Honda Accord Der Akkord-Arbeiter
Die deutsche Zulassungsstatistik ist deutlich: In der Mittelklasse machen Importeure kaum einen Stich. Mit Anteilen weit im zweistelligen Bereich wird das Feld der Familienautos und Dienstwagen dominiert von Modellen wie dem VW Passat, der Mercedes C-Klasse, dem 3er BMW und dem Audi A4. Trotzdem lassen sich einige Importmarken nicht entmutigen und buhlen weiter um die Gunst der wenigen Kunden, die nicht auf einen deutschen Hersteller fixiert sind.
Zu den Unverzagten zählt auch Honda, wo sich jetzt ein neuer Accord warmläuft. Nachdem das Vorgängermodell in der KBA-Statistik im vergangenen Jahr mehr als 30 Prozent einbüßte und zuletzt bei einem Segmentanteil von weniger als einem Prozent dümpelte, keimt zum Autosalon in Genf (6. bis 16.März) wieder das zarte Pflänzchen Hoffnung. Denn dort feiern die Japaner die Premiere der mittlerweile achten Modellgeneration, mit der - wie könnte es anders sein - natürlich alles viel, viel besser werden soll. Versprochen wird, dass Limousine und Kombi schöner aussehen, und zudem sportlicher, sicherer und sparsamer geworden sind.
Zwar bleibt Honda genaue Daten schuldig. Doch ist der Accord beim Generationswechsel diesmal nicht noch größer geworden. Stattdessen wurden beide Karosserieversionen etwas flacher und breiter, was dem sportlichen Auftritt zu Gute kommt. Dazu gibt es einen - dem Fußgängerschutz geschuldeten - sehr hohen Bug, an dem zwischen zwei schmalen, weit um die Ecken gezogenen Scheinwerfern ein riesiger Kühlergrill prangt. Die Flanke wird bestimmt von deutlich herausmodellierten Radläufen und einem feinen Chromband um die Seitenfenster; und am Heck verabschiedet sich Honda von der Kante. Vor allem der Tourer genannte Kombi wirkt nun sehr viel runder und harmonischer als das Vorgängermodell.
Trotzdem soll sich am Ladevolumen kaum etwas geändert haben, versprechen die Japaner. Überhaupt wurde wohl verstärkt am Innenraum gefeilt. Der ist angeblich "deutlich aufgewertet", mit besseren Materialien ausgestattet und präziser verarbeitet. Außerdem sieht der Accord jetzt auch innen sportlicher aus, weil die Instrumente Tiefenwirkung haben, das Lenkrad hübsch griffig erscheint und am Armaturenbreit von beiden Seiten schmucke Chromleisten wie ein V in der Mittelkonsole zusammenlaufen.
Beinahe schon ein Roboterauto
Wichtiger als all der schöne Schein ist den Japanern allerdings diesmal die Sicherheit und ein Bündel von Assistenzsystemen, mit denen sie gerade den deutschen Herstellern entgegen treten wollen. Zwar zum Teil nur für einzelne Motorvarianten und auch dort nur gegen Aufpreis erhältlich, rüstet Honda den neuen Accord in einigen Versionen zum fahrenden Roboter auf. Nein, einen Autopiloten gibt es noch nicht. Doch zumindest unachtsame Fahrer werden froh und dankbar sein, wenn der Spurhalteassistent den Accord von alleine wieder auf die Ideallinie zurückführt. Den korrekten Abstand zum Vorausfahrenden hält ein Radarsystem ein, und wenn der Mensch vor einer drohenden Kollision alle Warnungen ignoriert, dann bremst die Elektronik automatisch vehement ab.
Außerdem wird künftig das ESP mit der elektrischen Servolenkung kombiniert, so dass in Krisensituationen automatische Lenkempfehlungen den Fahrer intuitiv zu einem stabilen Fahrstil führen. Und wer einen Anhänger am Haken hat, kann sich darauf verlassen, dass die Elektronik das gesamte Gespann überwacht und ein Schlingern zu verhindern versucht. Falls trotzdem mal was passiert, geizt Honda auch nicht mit passiver Sicherheitstechnik: Sechs Airbags und aktive Kopfstützen sind deshalb bei allen Modellen Standard.
Die Motoren werden stärker - und sparsamer
Natürlich haben die Entwickler auch unter der Haube des Accord Hand angelegt und dort nach der mittlerweile üblichen Formel "mehr Fahrspaß bei weniger Verbrauch" die Leistung oder zumindest das Durchzugsvermögen erhöht und den Durst gezügelt. Allerdings bleiben die Japaner auch hier noch genaue Daten schuldig. Amtlich ist bislang nur, dass der Zweiliter-Dieselmotor um zehn PS zulegt und nun mit 150 PS und 350 Nm loslegt. Der gleich große Basis-Benziner tritt unverändert mit 156 PS an, weist aber "eine in seiner Klasse führende Kraftstoffeinsparung und CO2-Reduzierung auf", verspricht Honda vollmundig. Und der 2,4-Liter-Vierzylinder des Top-Modells bekommt je zehn PS und Nm mehr und geht deshalb mit 200 PS und 233 Nm ins Rennen.
Schon im Sommer kommt der neue Accord auf den Markt, doch über Preise wird bei Honda vor der Messepremiere nicht gesprochen. Doch wenn die Japaner nicht in der Mittelklasse wieder zulegen wollen, sind große Sprünge nicht drin. Viel mehr als die bisherigen knapp 26.000 Euro für die Limousine und die nicht einmal 27.000 Euro für den Kombi werden sie also kaum verlangen können.