi glüht schon mal vor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein paar Tage noch, dann ist es vorbei mit der Beschaulichkeit am Wörthersee. Jedenfalls vorübergehend. Wo sonst Wanderer und Radfahrer unterwegs sind, fallen an Fronleichnam rund 250.000 Fans der VW-Gruppe ein und feiern beim legendären GTI-Treffen mit einem Schaulaufen der automobilen Kuriositäten eine der größten PS-Partys des Kontinents. Vier Tage lang werden die Bässe wummern, die Auspuffrohre bollern und die Tuning-Girls in knappen Röcken und hautengen Tops um die Aufmerksamkeit der Besucher wetteifern.

Die Klientel ist nicht durchweg so strukturiert, dass man restlos stolz auf es sein könnte. Doch wer an den Wörthersee kommt, steht in Treue fest zur Marke. Deshalb sind - neben den üblichen Scharfmachern aus der Tuning-Branche - längst auch die Hersteller VW und Audi am Wörthersee präsent, um dem GTI-Pulk ihre Aufwartung zu machen. Statt Aufklebern, Prospekten und ein paar Accessoires zeigen sie dort sogar spezielle Design-Studien, die einzig und allein für dieses Treffen entworfen werden. So hat VW im vergangenen Jahr einen Golf mit dem Zwölfzylindermotor aus dem Phaeton aufgerüstet und Audi den TT als "Clubsport Concept" zu einer puristischen Fahrmaschine gestrippt. Weil das Echo so gewaltig war, wird es auch in diesem Jahr wieder zwei offizielle Showstars geben.

Bei VW macht man daraus allerdings noch ein großes Geheimnis und lässt allenfalls in Andeutungen durchblicken, dass es vielleicht um den neuen Scirocco gehen werde. Audi hingegen hat bereits die ersten Fotos und Details der Studie veröffentlicht, mit der die Pulsfrequenz der Partygäste noch einmal beschleunigt werden soll.

Die Bayern setzen dabei auf das aktuelle Einstiegsmodell A3, das unter der Hand von Designern und Technikern zum "Clubsport Quattro" mutiert und (fast) alle Vorgaben der Tuning-Gemeinde erfüllt: Tiefer, breiter und schneller ist der Wagen allemal. Nur an den Motor werden sich die Vollgas-Freunde erst noch gewöhnen müssen. Denn unter der Haube steckt kein hochgerüsteter Benziner, sondern ein Common-Rail-Diesel. Er steht in der Tradition des Le-Mans-Siegers Audi R10 TDI, der Zwölfzylinder-Dieselstudie auf Basis des R8 sowie dem ersten Serienselbstzünder im TT und markiert damit die nächste Runde in der sportlichen Imagekampagne für den Ölbrenner.

Ein Ölbrenner als GTI-Schreck

Der Motor der Studie basiert auf dem Zweiliter-Aggregat aus dem TT. Statt 170 PS und 350 Nm kommt der Vierzylinder hier allerdings auf 224 PS und 450 Nm. Zumindest in der Papierform erscheint der Diesel damit als Dampfhammer, der das Auto in 6,6 Sekunden auf Tempo 100 schnellen lässt und mit 240 km/h Höchstgeschwindigkeit zum Schrecken des GTI werden könnte. Zwar macht Audi noch keine Angaben zum Verbrauch, doch wenn das kleine Coupé 5,3 Liter braucht und der R8 TDI mit weniger als zehn Litern zufrieden ist, sollte sich der A3 Clubsport irgendwo bei sechs oder sieben Litern einpendeln.

Zum potenten Antrieb gibt es ein deutlich strammeres Fahrwerk mit breiterer Spur, neuer Programmierung für das variable Drive-Select-System und 20-Zoll-Felgen, auf die 265er Gummiwalzen aufgezogen wurden. Außerdem trägt der A3 für das Event am Wörthersee all den üblichen Zierrat, der bei der PS-pubertären Dorfjugend so gut ankommt. Die Front ist so weit aufgerissen, dass einem beim Blick in den Rückspiegel Angst und Bange werden könnte. An den Flanken trägt der A3 aufgeschraubte Kotflügelverbreiterungen und am Heck prangt über einem Diffusor und Endrohren der Machart "Dicke Berta" ein Spoilerflügel, der auch auf ein Kleinflugzeug passen würde. Selbst die Lackierung in Rot und Weiß haben die Bayern mit Bedacht gewählt – nein, nicht wegen der Pommes-Zutaten, sondern wegen der rot-weiß-roten Flagge des Gastlandes.