Hyundai i10 Mini auf Koreanisch
Hyundai ist im Umbruch. Schon im vergangenen Jahr haben die Koreaner zusammen mit der Schwestermarke Kia den sechsten Platz in der Weltrangliste der Automobilhersteller erreicht - angestrebt ist eine Position unter den Top Five. Um die letzten Lücken in den Modellpaletten zu füllen, werden jetzt vor allem in Europa und in Nordamerika viele wichtige Premieren vorbereitet. Dabei könnte die Strategie nicht unterschiedlicher sein: Während jenseits des Atlantiks bereits der Aufstieg in die Oberklasse geplant wird, stehen diesseits weiterhin bescheidenere Autos im Focus.
Besonders deutlich wird das am i10, der jetzt auf der Motorshow in Bologna seine Premiere feiert und ab März als Nachfolger des Atos zu geschätzten Preisen knapp unter 10.000 Euro zu den deutschen Händlern kommen wird. Zwar hat der Kleinwagen das vormals traurige Design gegen ein charmantes Gesicht und eine schwungvoll gezeichnete Silhouette eingetauscht. Doch ein Feuer des Begehrens kann das Wägelchen - anders als etwa der Fiat 500 - nicht entzünden. Auch die Ausstattung ist eher mäßig: Frontairbags sind Standard, doch Seitenairbags und Servolenkung gibt es erst im Top-Modell und ESP nur gegen Aufpreis.
Dafür punktet der i10 mit inneren Werten. Obwohl er in der Länge unverändert 3,57 Meter misst und in der Höhe sogar ein paar Zentimeter einbüßte, bietet das Auto innen spürbar mehr Platz. Das verdankt er gut fünf Zentimetern mehr Breite und dem stattlichen Radstand, der auch diesmal wieder 2,38 Meter misst und Konkurrenzmodelle wie den Fiat Panda oder den Toyota Aygo überragt. Allerdings geht der Raumgewinn für die Passagiere zu Lasten des Gepäcks, der Kofferraum fasst nur noch 225 Liter. Wird die geteilte Rückbank umgelegt, bietet der i10 wieder wie früher fast 1000 Liter Stauraum.
Frischer Innenraum, bescheidene Motoren
Glücklicherweise wurde das Interieur kräftig entstaubt. Die Sitze tragen bunte Tupfen, das Plastikcockpit wirkt zwei Klassen hochwertiger und die metallisch schimmernden Zierrahmen lassen zusammen mit den weiß hinterlegten Instrumenten sogar einen Hauch von Sportlichkeit aufkommen.
Lediglich an den Grundbedürfnissen der Mobilität ausgerichtet sind allerdings die beiden Motoren, mit denen der i10 starten wird. Benziner wie Diesel haben 1,1 Liter Hubraum, kommen auf 66 oder 75 PS und schaffen nicht mehr als 165 km/h. Dafür allerdings ist der Verbrauch mit fünf Litern beim Benziner und 4,3 Litern beim Diesel erfreulich niedrig. Und wer um den Fahrspaß fürchtet, für den hat Hyundai einen Trost parat: Ende 2009 soll es einen weiteren Benziner mit 1,2 Litern Hubraum und 80 PS geben.
Der i10 ist ein Kind der Globalisierung und eines der wenigen Autos für Europa, das aus Indien kommt. Schon die Fertigung des Vorgängers wurde während der Laufzeit auf den Subkontinent verlegt. Und für den Nachfolger hat Hyundai in Chennai ein nagelneues Werk errichtet, das sich die Koreaner rund 500 Millionen Dollar kosten ließen und zur Drehscheibe im interkontinentalen Kleinwagengeschäft ausbauen wollen. Auch die Neuauflage des nächstgrößeren Getz soll dort vom Band laufen.
In den USA sind große Autos angekündigt
Während sie also in Europa und Asien kleine Brötchen backen, fahren die Koreaner in den USA eine ganz andere Strategie: In einem Land, in dem sie vom Mittelklasse-Modell Sonata in einem Monat mehr Modelle verkaufen als alle europäischen Marken zusammen im ganzen Jahr, fühlen sie sich reif für den Aufstieg und bereiten deshalb den Start der luxuriösen Limousine Genesis vor. Auf der Auto Show in New York enthüllt und zum Branchengipfel im kommenden Januar in Detroit als Serienmodell avisiert, soll der fünf Meter lange Luxusliner mit Heckantrieb und bis zu acht Zylindern zur preiswerten Alternative im Feld der japanischen Edelmarken werden. Dazu reift ein sportlicher Zweitürer, der das aktuelle Hyundai Coupé beerben und in die nächsthöhere Sportwagenklasse aufsteigen soll.
Hierzulande beobachtet man das Treiben mit Interesse und einer Spur von Neid. Denn natürlich würde den Managern in der neuen Europazentrale in Frankfurt ein feudales Flaggschiff gut gefallen und wenn es nur als Dienstwagen wäre. Doch fürs Erste steht auf dem Modellplan nur Hausmannskost. Neben dem i10 startet im Frühjahr der Kombi der Kompaktbaureihe i30. Auf dem Genfer Salon im März wird die Modellpflege für die Limousine Sonata vorgestellt, und im Herbst folgt auf dem Pariser Salon der Getz-Nachfolger i20, wie Pressesprecher Stefan Henrich den Premierenplan herunterrattert.
Nach dem US-Modell Genesis gefragt, anwortet er: "Der Marke würde so ein Imageträger sicher gut tun." Dann erwähnt er, quasi als Präzedenzfall, den Geländewagen Veracruz: Ursprünglich nur für den US-Markt entwickelt, gibt es den Allradler mit strammerem Fahrwerk und V6-Dieselmotor bald auch in Europa.