Hostessen-Mode: Teures Blech und nackte Haut - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hostessen-Mode Teures Blech und nackte Haut

Auto-Ausstellungen sind im Grunde eintönig: Überall stehen Fahrzeuge herum, auf Rampen, Drehscheiben und inmitten kurioser Inszenierungen. Gegen den Auto-Overkill kämpfen die Hersteller mit mehr oder weniger bekleideten Hostessen an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bildergalerie: Bauchfrei unterm Eiffelturm

Die jungen Damen lächeln freundlich, verteilen Prospekte, öffnen Autotüren oder Kofferraumdeckel und geben Auskunft, wie man in die nächste Halle oder zur nächsten Toilette gelangt. Kurzum: Die Hostessen verbreiten gute Stimmung - vor allem deshalb, weil das meist männliche Publikum sich vor hübschen Frauen in der Regel besser benimmt als unter seinesgleichen.

Die Arbeit der Mademoiselles ist wichtig, deshalb wird größter Wert auf ihr Äußeres gelegt. Es soll vor allem zum Image der Marke passen, die von den jungen Frauen repräsentiert wird. Auf klassischen Business-Look und Seriosität setzen BMW, Nissan, und Volkswagen, wo die Hostessen Kostüme in gedeckten Farben tragen.

Das offizielle Ford-Outfit ist zwar auch ein dunkelblaues Kostüm, doch der Stoff schimmert raffiniert. Kostüme in leuchtendem Orange deuten bei Peugeot zumindest einen Hauch von vorsichtigem Anderssein an.

Neben dem klassischen Kostüm sind vor allem rote Kleider bei den Autoherstellern im Trend: Bei Mercedes endet der hübsch geschnittene und mit einer Reihe hellgrauer Knöpfe zusammengehaltene Stoff kurz überm Knie. In diesem Bereich pendeln sich auch die roten Kleider der Hostessen bei Citroën und Kia ein, wobei die Franzosen den Damen dicke Kugelketten um den Hals hängen und die Koreaner eine asiatisch-anmutende Linie bevorzugen.

Flottere Kreationen tragen die Hostessen bei Renault - ihre sandfarbenen Anzüge mit den violetten oder grünen Tüchern über der rechten Schulter erinnern an alte Science-Fiction-Filme; möglicherweise ein modischer Verweis auf die Zukunftspläne des Konzerns.

Beim kleinen französischen Hersteller Matra tragen die Frauen hinter dem Informationstresen blaue Caps und Kapuzenpullis, bei Suzuki neongrüngelbe Sommerkleidchen und auf dem Stand des neuen Mini schulterfreie Tops, damit die Tatoos auf den Oberarmen gebührend zur Geltung kommen. Die Botschaft ist eindeutig: Wir sind sportlich, hip, cool und kein bisschen spießig!

Die modische Messlatte in Sachen Extravaganz allerdings legen Mitsubishi und General Motors an. Die Japaner kleiden ihre Hostessen ganz in Rosa - mal als Cowgirl, mal bauchfrei und mit raffiniert geschnürten Sandalen als Vamp.

Bei Opel, Cadillac, Saab und den anderen GM-Marken tragen die Damen zu türkisfarbenen Riemchensandalen blaue Fransenkleider mit Spaghettiträgern und blau-türkisfarbenem Kopfschmuck. Das sieht futuristisch, mutig und extrovertiert aus - passt derzeit allerdings nur bedingt zu den General-Motors-Marken.

Die Show in Sachen Hostessen-Outfit stiehlt der etablierten Konkurrenz der französische Zwergmobil-Hersteller Ligier. Er setzt auch bei der Kleidung konsequent auf Minimalismus: Die Hostess am Stand in Halle 2 trägt ein knappes, silbrig-glänzendes Kostüm - und nicht viel darunter. Weil die Dame den Auftrag hat, immer ganz dicht neben den Autos auf dem Stand zu stehen und zu lächeln, dürften die Vehikel zum meistfotografierten Hintergrund des Pariser Autosalons zählen.

Bildergalerie: Bauchfrei unterm Eiffelturm

Mehr lesen über