Hummer-Vermietung Kinnlade im Keller
"Selbst mein konservativer Großvater war begeistert", schrieb ein Kunde ins Gästebuch auf der Internetseite der Firma Yellowhummer. Der ehemalige EDV-Spezialist John Godehardt lernte während eines USA-Aufenthalts die Vorzüge wirklich großer Autos kennen - zunächst am Steuer eines Chevrolet Suburban, dann in einem Hummer. Ein Auto im XXL-Format, 4,85 Meter lang, 2,06 Meter breit, 2,10 Meter hoch und knapp 3 Tonnen schwer; unter der Haube wummert ein 6-Liter-V8-Motor mit 320 PS. Schon der Anblick des Wagens flößt Respekt ein, und wenn die Fuhre anrollt, zittert das Trommelfell und die Kinnlade klappt schon mal in den Keller. Genau deshalb fuhr zum Beispiel General Norman Schwartzkopf einen Hummer, als er die US-Truppen im ersten Golfkrieg befehligte.
Seither ist das Auto weltweit bekannt. Und zugleich nistete sich offenbar in den Köpfen vieler Männer der Traum ein, in diesem Riesenauto einmal selbst am Steuer zu sitzen. Godehardt hat allerdings erkannt: "In Deutschland traut sich eigentlich niemand, einen Hummer zu kaufen, weil es soziale Zwänge gibt, die das verhindern. Wer will schon von seinen Nachbarn oder Geschäftskollegen wegen dieses Autos kritisch angesprochen werden." Also kauft er die Hummer-Fahrzeuge und bietet sie seit rund einem Jahr als Mietwagen an. "Als Auto für ein paar Stunden oder Tage ist der Hummer akzeptiert", sagt Godehardt, und genau darauf beruht sein Geschäft.
Neben den Privatkunden, die sich einen Autotraum erfüllen, den Wagen für einen Tag an einen Freund verschenken oder in einem Hummer zur Hochzeit kutschieren, sind auch Firmen an den gelben Riesenmobilen interessiert. Godehardt: "Siemens hat einige Autos kürzlich als VIP-Shuttles genutzt, andere kommen beim Eventmarketing zum Einsatz oder werden mit Werbeaufklebern bepflastert und sorgen so für Aufmerksamkeit."
Insgesamt neun Fahrzeuge aller drei Hummer-Typen stehen derzeit an sieben Verleihstationen in Deutschland bereit. Demnächst soll noch eine Dependance in München dazukommen, weitere Filialen sind geplant. Ab 199 Euro pro Tag inklusive 300 Kilometer ist ein Hummer buchbar, das Mindestalter für Leihwillige liegt bei 23 Jahren, vorgelegt werden müssen lediglich ein deutscher Führerschein plus Personalausweis. Damit klar ist, dass ein Hummer kein Sportwagen, sondern ein Auto zum gemächlichen Flanieren und gesehen werden ist, wurde die Höchstgeschwindigkeit der Mietautos auf 160 km/h begrenzt. "Die Kunden", sagt Godehardt, "gehen ohnehin sehr vorsichtig und respektvoll mit diesem außergewöhnlichen Auto um." Auf den rund 100.000 Kilometern, die inzwischen an Gesamt-Vermietdistanz zusammengekommen sind, ereignete sich bislang nur ein kleiner Blechschaden.
Im kommenden Jahr könnten ein paar Kratzer mehr dazukommen, allerdings an den knallgelben Hummer-Modellen. Denn dann plant Godehardt drei Offroad-Veranstaltungen, an denen die mächtigen Allradler im Schlamm und im Sand, über Stock und über Stein bewegt werden können. Dann wird wohl auch der Verbrauch noch etwas mehr in die Höhe gehen. Im Mittel aller Modelle, so hat Godehardt mit Hilfe der Bordcomputer in allen Leihautos ermittelt, verbraucht seine Hummerflotte zwischen 21 und 22 Liter Benzin je 100 Kilometer. Das sei angesichts des spektakulären Fahrerlebnisses vertretbar, meint der Chef. "Ein Ferrari oder ein Porsche Cayenne Turbo kommen auch in diese Größenordnung."